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In Rhoden umgespannt: Ära der Postkutschen endete vor 100 Jahren

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Von: Elmar Schulten

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Die letzte Postkutsche fuhr in Rhoden am 30. September 1922. Es war ein wehmütiger Abschied. Nach Überlieferung sollen damals viele Menschen in Wrexen, Rhoden, Schmillinghausen, Helsen und Arolsen der Postkutsche nachgewunken haben.
Die letzte Postkutsche fuhr in Rhoden am 30. September 1922. Es war ein wehmütiger Abschied. Nach Überlieferung sollen damals viele Menschen in Wrexen, Rhoden, Schmillinghausen, Helsen und Arolsen der Postkutsche nachgewunken haben. © Familienalbum Ludwig Schäfer

Vor 100 Jahren ging am 30. September 1922 zwischen Rhoden und Arolsen das Postkutschenzeitalter zu Ende. Daran erinnert Post-Pensionär Ludwig Schäfer, der selber aus einer wahren Post-Dynastie entstammt.

Diemelstadt-Rhoden - Sein Großvater Wilhelm Pieper war von 1904 bis 1922 Posthalter in Rhoden. Er baute 1895 das Haus in der Oberen Straße, aus dem später das Restaurant „Rosengarten“ wurde und das als Relaisstation für die Pferde der Postkutsche diente. Als 1904 das neue kaiserliche Postamt im Haus Neustadt 1 entstand, übernahm er die Posthalterei.

Zum Versorgungsbereich gehörten neben der Stadt Rhoden auch die Gemeinden Ammenhausen, Dehausen, Herbsen, Hörle, Neudorf, Schmillinghausen und Wethen. Unterstellt waren dem Postamt die Postagentur in Wrexen und die Posthilfsstelle in Orpethal.

Sechs Postpferde standen zum Wechseln parat

Die Postversorgung erfolgte durch die Postkutsche, die auch die Personenbeförderung auf der Strecke Wrexen-Rhoden-Arolsen wahrnahm. Das Personal bestand aus dem Postmeister, zwei Schalterbeamten, zwei Ortszustellern, drei Landzustellern und einer Aushilfe.

Sechs Postpferde mussten damals in Rhoden für den Kutschenbetrieb vorgehalten werden, denn wenn die Zweispänner den steilen Weg von Wrexen kommend auf dem Weg nach Arolsen Station machten, dann wurde in Rhoden umgespannt. Frisch ausgeruhte und gefütterte Pferde übernahmen hier den Dienst.

Landbriefträger wurde Schalterbeamter

Auf dem Kutschbock saßen die Postillione und machten mit ihrem Posthorn lautstark auf sich aufmerksam. Einer der letzten Postillione in Rhoden war von 1917 bis 1921 Ludwig Schäfers Vater Ludwig. Kurz vor der Umstellung von Postkutsche auf Postbusse wurde Schäfer Landbriefträger, später Schalterbeamter und schließlich 1958/59 Betriebsleiter in Rhoden.

Als Landzusteller hatte Schäfer jeden Tag, bei Wind und Wetter eine Strecke von rund 25 Kilometern zu absolvieren. Von Rhoden aus ging es nach Neudorf, zum Forsthaus Schmillinghausen, durch Schmillinghausen und zu den Mühlen im Wandetal bis hin nach Herbsen, Hörle, Ammenhausen und über Dehausen zurück nach Rhoden.

Große Sammlung historischer Fotos

Ludwig Schäfers Sohn Ludwig zog es dennoch 1952 ebenfalls zur Post. Auch er war zuerst Zusteller, dann von 1963 bis 1991 Betriebsleiter in Rhoden und schließlich von 1991 bis 1995 Mitglied der Betriebsleitung im Postamt Arolsen.

21 Jahre war er Vorsitzender Bezirksgruppe des Geschichtsvereins. Und so verwundert es nicht, dass Schäfer alle wichtigen Daten zur Geschichte der Post im Raum Diemelstadt akribisch aufgelistet hat. Auch eine Sammlung seltener Fotografien gehört dazu. Die alten Bilder beweisen, dass die Postkutsche der ganze Stolz der Posthalter gewesen sein muss. (Elmar Schulten)

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