Vermieter in Rhoden schildert seine Erfahrungen mit zahlungsunwilligen Mietern, die am Ende auch noch das Haus verwüsten

Die Karawane der Mietnomaden zieht weiter

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Vermieter Herbert Dinger hat in Rhoden mit Mietnomaden zu tun: Die sind über Monate ihre Miete schuldig geblieben und haben nach dem hastigen Auszug jede Menge Müll zurückgelassen.

Diemelstadt-Rhoden. Endlich sind sie weg! – Aber wie sieht nur das Haus aus! –Herbert Dinger hat als Vermieter erstmals Erfahrungen mit Mietnomaden gemacht.

 Der finanzielle Schaden ist groß, die Wut im Bauch noch größer, doch der Blick nach Dehausen, wo Mietnomaden verdächtigt werden, ihre Wohnung angezündet zu haben, zeigt, dass alles noch schlimmer hätte kommen können.

Als Familie Dinger im August vergangenen Jahres den Mietvertrag mit dem Landschaftsgärtner aus Südhessen unterschrieb, war man noch hoffnungsvoll, dass das schicke Einfamilienhaus mit Einliegerwohnung in gute Hände gegeben wurde. Der Mietpreis war mit 4,20 Euro pro Quadratmeter ortsüblich günstig.

 „Für uns kein Problem“, hatte der Mieter versichert: „Wir haben bisher deutlich mehr bezahlt.“ Die erste Monatsmiete gab es bar auf die Hand. Die erste Überweisung ließ lange auf sich warten. Angeblich hatte die Bank eine falsche IBAN notiert. Dann erhielten die Vermieter nur die Kaltmiete und schließlich gar kein Geld mehr. 

Am Ende freiwillig ausgezogen

Nach dem Versuch eines freundlichen Besuches bei  seinem Mieter wurde Dinger schriftlich untersagt, ein weiteres Mal an der Haustüre zu klingeln; auch mahnende Briefe verbat sich der Mieter. So schaltete Dinger einen Rechtsanwalt ein, der aber wenig Hoffnung auf eine schnelle Lösung machte. 

Umso größer dann die Freude, als die Wohnung dann doch freiwillig geräumt wurde. – Zumindest teilweise, denn manche Möbel wie ein kaputtes Bett und ein völlig verdreckter Backofen blieben zurück, außerdem Müllsäcke in großer Zahl, alte Kleider und viel Müll in vielen Varianten. 

Inzwischen weiß Herbert Dinger, dass er einem Betrüger aufgesessen ist. Gegen den Landschaftsgärtner wurde bereits mehrfach prozessiert wegen gewerbsmäßigen Betruges. Das letzte Verfahren wurde vor dem Amtsgericht in Rheda-Wiedenbrück verhandelt. 

Bei der Staatsanwaltschaft Bielefeld sind aber über 40 weitere Verfahren anhängig, wie die Neue Westfälische berichtet. Der Handwerker hatte seine Leistungen gegen Vorkasse angeboten, dann aber nicht geliefert. Nun also auch Mietbetrug.

Hintergrund 

„Mietnomaden gibt es nicht nur in Großstädten“, weiß der Bad Arolser Rechtsanwalt Heinrich Göbel aus seiner täglichen Praxis zu berichten. Der Vorsitzende des Grundbesitzervereins „Haus und Grund“ weiß, wie hilflos sich Vermieter fühlen, wenn sie monatelang von zahlungsunwilligen Mietern hingehalten werden und nicht mehr über ihr Eigentum verfügen können.

Ist der Mieter zwei Monate in Verzug mit der Miete, dann kann der Vermieter fristlos kündigen. Zieht der Mieter dann nicht aus, kann der Vermieter Räumungsklage einreichen. Wenn die durchkommt, kann die Zwangsvollstreckung durch den Gerichtsvollzieher eingeleitet werden. Der beauftragt Möbelpacker und Umzugswagen und verlangt dafür einen Kostenvorschuss. So sind schnell 4000 Euro weg. 

Kosten über Kosten

Um Obdachlosigkeit zu vermeiden, wird ein Vertreter der Gemeinde hinzugezogen. Kann der keine Ersatzwohnung anbieten, wird der Mieter in seine alte Wohnung eingewiesen. Die Gemeinde zahlt einen Monat Miete. Dann wiederholt sich der Versuch der Zwangsräumung. 

Dennoch sei es äußerst wichtig, nicht eigenmächtig zu handeln: „Bloß nicht vorpreschen, wenn die Wohnung plötzlich leersteht.“ Der Vermieter sollte nur mit einem zuverlässigen Zeugen die verlassene Wohnung betreten, sonst heiße es hinterher noch, es seien Wertsachen abhanden gekommen.

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