Investor gibt Projekt auf 

Landwirt verärgert über Hindernisse für Hähnchenstall bei Wethen 

Auf Ablehnung stieß der Landwirt Björn Hoppe (Hintergrund, weißes Hemd) mit seinem Plan für einen Hähnchenmaststall bei Wethen auch nach der Informationsveranstaltung im vorigen Herbst. Unser Bild zeigt ihn mit seinem Mitarbeiter Holger Göhausen (2. von links). Unternehmensberater Ulrich Strätker (links), Andreas Sünder (Landesbetrieb Landwirtschaft Hess en) und Bürgermeister Elmar Schröder. Foto: Armin Haß

Diemelstadt/Warburg – Enttäuscht und verärgert äußert sich der Rimbecker Landwirt gegenüber der Waldeckischen Landeszeitung nach der Rücknahme seines Baugenehmigungsantrags für den Bau eines Masthähnchenstalls auf einem Grundstück seines Onkels Wilhelm Krantz bei Wethen.

Angesichts der zunehmenden Schwierigkeiten, die Landwirte bei Investitionen und im laufenden Betrieb durch Auflagen, Einsprüche und Proteste hätten, sei es in Deutschland kaum noch möglich, ein landwirtschaftliches Vorhaben zu verwirklichen. Dabei blase auch Junglandwirten der Wind ins Gesicht, die ihre Existenz sichern wollten.

Nur 400 Kilometer weiter östlich, in Polen, würden dagegen Investitionen in die Landwirtschaft gefördert. Zudem könnten dort Vorhaben zu einem Bruchteil der in Deutschland entstehenden Kosten realisiert werden.

Mehrheit gegen Stallbau

Die Stadt hat aufgrund von mehrheitlichen Beschlüssen in Ortsbeirat, Magistrat und Stadtverordnetenversammlung im Genehmigungsverfahren beim Landkreis deutlich gemacht, dass mit ihr kein Einvernehmen für das Bauvorhaben zu bekommen sei. Im Falle einer Genehmigung durch den Landkreis wäre der Klageweg für die Kommune eröffnet worden.

Die Stadt hätte auch eine Änderung des Flächennutzungsplanes zum Schaffen von Vorranggebieten anstoßen können, wie Bürgermeister Elmar Schröder dazu erklärt hatte. 

Ferner hätte er wegen des anfallenden Mistes eine Genehmigung nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz für erforderlich gehalten. Ähnlich wie bei dem geplanten Bau eines Sägewerkes auf dem ehemaligen Holzhof hätte auch auf der Kreisstraße 1 für den Stall eine Abbiegespur nötig sein können.

Verteuerung durch Abbiegespur  

Diese war im Falle des Sägewerks von Hessen Mobil gefordert worden, die Kosten hätte der Investor für das Sägewerk aufbringen müssen. Der hatte dann sein Vorhaben aufgegeben.

Der Rimbecker Landwirt Björn Hoppe betreibt in seinem Heimatort einen Schweinestall (500 Tiere) und eine Hähnchenmast (50 000 Plätze) und darüber hinaus in Hofgeismar-Hümme zwei weitere Mastanlagen mit insgesamt 85 000 Plätzen. 

Aus für Hähnchenstall bei Wethen: Unser Bild entstand bei einer Protestaktion vor einer Ausschusssitzung in Rhoden. Foto: Armin Haß

Weil die Erweiterungsmöglichkeiten in den beiden Gemeinden an die Grenzen gestoßen sind, kam ihm die Möglichkeit entgegen, den landwirtschaftlichen Betrieb seines Onkels in der Wethener Gemarkung zu übernehmen und fortzuführen. Dabei hätte er die Ländereien nutzen können, um das für die Hähnchen nötige Getreide anbauen zu können. Der Mist wäre in Biogasanlagen im Warburger Land zu Dünger verarbeitet worden.

Onkel erstaunt über Rückzug

 Der Onkel habe ihn unterstützt und sei erstaunt gewesen, dass er den Bauantrag nun zurückgezogen habe, sagte Hoppe. Der Landwirt kritisierte, dass an der Größe des geplanten Stalls in der Öffentlichkeit herumgemäkelt worden sei. Dabei sei der Platz mit 1800 Quadratmetern extra gewählt worden, um den Tieren mehr Raum zu bieten und somit Tierwohl-Kriterien zu erfüllen.

Der Sprecher der Bürgerinitiative, Nils Rosenstock, übergibt Liste mit Unterschriften gegen den Hähnchenstall. Links Stadtverordnetenvorsteher Wolfgang Behrens, rechts Bürgermeister Elmar Schröder. Foto: Armin Haß

 

Der mit Kosten von 800 000 Euro veranschlagte Stall habe sich als zu klein und daher unwirtschaftlich erwiesen. Am Dienstag hatte Bürgermeister Elmar Schröder mitgeteilt, dass Hoppe seinen Antrag vom vergangenen Jahr zurückgezogen habe. 

Das lohnt sich nicht mehr

Der Rimbecker wollte einen Stall mit 29 900 Plätzen bauen, gerade so weit unter einer Obergrenze, ab der ein öffentliches Genehmigungsverfahren erforderlich gewesen wäre. So hatte er sich dafür entschieden, in ein scheinbar weniger aufwendiges und nicht-öffentliches Genehmigungsverfahren einzusteigen. 

Doch stellte er gegenüber der WLZ auf Nachfrage fest, dass sich das Projekt für ihn nicht lohnen werde und verwies auch auf bereits entstandenen Aufwand und die möglichen Auflagen für die Genehmigung.

Eigentümer widerspricht

Der Onkel des Investors Björn Hoppe, Landwirt Wilhelm Krantz aus Wethen, betonte gestern, dass er „den geplanten Stall in vollem Umfang unterstütze, auch wenn ich mich unternehmerisch nicht mehr daran beteiligen möchte“. Es sei nicht so, wie von Bürgermeister Elmar Schröder dargestellt, dass er „nichts mit dem Projekt zu tun haben und es auch nicht in Sichtweite sehen möchte.“ 

Krantz hatte Hoppe Betriebsflächen in Richtung Rhoden bereitstellen wollen. Krantz bezieht sich auf ein Gespräch zwischen Hoppe und dem Rathauschef über einen alternativen Standort, an dem er selbst nicht teilnahm. Dabei ging es um weitere Ländereien von Krantz, nordwestlich von Wethen. 

Für den Hähnchenstall bei Wethen war noch eine Fläche an einer Allee (links in der Bildmitte neben dem Ort) in der Feldgemarkung im Gespräch. Foto: Hans Blossey

Andere Beweggründe sprächen gegen die Nutzung dieses Areals an der Apfelbaumallee in Richtung Landesgrenze. Der Weg hätte zur Erschließung des Stalles ausgebaut werden müssen. Die Kosten wären für ihn als Hauptanlieger „nicht unerheblich“. 

"Sehr traurig"

Er hätte indessen „kein Problem damit, einen solchen Stall in Sichtweite oder unmittelbaren Nähe zu haben, weil ich aus eigener Erfahrung weiß, dass dies absolut unproblematisch ist und keine Beeinträchtigungen mit sich bringt.“ Er finde es „sehr traurig, dass sich die Gremien der Stadt Diemelstadt mehrheitlich gegen das Bauvorhaben und damit auch gegen eine kontrollierte regionale Erzeugung von Geflügelfleisch ausgesprochen hat.“

 

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