„Mutmaßungen, aber keine Indizien“

Prozess wegen Brandstiftung in Diemelstadt: Urteil ist gefallen

+
Urteil im Prozess um Brandstiftung in Diemelstadt (Nordhessen) ist gefallen.

In Nordhessen wurde nun das Urteil im Prozess wegen Brandstiftung in Diemelstadt gefällt. Obwohl es Ideen gab, wer den Brand gelegt haben könnte, fehlten zu einer Verurteilung die Beweise.

  • Prozess um Brandstiftung in Diemelstadt
  • Urteil in Nordhessen ist gefallen
  • Freispruch wegen fehlender Beweise

Diemelstadt (Nordhessen) - Ideen dazu, wer 2018 in Diemelstadt ein Feuer gelegt haben könnte, gab es durchaus - aber keinerlei Beweise, wie sich am Amtsgericht in Korbach zeigte.

„Wir haben Mutmaßungen, aber keine Indizien“, befand der Verteidiger am Ende des Prozesses wegen vermeintlicher schwerer Brandstiftung in Diemelstadt – und die Staatsanwältin sah es auch so: Beide plädierten auf Freispruch für den 37-jährigen Angeklagten und das Schöffengericht um Karl-Heinz Kalhöfer-Köchling folgte dem.

Prozess in Nordhessen: Technische Ursache für Brand kann ausgeschlossen werden

Vorgeworfen worden war dem mittlerweile im Sauerland lebenden Mann, vor zwei Jahren im von ihm gemieteten Haus Feuer gelegt zu haben – just am Tag, an dem er nach jahrelangem Streit mit dem Vermieter wegen ausgebliebenen Zahlungen ausziehen musste. Am Morgen des 4. Mai 2018 war aus dem Haus drängender Qualm aufgefallen. Die kurz nach 7 Uhr gerufene Feuerwehr löschte den Brand – auffällig war, dass es zwei Brandherde gab: einmal auf einem Lattenrost aufgehäufte Kleidung; einmal einen weiteren Haufen in einem anderen Zimmer.

Ersterer erlosch wegen Sauerstoffmangels; doch im zweiten Raum stand ein Fenster auf Kippe, auch die durch eine Decke aufgesperrte Terrassentür ließ laut Brandermittler Luft hinein. Eine technische Ursache könne für beide Stellen ausgeschlossen werden. Ohne den Einsatz der Feuerwehr hätte der Brand sich weiter ausgebreitet, befand die Staatsanwältin. Aber auch so entstand ein Schaden von rund 100.000 Euro am Bau: Ruß zog in jede Ritze der Wände, die erneuert werden mussten.

Prozess in Nordhessen: Feuerwehr gelangte über Terrasse ins Gebäude

Der Vermieter berichtete, dass die Türen verschlossen und verrammelt vorgefunden wurden – im Nachhinein sei festgestellt worden, dass der Mieter alle Schlösser ausgetauscht habe. Zugang zum Gebäude erlangte die Feuerwehr über die Terrasse: Mit einer Steighilfe hätte auch ein Brandstifter sich Zugang verschaffen können, so der Brandermittler.

Nach immer wieder ausbleibenden Mietzahlungen hatten Mieter und Hausherr nur noch über Gericht Kontakt. „Sonst haben wir höchstens mal über die Straße gebrüllt“, berichtete der Hausherr. Als er nach einem Tatverdacht gefragt wurde, verwies er darauf, dass der Mieter als einziger Schlüssel gehabt habe. Gesehen hat die Ereignisse niemand: Eine Nachbarin sah nach 20 Uhr lediglich das Auto des Angeklagten, eine andere hörte um 3 Uhr ein Scheppern oder Ratschen.

Urteil im Prozess in Nordhessen: Freispruch für Angeklagten

„Irgendjemand – wer auch immer – muss die in Brand gesetzten Klamotten hinterlassen haben“, hielt die Staatsanwältin fest. Das gekippte Fenster zeige: Wer das Haus zuletzt verlassen habe, habe gewollt, dass es brenne. Als Motive des Angeklagten wären ein Denkzettel für den Vermieter oder Schadenersatz für verbranntes Inventar möglich – aber das bleibe Spekulation. Der Verteidiger fügte bloß hinzu, dass bei einem geräumten Haus der Vorwurf der schweren Brandstiftung nicht greife. Ohne Beweise sprach das Gericht den Angeklagten frei.

Dieser hatte sich anfangs nicht eingelassen und auch danach nur sporadisch gemeldet. Angesichts der Verantwortung für seine Familie könne er sich solch eine Tat gar nicht leisten, beteuerte er zum Schluss. Die Staatsanwältin verzichtete direkt darauf, Rechtsmittel einzulegen – das Urteil ist also rechtskräftig.

Von Wilhelm Figge

Nicht der einzige Brand in Nordhessen:

Bei einem Brand im Kreis Kassel in Nordhessen* wurde ein Mann schwer verletzt. Er blieb aus unbekannten Gründen im Haus.

Ein weiterer Brand in Nordhessen, in einem Gebäude in Bad Wildungen*, verursachte einen erheblichen Schaden. Die Feuerwehr konnte Schlimmeres verhindern.

*hna.de und wlz-online.de sind Teile des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare