Erweiterungspläne für den Hof in Hesperinghausen sind erstmal vom Tisch

Milchpreisverfall, Finanzierungskosten und dann auch noch Salmonellen: Insolvenz schmerzt Hesperinghäuser Landwirt sehr

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Die Tiere gehören quasi zur Familie: Daniela und Matthias Ständecke aus Hesperinghausen mussten mit ihrer Diemel-Holstein GmbH und 1000 Kühen Insolvenz anmelden.   

Diemelstadt-Hesperinghausen. Noch vor einem halben Jahr hatte er bei einer Bürgerversammlung im bis auf den letzten Platz besetzten Dorfgemeinschaftshaus um Verständnis für seine Erweiterungspläne geworben.

Ende vergangener Woche musste Landwirt Matthias Ständecke mit seiner Diemel-Holstein-GbR Insolvenz anmelden.

Grund für die Zahlungsprobleme sind aber nicht die Erweiterungspläne, sondern die Kosten einer Hofübernahme und die Spätfolgen eines Salmonellenbefalls in seinem Kuhstall, berichtet Ständecke und verweist auf mit Salmonellen verseuchtes Futter aus Bayern.

Hoffen auf Versicherung

250 000 Euro Schaden sind in den vergangenen acht Monaten an Kosten für die Salmonellenbekämpfung angefallen, rechnet der Landwirt vor. Dieses Geld hätte er gerne von seiner Versicherung erstattet. Die zahlt aber - noch - nicht, weil es einen Rückfall gab und der Fall noch nicht abgeschlossen ist.

Nun weigert sich die Bank, Geld nachzuschießen, stellt alle Kredite sofort fällig. Zahlungsstopp. Insolvenz. Das ist so üblich, wenn ein Betrieb seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann.

Immerhin seien Verbindlichkeiten von rund sechs Millionen Euro aufgelaufen, so der vom Korbacher Amtsgericht eingesetzte vorläufige Insolvenzverwalter, der Kasseler Rechtsanwalt Dr. Mario Nawroth vom Büro Pluta-Rechtsanwalt GmbH im Gespräch mit der WLZ. Unter seiner Aufsicht wird der Hesperinghäuser Landwirt erst einmal weiter wirtschaften und alles daran setzen, dass zuerst die Salmonellenkrise, dann der Zahlungsengpass beseitigt wird.

Mitarbeiter werden weiter bezahlt

Bei einer Mitarbeiterversammlung hat der Insolvenzverwalter den 14 Angestellten, darunter sechs Minijobbern, erklärt, dass der Betrieb weiterläuft. Die Mitarbeiter haben drei Monate lang Anspruch auf Insolvenzgeld von der Agentur für Arbeit. Schließlich müssen auch die Tiere weiter versorgt werden. 500 Milchkühe und 500 Stück Nachzucht gehören zum Hof Ständecke. Dazu 240 Hektar bewirtschaftete Fläche.

Neubaupläne erstmal hinfällig

Eigentlich wollte Ständecke den Betrieb neu ordnen. „Der Güllebehälter sollte schon im Frühjahr so weit unten auf dem hängigen Gelände platziert werden, dass die Nachbarn weder vom Geruch, noch von den An- und Abfahrten belästigt werden. Dazu war auch der Bau einer neuen Zufahrt geplant“, schildert der Landwirt seine Pläne, die jetzt wohl hinfällig geworden sind. Außerdem wollte Ständecke einen neuen Stall in Hesperinghausen bauen, und zwar nur für die tragenden Kühe.

Das Veterinäramt hatte die Pläne aus Gründen des Tierwohls befürwortet, auch deshalb, weil für die trächtigen Kühe mehr Platz und mehr Komfort mit reichlich Stroheinstreu geschaffen werden sollte. Vor allem wären dann die Transporte zwischen den Höfen in Helmighausen und Hesperinghausen nicht mehr nötig, so die Pläne des Landwirts.

Aufwendige Desinfektion

Doch noch bevor mit dem Neubau in Hesperinghausen begonnen werden konnte, erfolgte dort die Abschlussbeprobung durch das Veterinäramt. „Die machen einen guten Job und haben uns gut beraten“, so Ehefrau Daniela Ständecke.

Doch trotz der aufwendigen Desinfektion der Ställe und der Güllekanäle wurden vor zwei Wochen erneut drei Tiere positiv auf Salmonellen getestet und mussten separiert werden. Eine Woche später ein weiterer Test: Wieder ein Fund von Salmonellen.

Dabei hatten Ständecke und seine Leute alles getan, um die Krankheitserreger von seinen Höfen zu beseitigen. „Wir haben die Gülle auf unseren Hof in Helmighausen gefahren und dort mit Kalk behandelt.“ Die Ställe wurden mit Desinfektionsmittel behandelt, wieder und wieder.

Und das kostete: „100 000 Euro für die Säuberung und Desinfektion der Ställe, 50 000 Euro für die Transporte und Desinfektion der Gülle, Tötung einzelner Tiere durch den Tierarzt“, rechnet Ständecke vor. Dazu kamen die Kosten für provisorische Ställe zur Separation der Tiere, Einnahmeausfälle, erhöhter Arbeitsaufwand.

Was sagt der Landwirt zur Insolvenz?

Der Hesperinghäuser Landwirt kommt auf rund 250 000 Euro Schadenssumme: „Und die Entschädigung wird erst nach erfolgreichem Abschluss der Tierseuchenbehandlung und nach Abzug des Eigenanteils.“ Und weil auch die Bank nicht ewig zuschießen kann, fehlt nun das Geld.

Landwirt Ständecke fasst seine Situation so zusammen: „An diesem Familienbetrieb hängen drei Generationen, außerdem die Existenzen von zwölf Mitarbeitern. Erst hatten wir anderthalb Jahre mit der Milchpreiskrise zu kämpfen, dann die Neubauplanung, jetzt die Salmonellen und dann auch noch die Insolvenz.“

 Es sei aber gut zu sehen, dass doch noch so viele Berufskollegen zu ihm stünden und das für ihn angebaute Futter weiter liefern wollten. Ständecke: „Jetzt sind wir zuversichtlich, dass wir die Situation gemeinsam mit dem Insolvenzverwalter in den Griff bekommen und unsere Höfe bald wieder alleine führen können.“

Was sagt der Insolvenzverwalter?

Der vorläufige Insolvenzverwalter, Dr. Mario Nawroth, abschließend auf WLZ-Anfrage: „Der Geschäftsbetrieb wird uneingeschränkt fortgeführt. Wir suchen gemeinsam mit der Bank und dem betroffenen Landwirt nach einer guten Folgelösung.“

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