Die plattdeutsche Sprache soll nicht ganz untergehen

Tonkonserven aus dem Roten Land für die Ewigkeit

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Für Tonaufnahmen „op platt“ ist Sprachwissenschaftler Dr. Werner Beckmann (Bildmitte) im Roten Land unterwegs. Unser Bild zeigt ihn mit den Teilnehmern (v.r.) Erika Hollenstein, Margret Schultze, Hermann Böhne, Siegfried Patzer, Andreas Karl Böttcher und Friedrich Ladage

Diemelstadt-Neudorf. Im Roten Land wird immer weniger „Platt“ gesprochen. Die Dialektvarianten der Waldecker Dörfer zu bewahren, liegt aber nicht nur dem Waldeckischen Geschichtsverein am Herzen. Unter dessen Dach haben sich mehrere plattdeutsche Arbeitskreise gebildet, um das heimische Platt für die Nachwelt zu archivieren.

Mit ganz ähnlichem Ziel ist Dr. Werner Beckmann als Mitbegründer des Mundartarchivs Sauerland unterwegs. Für die Schriftenreihe „Op platt“, die vom Mundartarchiv herausgegeben wird, macht der Sprachwissenschaftler aus dem Hochsauerland-Kreis auch diesseits der waldeckisch-westfälischen Grenze Station. Den Kontakt hatte Andreas Karl Böttcher vom Verein „Marsberger Geschichten“ sowie als Mitglied der Bezirksgruppe Bad Arolsen im Waldeckischen Geschichtsverein hergestellt.

Beckmanns Interesse am hiesigen Platt ist einfach zu erklären: „Waldecker Platt ist eigentlich ein westfälisches Platt. Es weist alle Merkmale auf, hat aber seine eigene Prägung“, weiß der Sprachforscher. Erste Tonaufnahmen mit Sprechern aus Helmighausen, Hesperinghausen und Neudorf wurden in der vergangenen Woche gemacht.

Als bisher älteste Teilnehmerin auf Waldecker Seite hatte Erika Hollenstein aus Helmighausen Gelegenheit, vor dem Mikrofon aus ihrem Leben zu erzählen.

Sie sei die einzige in ihrem Dorf, die noch platt spreche, berichtete die 86-Jährige beim Aufnahmetermin in der Neudorfer Bruchmühle. Mit ihrem Beitrag, der als Mp3-Datei gespeichert, auf CD gebrannt und für das Heft zum Nachlesen verschriftlicht werden soll, kann zumindest ein Teil des über viele Generationen gesprochenen Ortsdialekts bewahrt werden.

Mit vierzig vorgegebenen Sätzen, die alle Teilnehmer jeweils in ihrer eigenen Sprache wiedergeben, soll das „Op platt“-Vorhaben darüber hinaus auch wissenschaftlichen Ansprüchen genügen.

Das Projekt dürfte für weitere Ortschaften ebenfalls interessant sein. Aufnahmetermine sind in Planung

Sprecher aus anderen Dörfern, die Interesse daran haben, ihr Platt zu bewahren, können sich an Andreas Karl Böttcher, Telefon 0151/15815361, wenden.

(Von Sandra Simshäuser)

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