Diemelstädter CDU und vier Ortsbeiräte haben Bedenken

Grenztrail in Diemelstadt umstritten: Ein Suchgebiet wird gestrichen

 Mountain-Biker abseits von befestigten  Radwegen mitten im Wald unterwegs.
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So könnte es einmal auf dem Grenztrail aussehen: Mountain-Biker Gerd Frese aus Wetterburg abseits von befestigten Wander- oder Radwegen unterwegs.

Eine ungewöhnlich intensive Diskussion entwickelte sich am Donnerstagabend im Haupt- und Finanzausschuss über die Frage, ob Diemelstadt dem kreisweiten Zweckverband „Grenztrail Waldeck-Frankenberg beitreten“ sollte. Damit verbunden wären immerhin jährliche Zahlungsverpflichtungen in Höhe von gute 20 000 Euro über 40 Jahre hinweg.

Diemelstadt - Dieser lange Zeitraum sei ihm natürlich auch unangenehm aufgefallen, stellte der SPD-Stadtverordnete Rolf Römer fest. Deshalb habe er gleich die Frage gestellt, wie die Stadt da eines Tages wieder rauskommen könne. Die Antworten der Experten vom Landkreis, Matthias Schäfer und Bernd Becker, hätten ihn jedoch überzeugt: „Es geht. Man kommt da wieder raus, wenn es gar nicht gehen sollte.“

Nachdem er selber mit Freunden eine ausgedehnte Radtour an der Müritz unternommen habe, sei ihm klar geworden, dass der Radtourismus ganz stark im Kommen sei, so Römer. Nach der Pandemie sei Urlaub in Deutschland angesagt und dann auch noch in Verbindung mit Bewegung in der Natur. Deshalb sei nun seine anfängliche Skepsis der Überzeugung gewichen, dass Diemelstadt da unbedingt mitmachen müsse.

Grüne: Chancen überwiegen die Risiken

Ähnlich äußerte sich Christin Pawleczig. Die Fraktion der Freien Wähler habe einen Ausflug zum Mountainbike-Trail in Brilon unternommen. Dort sei deutlich geworden, dass dies ein sanfter Sport sei, der nicht massiv in die Natur eingreife. Konflikte mit Wanderern seien nicht zu befürchten.

Christine Garve-Liebig gab aus Sicht der Grünen zu Protokoll, dass der zu erwartende Eingriff in die Natur gering sei. Dagegen stehe die Hoffnung, dass künftig mehr Urlaub in Deutschland gemacht werde und dass die Flugreisen abnehmen würden. Im Übrigen bestätigte auch die Grünen-Sprecherin, dass der Erfolg des Grenztrails bestimmt mit Risiken verbunden sei. Aus ihrer Sicht aber seien die Chancen größer als die Risiken.

Instandhaltungskosten zu niedrig kalkuliert?

Mit dieser Einschätzung mochten sich die CDU-Stadtverordneten im Ausschuss so gar nicht anfreunden: Christian Gröticke aus Neudorf verwies auf die Auswirkungen des Grenztrails auf Landwirtschaft und Forstwirtschaft. Waldboden werden zerstört. Fraktionssprecher Rainer Runte holte noch weiter aus: Das Gesamtprojekt könne für die Gastronomie im Landkreis bestimmt positiv sei. In Diemelstadt aber gebe es kein nennenswertes touristisches Angebot: „Die Übernachtungen, die wir haben, stammen von Monteuren auf der Durchreise.“

Im Übrigen halte er die ohnehin schon sehr hohen Kosten für die Diemelstadt in Höhe von einer Million Euro in 40 Jahren für zu niedrig kalkuliert. Die Instandhaltungskosten seien nämlich zu niedrig angesetzt. Dieses Geld fehle am Ende für die Instandhaltung der Diemelstädter Sportstätten.

Signal an die kommunale Familie

Jürgen Pawelczig (Freie Wähler) kommentierte: „Ich bin schockiert. Rainer Runte spricht so, als würden in Diemelstadt bald die Bürgersteige hochgeklappt.“ Seine Devise klinge nach: „Wir haben nichts, wir tun nichts. Wir machen weiter so.“ So könne man keine jungen Leute in die Stadt holen. Pawelczig appellierte: „Wir müssen die Chancen des Grenztrails erkennen. Wir sind mehr als Diemelstadt. Wir sind Nordwaldeck. Wir sind Waldeck-Frankenberg.“

Ganz ähnlich äußerte sich Bürgermeister Elmar Schröder, der zwar grundsätzlich betonte, er werde jeden Beschluss des Stadtparlaments respektieren und ausführen. Die Stadtverordneten dürften aber nicht vergessen, dass auch Rhoden schon von der Solidarität der kommunalen Familie profitiert habe, und zwar bei der millionenschweren Sanierung des Schlosses. Nun sei es an der Zeit, auch ein wenig gelebte Solidarität zurückzugeben.

Kein Suchgebiet im Wald bei Orpethal

Im Übrigen mahnte der Bürgermeister, dass die Diemelstadt nicht schon wieder den Anschluss an die Zukunft verpassen dürfe, so wie damals, als die Telekom habe Kabelfernsehen nach Diemelstadt bringen wollen. Damals habe es geheißen: „Danke, nein. Wir haben Antennen.“ Heute wisse man, dass über die Kabelleitungen auch schnelles Internet zu haben sei.

Schließlich signalisierte die Ausschussmehrheit von fünf zu zwei Stimmen Zustimmung zu einem Beitritt zum Zweckverband Grenztrail unter der Voraussetzung, dass das naturbelassene Waldstück Hellenberg im Dreieck zwischen Helmighausen, Orpethal und Westheim als Suchraum für den Grenztrail ausgeschlossen wird. Dies war der einhellige Wunsch der Ortsbeiräte von Helmighausen, Hesperinghausen, Neudorf und Orpethal.

Stadtverordnetenversammlung entscheidet am 1. Juli

Das Stadtparlament wird bei seiner Sitzung am Donnerstag, 1. Juli, um 19 Uhr in der Stadthalle Rhoden abschließend über das Thema entscheiden. (Elmar Schulten)

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