1. WLZ
  2. Waldeck
  3. Diemelstadt

Klimaneutraler Strom aus Holz für E-Autos an der Autobahnauffahrt Rhoden

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Elmar Schulten

Kommentare

Ein Mann steht vor einer Stromtrankstelle und hält ein Ladekabel in Richtung Kamera.
Klimaneutraler Mobilstrom an der Autobahn: Der Ingenieur und Tüftler Hubertus Wiemers betreibt in Diemelstadt an der Autobahnauffahrt in Rhoden ein Holzvergaser-Kraftwerk mit negativer CO2-Bilanz. Seinen Öko-Strom verkauft er an einer Strom-Schnelltankstelle mit beachtlicher 250 kW Ladeleistung. © Elmar Schulten

Der Ingenieur und Tüftler Hubertus Wiemers betreibt an der Autobahnauffahrt ein Holzvergaser-Kraftwerk mit negativer CO2-Bilanz. Seinen Strom kann er entweder in das Netz der EWF einspeisen oder an Autofahrer abgeben, die mal eben in 10 bis 30 Minuten volltanken wollen.

Diemelstadt-Rhoden Seine in Eigenregie betriebene Stromtankstelle verfügt über die einzige superschnelle Ladestation zwischen Paderborn und Kassel.

Während handelsübliche Wallboxen, wie sie E-Auto-Fahrer in ihrer Garage montieren lassen, in der Regel nur eine Ladekapazität von elf Kilowatt bieten, glänzen die meisten Schnelllladestation an den Autobahnen mit 50 Kilowatt. Die superschnelle Ladestation von Hubertus Wiemers aber bringt es auf 250 Kilowatt Ladeleistung.

Holzhackschnitzel über Holzvergaser zu Strom

Ein 100 Kilowattstunden-Akku eines Elektro-Porsche kann hier in knapp 30 Minuten einmal komplett geladen werden. Wer nur Teilmengen Strom für seinen Akku benötigt, kann entsprechend früher wieder auf die Autobahn. Das Geheimnis dieser Hochleistungs-Ladestation ist das unmittelbar dahinter stehende Kraftwerk.

Hubertus Wiemers hat in unmittelbarer Nachbarschaft zum SVG-Rasthaus eine alte Werkhalle gemietet und zum Kraftwerk umgebaut. In vier Vergaser-Linien lässt er Holzhackschnitzel zu Gas und Holzkohle verarbeiten.

Wertvoller Dünger für „terra preta“

Das Gas wird in einem Motor verbrannt und betreibt eine Turbine. So werden laufend 250 Kilowatt Strom und eine große Menge Abwärme produziert. Die Holzkohle, die als Abfallprodukt anfällt, wird als Dünger zur Bodenverbesserung eingesetzt. Dabei entsteht „terra preta“, die langfristig Kohlenstoff bindet. Die Anlage zur Holzverstromung ist damit CO2-negativ.

Was Hubertus Wiemers zum vollkommenen Glück noch fehlt, ist ein Abnehmer für die Abwärme. Ursprünglich hatte er auf eine Erweiterung des Gewerbegebietes an der Autobahn gesetzt. Aber dieses Projekt verzögert sich.

Abwärme soll klug genutzt werden

Wiemers verfügt auch eine mobile Holz-Vergasungsanlage mit 100 Kilowatt Wärmeleistung bei 50 Kilowatt elektrischer Leistung. Die Wärme würde er gerne zur Beheizung eines Freibades, vorzugsweise des Wrexer Freibades einsetzen. Wiemers: „Mit der Abwärme ließe sich die Freibadsaison ohne viel Geld von April bis Oktober ausdehnen. Den Strom könnte man zum Betrieb der vielen Pumpen verwenden.“

Zunächst aber entwickelt er Ideen, wie er seinen jetzt schon 100 Prozent ökologisch produzierten Strom möglichst effizient nutzen kann. kann. Die Schnellladesäule ist schon mal ein guter Anfang: 518 Autofahrer haben allein im März bei ihm Station gemacht. Die Stromabnahme variierte zischen 15 und 60 Kilowattstunden. bei Ladezeiten zwischen zehn und 30 Minuten.

Einladung zum Betriebsrundgang

Wer die Wartezeit sinnvoll nutzen möchte, kann sich entweder im benachbarten Schnellrestaurant einen Kaffee holen oder aber bei Hubertus Wiemers anklopfen. Der zeigt nämlich sein Holzvergaserkraftwerk gerne jedem Interessierten bei einem Betriebsrundgang. (Elmar Schulten)

Auch interessant

Kommentare