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Kirche zu Wrexen erst ungeliebt, nun ein Stück Heimat

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Von: Armin Haß

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Die Kirche zu Wrexen wurde 1847 eingeweiht.
Die Kirche zu Wrexen wurde 1847 eingeweiht.jpg © Armin Haß

Vor 175 Jahren wurde die evangelische Kirche in Wrexen eingeweiht. Grund für den Neubau war der Verfall einer Kapelle aus dem 17. Jahrhundert. Auch aktuell gibt es Probleme.

Diemelstadt-Wrexen – Denn das Dach muss saniert werden, eine sechsstellige Summe ist dafür erforderlich. Davon berichtete Pfarrerin Elke Carl in der Festpredigt zum Jubiläum. Die Kollekte ging denn auch in den Spendentopf für die nächste größere Investition. Im Februar sei das Dach durch Windböen beschädigt und notdürftig repariert worden.

Das war „nicht angenehm“

Als Pfarrer Hermann Scipio im Oktober 1845 in Wrexen eingeführt wurde, fand das mangels Kirche unter freiem Himmel statt. Scipio schrieb in seine Chronik: „Die Verhältnisse, unter denen ich hier eintrat, waren nicht angenehm.“ Und in der Bevölkerung war man wegen der Kosten gegen einen Neubau.

Ein Stück Heimat: Das Deckblatt eines Kalenders des Heimat- und Verkehrsvereins Wrexen zeigt die Kirche mit bäuerlicher Alltagsszenerie.
Ein Stück Heimat: Das Deckblatt eines Kalenders des Heimat- und Verkehrsvereins Wrexen zeigt die Kirche mit bäuerlicher Alltagsszenerie. © Privat

Die alte Kapelle, die an derselben Stelle stand, war 1618 gebaut worden. Bis 1682 gingen die Wrexer sonntags in die Rhoder Kirche und davor in die „Mutterkirche der Umgegend“ (Scipio) nach Alt-Rhoden. In der Wrexer Kapelle hielt ein Diakon aus Rhoden Gottesdienste zu Festtagen und Trauungen ab.

Verfall der Kapelle

Dich der Verfall der Kapelle zeigte sich bald, etwa durch Risse inder Mauer. 1841 sah man sich genötigt, einen Neubau zu beschließen. Viele Wrexer waren damit nicht einverstanden, weil die Ausschmückung der alten Kirche laut Scipio den Menschen doch gefiel.

Dennoch wurde der Neubau beschlossen. Der Gottesdienst wurde vorübergehend in der Schulstube, gegenüber der Kirche (heute das Heizungs- und Sanitärunternehmen Starost) gehalten. Am 10. Oktober 1847 war Einweihung der neuen Kirche.

Ein Schmuckstück ist der Kerzenhalter im Altarraum der Kirche zu Wrexen
Ein Schmuckstück ist der Kerzenhalter im Altarraum der Kirche zu Wrexen.jpg © Sandra Simshäuser

Dazu haben sich sämtliche Geistliche des Amtes Diemel, die Konsistorialräte und viele sonstige Personen eingefunden. Pfarrer Schotte von Rhoden hielt das Altargebet, Pfarrer Scipio hielt die Predigt, und Inspektor Gallas aus Külte nahm die Weihe vor. Allerdings gab es immer noch Wrexer, die meinten, die neue Kirche hätte nicht sein müssen, die alte hätte noch ausgebessert werden können. Zudem sehe der Turm mit seinen vier Türmchen aus wie ein umgestülpter Tisch.

Das 175-jährige Bestehen der Kirche Wrexen wurde gefeiert. Den Gottesdienst hielten, von links: Pfarrerin Claudia Engler, Dekan Eva Brinke-Kriebel und Pfarrerin Elke Carl, die die Festpredigt hielt.  Im Hintergrund Kirchenvorstandsmitglieder, Erster Stadtrat Dieter Oderwald und Chronist Dr. Hans-Jürgen Römer vom Heimat- und Verkehrsverein.
Das 175-jährige Bestehen der Kirche Wrexen wurde gefeiert. Den Gottesdienst hielten, von links: Pfarrerin Claudia Engler, Dekan Eva Brinke-Kriebel und Pfarrerin Elke Carl, die die Festpredigt hielt. Im Hintergrund Kirchenvorstandsmitglieder, Erster Stadtrat Dieter Oderwald und Chronist Dr. Hans-Jürgen Römer vom Heimat- und Verkehrsverein. Foto: Armin Haß.jpg © Armin Haß

Die Form sei aber mit Bedacht gewählt worden sei, weil ein spitzer und mit Schiefer gedeckter Thurm viele Reparaturen erfordert, so Pfarrer Scipio. Aber auch er war mit der Wahl der Gebäudeform nicht recht zufrieden.

Die Baukosten betrugen rund 7000 Reichstaler. Der Jahres-Durchschnittsverdienst eines Maurergesellen damals betrug etwa 130 Reichstaler und hier auf dem Land war das sogar noch deutlich weniger.

Eine Chronik ist zum 175-jährigen Bestehen der Kirche zu Wrexen erschienen
Eine Chronik ist zum 175-jährigen Bestehen der Kirche zu Wrexen erschienen.jpg © Privat

Die Orgel hatte der Orgelbauer Vogt aus Korbach gefertigt. Das Altarbild war vom Finanzrat Dreves aus Arolsen gemalt und geschenkt worden. Der Taufstein aus Wrexer Sandstein von 1656 wurde als Relikt aus der alten Kapelle übernommen. Als kostbarstes und ältestes Stück gilt das Kuzifix aus dem 16. Jahrhundert.

Glocken eingeschmolzen

Von den drei 1890 geweihten Glocken wurden zwei im Ersten Weltkrieg für militärische Zwecke eingeschmolzen. 1925 wurden zwei neue Glocken eingebaut. Die Uhr von 1908 ließ die Gemeinde 1973 durch ein elektrisches Uhrwerk ersetzen.

Kirche in Wrexen: Blick auf den Altar mit Kruzifix, Kanzel und Schalldecke. Die schattierende Wandausmalung täuscht eine spitzbogige Nische vor.
Kirche in Wrexen: Blick auf den Altar mit Kruzifix, Kanzel und Schalldecke. Die schattierende Wandausmalung täuscht eine spitzbogige Nische vor. © Sandra Simshäuser

1994/1995 bekam der Turm zur Stabilisierung einen Ringanker. 1996 verfigten Handwerker das Mauerwerk neu und erfolgte eine Kontrolle des Daches. Bei der Innenrenovierung 2003 wurden die Stirnseite mit einem gotischen Bogen versehen, Altarkreuz und Abendmahlsgemälde restauriert.

Der Kirchturm, so Pfarrerin Carl, ist zum Wahrzeichen von Wrexen geworden, so dass sich auch eine so bekannte Persönlichkeiten wie Hardy Krüger, der um das Kriegsende herum in dem Diemeldorf wohnte und dessen Mutter auf dem alten Friedhof begraben liegt, mit ihm identifizierte und sich darum mit Wrexen verbunden fühlte.

Signierstunde in der Wrexer Kirche: Schauspieler und Buchautor Hardy Krüger wurde 2017 von Bewunderern und Freunden aus seiner Jugend bestürmt.
Signierstunde in der Wrexer Kirche: Schauspieler und Buchautor Hardy Krüger wurde 2017 von Bewunderern und Freunden aus seiner Jugend bestürmt. © Elmar Schulten

In einem seiner Bücher wird Wrexen erwähnt. Bei seinem letzten Besuch 2017 war er auch Gast in der Kirche. Für die Wrexer ist dieser Ort ihre Kirche, stellt die Geistliche fest, die seit 22 Jahren in Wrexen Pfarrerin ist.

Ein Stück Heimat

Auf vielen Fahnen und Emblemen von Vereinen ist der typische Wrexer Kirchturm zu sehen. Kirchen seien wichtig für Menschen, die in ihnen wie zu Hause seien. Wichtig seien sie aber auch für kirchendistanzierte Menschen, die eher in besonderen Zeiten glauben: „in Zeiten besonderen Glücks oder Unglücks, in Zeiten des Gelingens oder Scheiterns.“

Diese Menschen seien trotz ihrer Distanz zur Institution Kirche für ihr heimatliches Gebäude Kirche bereit einzutreten und zu spenden: „Die vier Kirchturmspitzen bedeuten für sie Heimat.“  (Armin Haß)

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