Milchtagung der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft  

Milchproduktion im Spannungsfeld von  Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit

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Ein Streiter für die bäuerliche Landwirtschaft: Josef Jacobi, Mitbegründer der Upländer Bauernmolkerei, leitete die Milchtagung an der Katholischen Landvolkshochschule Hardehausen mit namhaften Experten.  

Milchbauern sind in diesen Tagen auf vielfache Weise herausgefordert: Verbraucher erwarten von ihnen Milch von bester Qualität zu niedrigen Preisen.

Warburg-Hardehausen. Außerdem soll die Milch von glücklichen Kühen stammen, die auf grünen Wiesen grasen, und die mit ihren Fladen kein Methan in die Luft blasen. Wie das alles gelingen kann, war Thema der Milchtagung, zu der die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) und die katholische Landjugendbewegung in den Räumen der katholischen Landvolkshochschule Hardehausen eingeladen hatte.

Die Moderation hatte Josef Jacobi von der Upländer Bauernmolkerei übernommen. Die rund 40 Teilnehmer und sechs Referenten bewegten sich bei ihrer Tagung im Spannungsfeld zwischen Verbraucherwünsche und der wirtschaftlichen Realität der Landwirte.

Milchbauern gehen oft hohe finanzielle Risiken ein

Dazu gehört die Erkenntnis, dass zwischen den Erzeugerkosten und ihren Erlösen eine Lücke von 21 Cent klafft. Kostendeckend wäre laut Frank Lenz vom deutschen Milch-Board ein Preis von rund 72 Cent pro Liter Biomilch. Rund zwölf Cent würden durch staatliche Beihilfen abgedeckt, etwa 40 Cent kommen beim Landwirt an. Der Rest sei Verzehr von Anlagekapital.

Besonders bekämen diese Deckungslücke erstaunlicherweise die großen Betriebe mit über 500 Kühen zu spüren. Deren modere Ställe müssten mit Millionenkrediten finanziert werden. Die Banken reagierten sehr empfindlich, wenn die Kredite nicht bedient würden.

Lieferverträge sollten klare Preise festschreiben

Um die Auszahlungspreise für die Bauern zu verbessern, setzt sich das Milch-Board dafür ein, die die Milchmenge der Nachfrage anzupassen. Sinnvoll sei es, Erzeugergemeinschaften zu bilden, die klare Verträge über Mengen, Qualitäten, Lieferzeiten und Preise zu vereinbaren. Was so selbstverständlich klinge, sei für Landwirte längst nicht selbstverständlich. Die wüssten meist bei der Anlieferung nicht, welcher Preis in ausgezahlt werde. Daher tritt das von Lenz vertretende Milch-Board für die Umkehrung des ökonomischen Verteilungsprozesses ein:

Derzeit setze der Handel den Preis fest, ziehe die Lieferkosten ab und das sei dann der Erzeugerpreis. Dieses System müsse endlich durchbrochen werden. Das sei auch im Sinne der Verbraucher. Deutschland sei nun mal kein Billiglohnland. Auch Landwirte hätten ein Recht, an den sozialen Errungenschaften teilzuhaben.

Nur so viel Milch auf den Markt lassen, wie auch nachgefragt wird

Von seinen Erfahrungen mit Milcherzeugergemeinschaften im Saarland und in Rheinland-Pfalz berichtete Randy Aller: Als 2015 die Milchquotenegelung aufgehoben wurde, habe seine Erzeugergemeinschaft eine kurze Phase des auskömmlichen Wirtschaftens erlebt, bis ihre Molkerei in Insolvenz geraten sei. Danach sei es schwierig gewesen, neue Abnehmer für die Milch zu finden. Der Wind sei rauh geworden seit dem Ende der Marktordnung.

Viele Landwirte suchen inzwischen ihr Glück in der Biolandwirtschaft, wie Rüdiger Brügmann von der Bioland-Koordinationsstelle Biomilch berichtete. 2015/16 habe es eine große Nachfrage nach Biomilch gegeben. Deshalb hätten in den folgenden Jahren immer mehr Landwirte umgestellt. Bis 2018 seien die Zuwächse an Biomilch auch gut vom Markt angenommen worden, ohne allzu großen Druck auf die Preise auszuüben. Dazu trage auch bei, dass die großen Discounter deutsche und nicht dänische oder österreichische Biomilch im Sortiment hätten.

Kühe sind nicht nur Klimakiller, sondern leisten Beitrag zur Landschaftpflege

In der aktuellen Klimadiskussion werden Kühe oft als Klimakiller dargestellt, weil sie bei der Verdauung von Gras das klimaschädliche Methan ausstoßen. Dass diese Sichtweise zu kurz gesprungen ist, unterstrich der Dipl.-Agraringenieur Bernhard Osterburg von der Stabsstelle Klima und Boden am Thünen-Institut.

 Sein Institut errechnet auf wissenschaftlicher Basis die Treibhausgas-Bilanz der Landwirtschaft und beschäftigt sich mit der Frage, wie man Landwirtschaft möglichst klimaneutral gestalten kann. Völlig dekarbonisieren lasse sich die Landwirtschaft nicht, stellte Osterburg fest.

 Das liege nun mal in der Natur der Sache. Milchviehhaltung haben einen Sinn, weil sie Grünland pflege. Allerdings lasse sich die Protein-Produktion optimieren: Milchproduktion sei unter diesem Gesichtspunkt effektiver als die Rindfleischproduktion. Kuhmilch könne aber auch durch Hafermilch-Produkte ersetzt werden. Bewusster Konsum sei sehr hilfreich. 

Mehr Gras, weniger Kraftfutter: Viele Vorteile

Karin Jürgens vom Kasseler Institut für landwirtschaftliche Entwicklung hat zusammen mit der Universität Göttingen und mit Unterstützung der Bundesanstalt für Naturschutz ein dreijähriges Forschungsprojekt zur Wirtschaftlichkeit einer kraftfutterreduzierten Milchfütterung bei ökologischen und konventionellen Betrieben beschäftigt. 

Erstes Ergebnis: Milchkühe, die mehr Gras und weniger Kraftfutter in Form von Getreide fressen, geben weniger schädliche Emissionen frei, haben eine bessere Milchqualität mit Omega-3-Fettsäuren und erhöhen auch die Artenvielfalt auf den von ihnen abgegrasten Weiden. Die Milchmenge liegt mit rund 6000 Litern pro Jahr um rund 2000 Liter unter der von Rindern mit erhöhter Kraftfuttergabe.

 Doch die Mindermenge an besserer Milch trage zur Entlastung des Marktes bei. Zudem sei es auf Dauer gesellschaftlich nicht erklärbar, wenn wertvolles Getreide, das auch als menschliches Lebensmittel genutzt werden könnte, an Milchkühe verfüttert werde. 

Grassilage kann Eiweiße enthalten, die Kühe krank machen

Mit Aspekten der Tiergesundheit beschäftigt sich die Studie, die Rudolf Leifert vom Luxemburger Institut für biologische Landwirtschaft und Agrarkultur vorstellte. Der Experte hat die Wirkung von Grassilagen auf die Gesundheit der Milchkühe untersucht. Ergebnis: Beim Gärprozess können in den Silagen tierische Eiweiße entstehen, die Milchkühe schlecht vertragen und sogar krank machen können.

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