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Erweiterung der Papierfabrik Smurfit Kappa in Wrexen: 65.000 Quadratmeter Wiesen als Naturschutzausgleich

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Von: Armin Haß

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Das Sondergebiet Am Knappe in Wrexen, wo derzeit das alte Seniorenheim steht, soll zum Wohngebiet umgewidmet werden.
Das Sondergebiet Am Knappe in Wrexen, wo derzeit das alte Seniorenheim steht, soll zum Wohngebiet umgewidmet werden. © Elmar Schulten

65.000 Quadratmeter Wiesen und Weiden werden zum naturschutzrechtlichen Ausgleich der Erweiterung einer Wrexer Papierfabrik gefordert.

Diemelstadt-Wrexen – Ausführlich wurde der Haupt- und Finanzausschuss Diemelstadt über den Stand der Änderungen des Flächennutzungsplanes und des Bebauungsplanes Nr. 18 GI Wrexen informiert. Damit soll eine Erweiterung der Papierfabrik Smurfit-Kappa und eine Verbesserung der Erschließung ermöglicht werden.

Das ist geplant

Aus der Fülle von Anregungen und Einwendungen der Träger öffentlicher Belange stachen in dem Referat von Steffen Butterweck vom Büro Bioline in Dalwigksthal die Forderungen des Naturschutzes sowie des Hochwasserschutzes hervor.

So werden voraussichtlich rund 7500 Quadratmeter für die Zwecke der Papierfabrik überplant und 65.000 Quadratmeter an Flächen zum naturschutzrechtlichen Ausgleich eingeplant. Südlich der Orpethaler Straßen sollen intensiv genutzte Wiesen- und Weidenflächen in eine extensive Nutzung zur Förderung der Artenvielfalt überführt werden.

Kontrolle gefordert

Nach Darstellung der Naturschutzbehörde des Landkreises bewirke die Änderung einen Eingriff in planungsrechtlich bereits gesicherte, aber tatsächlich noch nicht verwirklichte Ausgleichsmaßnehmen.

Diesem Eingriff wird nun, wie die Stadt im planungsrechtlichen Verfahren zu Protokoll gibt, ein Ausgleich in einer fast zehnfachen Größe gegenübergestellt. Die Stadt muss für die folgenden fünf Jahre nach einem Inkrafttreten der planungsrechtlichen Änderungen ein Monitoring durch ein Fachbüro in Auftrage geben, bei dem die Einhaltung der Vorschriften des Naturschutzes kontrolliert werden, wie Butterweckberichtete.

Erschließung verbessern

Das Gelände der seit über 100 Jahren bestehenden Papierfabrik mit rund 300 Mitarbeitern soll erweitert werden, um vor allem Papierballen zu lagern. Diese sollen auf Ausgleichsflächen geschaffen werden, die nun verlagert werden müssen.

Um die Betriebsflächen zu erreichen, muss auch ein Teil des Mühlgrabens überbaut werden. Vorgesehen ist ei neuer Stadtstraßenanschluss, zudem werden ein Linksabbieger und ein geplanter Radweg an der Orpethaler Straße (Landesstraße 3438) im Flächennutzungsplan dargestellt. Hier ist Hessen Mobil gefragt.

Auf Hochwasserschutz achten

Schließlich müssen der Hochwasserschutzdeich entlang der Diemel und die Überschwemmungsflächen berücksichtigt werden. Doch eine Bebauung ist dort nicht geplant, wie Butterweck erklärte. Ausdrücklich gefordert werden das Einhalten eines Abstand vom Deich. Zudem darf die Wall nicht als Fahrbahn genutzt werden.

Insbesondere die naturschutzfachliche Bewertung hat nach den Worten des Planers viel Zeit beansprucht. Schließlich ging es darum, Biotopverbünde abzubilden, die auch Grünland berühren, das zwischen bereits von der Fabrik genutzten Flächen liege und daher nicht so wertvoll sein könne.

Pläne erneut auslegen

Der Haupt- und Finanzausschuss hat nun beschlossen, die Pläne mit allen Einwendungen und Kommentaren noch einmal für 30 Tage auszulegen und den Trägern öffentlicher Belange sowie der Öffentlichkeit die Gelegenheit zur Einsichtnahme zu geben.  ah

Eine Änderung im Baugesetzbuch erlaubt es, das Sondergebiet Am Knappe in Wrexen in einem schnelleren Verfahren zur Änderung des Flächennutzungsplanes in ein Wohngebiet umzuwandeln. Auf dem Gelände, das an ein bestehendes Wohngebiet anschließt, steht seit langer Zeit ein ehemaliges Altenheim leer.

Mehr Wohnraum schaffen

10.000 Quadratmeter sollen für Zwecke des barrierefreien Wohnens genutzt werden. Wenn das Projekt passt, so Bürgermeister Elmar Schröder nach einem Gespräch mit der Bauherrin, dann werde die Stadt zwei weitere Grundstücke dazu veräußern.

Mit der Änderung des Bebauungsplans wird unter anderem das Anlegen von Steingärten untersagt und ein Bepflanzen unbebaubarer Flächen mit heimischen Laubbäumen gefordert. Auch soll eine Versickerung von Niederschlagswasser ermöglicht werden, wie Steffen Butterweck vom Planungsbüro Bioline berichtet.

Tierarten schützen

Die vereinfachte Planänderung erfordert nur eine einmalige Anhörung der Träger öffentlicher Belange, keinen Umweltbericht und keine Ausgleichsflächen. Vor Rodungen müsse es eventuell vorkommenden Haselmäusen ermöglicht werden umzusiedeln. Auch sollte bei einem Abbruch des alten Seniorenheims auf Fledermäuse in den Gemäuern Rücksicht genommen werden. (Armin Haß)

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