Darum schließt Staatsanwaltschaft die Akte

Geheimnis um Schädelfund in Obermarsberg durch Gerichtsmedizinerin gelüftet 

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Schädelfund in Obermarsberg: Gerichtsmedizinerin Dr. Katharina Jellinghaus in Dortmund.

Obermarsberg. Das Geheimnis um den Schädel aus Obermarsberg ist gelüftet. Die Schädeldecke, die im April auf dem Bogensportplatz entdeckt worden war, ist rund 650 Jahre alt.

„Der oder die Täter dürften wohl inzwischen verstorben sein; es gibt keinen Grund für weitere Ermittlungen“, sagt Polizeisprecher Holger Glaremin. Die Staatsanwaltschaft kann die Akte schließen. Das wurde anhand der C14-Methode mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent festgestellt. Darüber berichtet Thomas Winterberg von der Westfalenpost

Das fiel Rechtsmedizinerin auf

An der Schädeldecke hatte die Rechtsmedizin Dortmund bei Untersuchungen einige „auffällige Defekte“ entdeckt. Daher gab es zumindest den Verdacht, dass die aller Wahrscheinlichkeit nach weibliche Person eines gewaltsamen Todes gestorben sein könnte.

 „Man kann definitiv nicht mehr sagen, woher die Beschädigungen kommen. Sie können zum Tod geführt haben, sie können aber auch genauso gut postmortal entstanden sein. Wir können uns da nicht festlegen“, sagt Gerichtsmedizinerin Dr. Katharina Jellinghaus. 

So wurde der Knochen untersucht

Sie hat den Schädel untersucht und zuletzt zur Altersbestimmung nach der Radio-Carbon-Methode an das Curt-Engelhorn-Zentrum für Archäometrie nach Mannheim gegeben.

Der Schädel, so die Fachfrau vom Gerichtsmedizinischen Institut in Dortmund, sei sehr mürbe gewesen. Zwei Knochenteile waren offenbar abgesplittert – vermutlich weil der Finder schon versehentlich auf den Knochen getreten habe. „Man muss immer das Umfeld betrachten, in dem ein Knochen gelegen hat. Für die Region war die Schädeldecke in einem normalen Verwesungszustand.“

Woher stammt die Frau?

Ob es sich 100-prozentig um den Schädel einer Frau handelt, kann erst nach einer DNA-Untersuchung festgestellt werden. „Die läuft noch, aber dazu muss auch ausreichendes DNA-Material vorhanden sein. 

Sollte das der Fall sein, könnte man nicht nur das Geschlecht bestimmen, sondern auch Aussagen über die Ethnie machen“, so Dr. Jellinghausen. Morphologisch spreche vieles dafür, dass der Schädelknochen einer erwachsenen Frau gehört habe. 

So alt dürfte Schädel sein

Im Befund aus Mannheim heißt es, dass der Schädel eine Liegezeit von mindestens 628 Jahren habe. Sein Alter wird kalendarisch auf den Zeitraum 1288 bis 1390 datiert.

Damit dürften auch Spekulationen vom Tisch sein, bei der Frau könne es sich um ein Mordopfer aus den 1970er/80er Jahren handeln. Damals sorgte ein Serienmörder unter dem Namen „Blaubart von Fehmarn“ für Schlagzeilen. Ihm wurden zahlreiche Frauenmorde zur Last gelegt. 

Was ist dran an Mordtheorie?

In einem spektakulären Indizienprozess war er zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden, obwohl er stets seine Unschuld beteuert hatte. Eine Station seines Lebenslaufes spielte in Niedermarsberg. Bei der Polizei hatte sich ein Anrufer gemeldet und auf einen möglichen Zusammenhang hingewiesen.

Wer die Frau war, wie sie zu Tode gekommen ist, wie sie in den Boden des Bogensport-Geländes gelangt ist – das wird ein Geheimnis bleiben. Das Heimatmuseum der Stadt in Obermarsberg hat jedenfalls schon Interesse bekundet, den Schädel in seine Sammlung aufzunehmen.

Wie starb die Frau?

Die Beschädigungen an dem Schädel können zum Tod geführt haben, sie können aber auch genauso gut postmortal entstanden sein.

Im Mittelalter florierte die Oberstadt. Wenn der Schädel tatsächlich 650 Jahre alt ist und einer Frau gehörte, dann dürfte die Dame das Mittelalter in seiner Blütezeit erlebt haben. „Obermarsberg war damals eine bedeutende und florierende Stadt. Sie lag an den wichtigen Haupthandelsstraßen und dürfte damals gut und gerne 1000 Einwohner gehabt haben“, sagt Heiner Duppelfeld vom Heimatmuseum der Stadt.

Stadt in der Blütezeit

Obermarsberg hatte u.a. Münz- und Marktrecht sowie eine eigene Gerichtsbarkeit. Dank seiner strategischen Lage zogen im Mittelalter viele Bewohner aus der Unterstadt nach oben auf den Berg. 

„Damals herrschte die Bengler Fehde, es gab Raubritter, die plündernd durch die Gegend zogen; allein deshalb kamen viele schutzsuchend von der Unterstadt Horhusen nach Obermarsberg.“ Erst im Dreißigjährigen Krieg verlor Obermarsberg an Bedeutung.

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