Berufung vor dem Oberlandesgericht Hamm gescheitert

Es bleibt dabei: Kein Schmerzensgeld für Marsberger Böller-Opfer

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Totenstille nach dem Böller-Unglück beim Marsberger Schützenfest im Juli 2015: Das Oberlandesgericht Hamm hat Ende Januar 2019 noch einmal bekräftigt: Bei aller Tragik gibt es kein Schmerzensgeld für die Opfer.

Marsberg.  Das Oberlandesgericht Hamm teilt die Ansicht des Landgerichts Arnsberg, dass der junge Mann, der bei dem tragischen Unglück beim Anböllern des Marsberger Schützenfest 2015 traumatisiert worden ist, weder einen Schockschaden geltend machen noch die Verantwortlichen für für ein Nahtod-Erlebnis haftbar machen kann.

Rund zweieinhalb Stunden befasste sich der 9. Senat des Oberlandesgerichts Hamm mit dem Unglück, bei dem zwei durch falsches Befüllen explodierte Kanonen dem König der St. Magnus-Schützen tödliche Bauchverletzungen zugefügt hatten. Ein junger Mann, der den Unfall aus unmittelbarer Nähe miterlebte, hatte gegen die drei Böllerschützen Schmerzensgeldansprüche geltend gemacht.

Das Landgericht Arnsberg hatte die Klage bereits im August 2017 zurückgewiesen.Zur Berufungsverhandlung hatte das OLG einen Termin „zur Aufklärung des Sachverhalts und eine Güteverhandlung“ angesetzt. Dabei teilte der 9. Senat die Einschätzung des Landgerichts, dass dieser Vorfall, so tragisch er auch sei, zum allgemeinen Lebensrisiko gehöre.

Für einen Schockschaden fehle die persönliche Nähe, wie sie etwa durch eine familiäre Bindung oder Verwandtschaft gegeben sei. Diese Auslegung hat der Bundesgerichtshof 1971 in einem Grundsatzurteil formuliert.

Und was die Haftung für ein „Nahtod-Geschehnis“ anging, hat die Gegenseite bestritten, dass Kanonenteile derart nah an dem Kläger vorbeigeschossen seien.

Zwei der drei beteiligten Kanoniere haben weiterhin von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht. Der Dritte, gegen den das Verfahren wegen fahrlässiger Tötung gegen eine Geldbuße von 5000 Euro eingestellt worden war, äußerte sich über seinen Anwalt. Auf den Vorschlag des Gerichts, dem Kläger symbolisch 1000 Euro zu zahlen, gingen weder die drei Schützen noch deren Versicherung ein.

Angesichts der sich abzeichnenden Erfolglosigkeit der Berufung, zog der Anwalt des Klägers die Eingabe zurück.

Beim Anböllern des Marsberger Schützenfestes waren am 11. Juli 2015 zwei der drei eingesetzten Kanonen explodiert. Dabei war der König tödlich verletzt worden. Grund war eine falsche Beladung der Kanonen; es konnte aber nicht festgestellt werden, wer diese beladen hatte. Die drei beteiligten Kanoniere verweigern bis heute die Aussage. Lediglich derjenige, der nach Zeugenaussagen die Kanonen gezündet hatte, wurde zur Verantwortung gezogen, da er eingeräumt hatte, die Kanonen vorher nicht kontrolliert zu haben.

(VON JÜRGEN HENDRICHS)

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