Rhoder Mundart digitalisiert

Was macht Karl Heinemann mit seiner  Datenbank aus Worten und Redewendungen?

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Er digitalisiert den Diemelstädter Dialekt: (von links) Karl Heinemann zeigt Andreas Karl Böttcher, Leiter des plattdeutschen Arbeitskreises im Waldeckischen Geschichtsverein – Bezirksgruppe Bad Arolsen, wie seine Platt-Datenbank funktioniert.

Diemelstadt-Rhoden. Karl Heinemann hat einen riesigen Schatz geborgen: In seiner Platt-Datenbank hat er in den vergangenen Jahren rund 5500 Wörter in Rhoder Mundart digitalisiert.

 „He ritt am Beddelaaken“, klingt es aus dem Lautsprecher des Computers. Die alten Rhoder kennen die Redensart noch gut: Wenn einer gähnte und damit zum Ausdruck brachte, dass er müde war, bekam er sie häufig zu hören. Wörtlich übersetzt bedeutet sie: „Er reißt am Bettlaken.“ 

Doch die Zahl der Menschen, die noch das Plattdeutsche und die alten Redensarten beherrschen, die geht auch in Rhoden zurück. „Leider ist es nicht mehr möglich, unser Platt in unseren Orten lebendig zu erhalten, weil es nur noch wenige ältere Menschen sind, die Mundart sprechen können“, bedauert Karl Heinemann. 

Wie lässt sich Mundart konservieren?

„Deshalb sehe ich es als Verpflichtung an, soviel wie möglich von unserer Mundart in Text und Ton zu dokumentieren.“ Eine echte Fleißarbeit: Seit mehr als 20 Jahren erfasst Heinemann die Rhoder Mundart zu Hause am PC in einer Datenbank, die er selbst mit Unterstützung von Sprachwissenschaftlern aufgebaut hat.

 Wort für Wort gibt er ein, kategorisiert die Begriffe nach Substantiven, Verben und Adjektiven und ergänzt sie um Beispielsätze, um sie im Zusammenhang darzustellen. Stück für Stück vertont er die Texte auch und spricht sie in der Regel selbst in das Mikrofon seines Computers.

 „Nur so hat man die Möglichkeit, unsere Mundart einigermaßen authentisch zu konservieren und sie damit für die Nachwelt zu erhalten“, erklärt Heinemann, der auch den plattdeutschen Arbeitskreis des Geschichtsvereins in Diemelstadt leitet. 

Das Ergebnis genügt auch sprachwissenschaftlichen Ansprüchen. Rund 5500 Wörter hat Heinemann bislang in seiner Datenbank erfasst und seine Arbeit hat der Rhoder noch lange nicht beendet. Das Feuer für die Sprachforschung habe der in Rhoden geborene Professor Dr. Bernhard Martin in ihm entfacht, sagt Karl Heinemann. 

Er lernte den bereits 1983 verstorbenen Volkskundler und Mundartforscher und langjährigen Mitherausgeber des deutschen Sprachatlasses in Marburg noch persönlich kennen – und eiferte ihm nach. Mit seinen „Arbeitsbeschreibungen aus vergangener Zeit“ hat Heinemann 2005 bereits ein ganzes Buch mit gesammelten Begriffen aus dem „Rhoder Platt“ gefüllt. Und immer noch fasziniert ihn das Plattdeutsche aufs Neue.

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