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Integrationsbüro in Rhoden Anlaufstelle für Flüchtlinge und Jobbörse

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Von: Armin Haß

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Die ersten Ukrainerinnen lassen sich für den BAMF-Sprachkurs im Gemeinschaftshaus Rhoden vormerken. Im Hintergrund der Leiter des Integrationsbüros, Wilhelm Nasaruk. Rechts Bürgermeister Elmar Schröder und Daniela Scholz (Stadtverwaltung).
Die ersten Ukrainerinnen lassen sich für den BAMF-Sprachkurs im Gemeinschaftshaus Rhoden vormerken. Im Hintergrund der Leiter des Integrationsbüros, Wilhelm Nasaruk. Rechts Bürgermeister Elmar Schröder und Daniela Scholz (Stadtverwaltung). © Armin Haß

Leader-Projekt Diemelstadt bietet Hilfe für Flüchtlinge und Potenzial für heimische Betriebe.

Diemelstadt-Rhoden – 128 ukrainische Flüchtlinge leben derzeit in Diemelstadt. Als neue Anlaufstelle ist im Gemeinschaftshaus Rhoden für ein Jahr befristet das Integrationsbüro mit dem russisch und ukrainisch sprechenden Wethener Bürger Wilhelm Nasaruk eingerichtet worden.

Gleich zwei Integrationskurse

Unter dem Motto „Bridge2Diemelstadt“ ( „Brücke nach Diemelstadt“) ist mit Mitteln des Leader-Förderprogramms ein Integrationsangebot für 75 000 Euro im Gemeinschaftshaus etabliert worden. Dazu gehören zusammen mit dem Büro Hilfskräfte, die die Arbeit unterstützen.

Parallel zum Start des Integrationsbüros in dieser Woche haben sich so viel Ukrainer für einen Integrationskurs vormerken lassen, dass Bürgermeister Elmar Schröder inzwischen die Zusage für zwei im Herbst beginnenden Kurse des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) mit der USB-Sprachschule aus Bad Arolsen in Diemelstadt für 40 Personen bekommen hat.

Wichtige Kurse

Die Geflüchteten haben bereits im August einen ersten Deutschkurs absolviert, der ihnen Grundlagen für die Verständigung vermittelte, aber für das hiesige Berufsleben nicht die nötige Qualifikation verschaffte. Der Integrations- und Sprachkurs , den das BAMF anbietet, läuft über 1000 Stunden und schließt mit einem Zertifikat ab, der wichtig für die Einstellung von ausländischen Arbeitnehmern ist.

Unabhängig davon haben bereits Ukrainerinnen Jobs im Altenpflegeheim vor Ort bekommen. Nasaruk berichtete von ukrainischen Männern, die daheim Betriebe etwa im Baugewerbe besaßen und nun darauf hofften, hier wieder arbeiten zu können. Angesichts des Fachkräftemangels dürften die Chancen groß sein.

Als Arbeitskräfte und Neubürger gewinnen

Nach dem großen Zulauf von Flüchtlingen aus Syrien, Afghanisten oder Somalia seit 2015 unternimmt die Stadt einen zweiten Anlauf, um Migranten in Diemelstadt zu integrieren. Damals habe man darauf gesetzt, dass etwa ein Drittel der 150 Flüchtlinge bleiben und hier arbeiten würden, berichtete Schröder. Einige wenige blieben und arbeiten in Diemelstadt. Die heimischen Firmen suchen händeringend Arbeitskräfte, berichtete der Rathauschef.

Mithilfe von Leader-Mitteln hat die Stadt das Integrationsprojekt begonnen, das prinzipiell für die Aufnahme von Migranten in den Arbeitsmarkt geeignet ist. Aufgrund der für ukrainische Bürger geltende Freizügigkeit bei der Beschäftigung ausländischer Arbeitssuchender sind die Möglichkeiten für einen Einstieg in hiesige Arbeitsstellen besser als bei anderen Migranten.

„Geben und Nehmen“

Schröder hofft, dass nach der Devise „Geben und Nehmen“ ukrainische Flüchtlinge, die für sich eher eine Perspektive in Deutschland sehen, die Angebote nutzen, sich für den Arbeitsmarkt qualifizieren und selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen. Dabei will das Integrationsbüro erste Hilfen geben.

Wohnungs- und Jobbörse, Hilfen beim Umgang mit Behörden, bei der Bereitstellung von Kindergartenplätzen oder für die Aufnahme von Schülern gehören mit dazu. Um die Mobilität zu unterstützen, soll der Bürgerbus auch für Flüchtlinge rollen.

Wichtige Sprachkenntnisse

Wilhelm Nasaruk, dessen Eltern vor 40 Jahren in die Bundesrepublik übersiedelten, ist gebürtiger Deutscher und vor ein paar Jahren mit seiner eigenen Familie nach Wethen gezogen. Er ist im Bereich Erneuerbare Energien tätig und hat nun aufgrund seiner persönlichen Vernetzung und seiner Russisch- und Ukrainisch-Kenntnisse den auf ein Jahr befristeten Job als Leiter des Integrationsbüros bekommen.

Bei der Vorstellung wurde er gleich mit vielen Fragen bestürmt.: Ob sie wirklich an die Gebühreneinzugszentrale zahlen müssten, obwohl sie kein Fernsehen hätten, es auch nicht verstehen könnten, fragte ein Mann. auf Russisch. Oder wie man günstiger als mit teureren Normalfahrkarten nach Korbach komme.

Sprechzeiten für Geflüchtete

Dienstags und donnerstags von 10 bis 15 Uhr können sich Ukrainische Bürger bei ihm zum Gespräch melden und Rat suchen. Das Gemeinschaftshaus dient mit seinem großen Saal nicht nur für Sprachkurse, sondern bietet sich auch für Treffen der Ukrainer und ihre Familien an.

Die Bildung von Communitys ist Teil des Personal Leader-Projektes. Speziell für die jüngsten Ukrainerinnen ist auch der Mädchenbus Nordhessen angebunden an das Büro. Im Keller besteht die mit Ehrenamtlichen von der evangelischen Kirchengemeinde verwaltete „Schatzkiste“, aus der Kleidung oder Hausrat bereitgestellt werden können.

Demografischen Wandel gestalten

Unter dem Titel „Innovations-Labor Integration“ wird ein weiterer Schritt getan, um den demografischen Wandel zu gestalten. In den kommenden Jahren nimmt die Abwanderung von Arbeitskräften aus den geburtenstarken Jahrgängen in Rente oder Ruhestand zu.

Die Lage erfordert neue Strategien, um die Region zu beleben, den Wirtschaftsstandort abzusichern, mithin die in den vergangenen Jahren geschaffene Infrastruktur zu erhalten und im Hinblick auf digitale Kommunikation auszubauen.  (Armin Haß )

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