Aus alten Verwaltungsakten die richtigen Schlüsse ziehen

Richard Lehmann ist neuer Stadtarchivar für die Diemelstadt

Drei Männer stehen zwischen zwei Archivregalen und halten alte Aktenbände in den Händen.
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Richard Lehmann (rechts) ist neuer Leiter des Stadtarchivs der Diemelstadt im alten Rathaus, heute Stadtkeller. Hinter ihm stehen Ludwig Schäfer und Bürgermeister Elmar Schröder.

Richard Lehmann ist neuer Stadtarchivar der Diemelstadt. Er tritt damit die Nachfolge von Heinrich Friele an, der im vergangenen Jahr verstorben ist.

Diemelstadt - Lehmann wurde dem Magistrat vom Rhoder Heimatkundler Ludwig Schäfer wärmstens empfohlen, weil Lehmann über profunde historische Kenntnisse verfüge und Erfahrungen in der Archivarbeit mitbringe.

Bürgermeister Elmar Schröder stellte bei der Präsentation des neuen Stadtarchivars im ehemaligen Rathaus, dem ehemaligen Stadtkeller, fest, dass Lehmann aus seiner Sicht eine Idealbesetzung der ehrenamtlichen Aufgabe darstelle. Deshalb habe der Magistrat Lehmann auch schon zu einem Fortbildungslehrgang im Archivwesen an das Staatsarchiv in Marburg entsandt.

Historische Zusmamenhänge dokumentiert

Richard Lehmann ist mit 15 Jahren zu seinen Großeltern in die Siedlung Laubach gezogen und hat dort schon früh Interesse an historischen Zusammenhängen entwickelt. Auf der ehemaligen Domäne Laubach waren in den 50er Jahren mehrere Familien aus Schlesien angesiedelt worden.

Die Großmutter von Richard Lehmann stammte aber aus Wrexen. So wunderte sich der Junge, der in Süddeutschland aufgewachsen war und damals einen badischen und Pfälzer Dialekt sprach, dass er die aus Schlesien eingewanderten Familien so schlecht verstehen konnte. In der Folge beschäftigte sich der junge Mann intensiv mit den historischen Zusammenhängen.

Schon zwei Ortssippenbücher erarbeitet

In den 70er und 80er Jahren wühlte er sich in seiner Freizeit durch unzählige Archive, erstellte eine Chronik der Laubacher Familien und später das Ortssippenbuch von Wethen.

Auch das Ortssippenbuch von Berndorf hat Lehmann fertiggestellt. Allerdings konnte es bisher nicht veröffentlicht werden, weil sich noch niemand gefunden hat, der von Haus zu Haus geht und die dazu nötigen datenschutzrechtliche Einwilligungen aller erwähnten Familien einholt.

Archivmaterial soll digitalisiert werden

Nun also hat Richard Lehmann im Diemelstädter Stadtarchiv ein neues Betätigungsfeld gefunden. Das ist zwar im Prinzip schon ganz ordentlich geführt, weil der frühere Diemelstädter Hauptamtsleiter Heinrich Friele mit seinen Weggefährten gute Grundlagenarbeit geleistet hat.

Jetzt warten neue Herausforderungen: Das Archivmaterial soll digitalisiert werden. Dazu erstellt Lehmann zunächst pdf-Scans der Findbücher. Diese Dateien werden aber erst durch eine professionelle Verschlagwortung für Außenstehende nutzbar. Dazu muss Lehmann jede einzelne pdf-Datei nach dem Archivplan des Landes Hessen mit Informationen über den Inhalt der jeweiligen Textseite füttern. Eine Herkulesaufgabe!

Ein Team von Heimatforschern

Immerhin investiert Lehmann derzeit rund 40 Stunden im Monat in die Archivarbeit. Den Rest seiner Zeit verbringt er unter anderem in seinem großen Garten.

Immer mittwochs trifft sich das Archivteam im Gebäudes des Ratskellers. Mit dabei sind Walter Bracht und Karl Heinemann als Vertreter des Geschichtsvereins, Karl Gehrke, Günter Bracht und Horst Sinemus als Vertreter des Turnvereins Germania, der ebenfalls über ein großes Archiv verfügt. Wertvolle Zuarbeit leistete auch Heinrich Bodenhausen, der die alten Urkunden aus dem Roten Land nacharchiviert hat.

Im Stadtarchiv sind die alten Akten sicher gelagert

Wegen der vielen Stadtbrände, die Rhoden im Laufe der Jahrhunderte verwüsteten, sind nicht mehr alle Akten vorhanden. Der älteste Akt ist ein Kassenbuch aus dem Jahr 1734. 1735 wurde das alte Rathaus, der heutige Stadtkeller, errichtet. Das Steingebäude hielt dann dem Stadtbrand von 1873 stand.

Erst vor zwei Jahren wurde das Dach neu gedeckt, sodass Elmar Schröder heute verkünden kann: „Das Gebäude ist tipptopp in Ordnung. Die neuen Jalousien sind UV-dicht und schützen das Archivmaterial vor den schädlichen Einflüssen von Sonnenlicht.“ (Elmar Schulten)

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