Rollendes Zuhause für 200 Hennen selber gebaut

14-Jähriger aus Wethen vermarktet Dorfeier auf Instagram und in Selbstbedienung

Ein Junge hält zwei Hühner in seinen Armen.
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Der 14-jährige Yannis Marpe aus Wethen hat einen mobilen Hühnerstall gebaut. Die Eier seiner 200 Hennen vermarktet er eigenverantwortlich

Der 14-jährige Yannis Marpe ist Hüter von 200 Hühnern, deren Eier er seit wenigen Tagen unter der Eigenmarke Dorf-Eier in einer Selbstbedienungshütte an der Ortsdurchfahrt verkauft.

Diemelstadt-Wethen - Der Junglandwirt, der mit seinen Eltern, Geschwistern und Großeltern den 1856 erbauten Hof in der Dorfmitte bewohnt, hat sich vorgenommen, die landwirtschaftliche Familientradition fortzuführen. Und weil er die Gespräche seiner Eltern und die Berichte über das Verbraucherverhalten in Corona-Zeiten aufmerksam verfolgt hat, ist Yannis vor einigen Monaten auf die Idee gekommen, einen mobilen Hühnerstall zu betreiben.

Platz für die Tiere und den rollenden Stall gibt es auf der Wiese am Hof genug. Und so fiel es dem jungen Mann nicht schwer, seine Eltern von der Geschäftsidee zu überzeugen. Vater Rainer Marpe kaufte einen ausrangierten Lkw-Anhänger und baute ihn zusammen mit seinem Sohn so um, dass sich Hühner darin wohlfühlen.

Futter aus eigenem Anbau

Unter der früheren Ladefläche befindet sich jetzt der Scharraum. Von hier führt ein Brett nach draußen auf die Wiese. Eine Etage höher im rollenden Stall befinden sich die Ruhestangen. Hier gibt es kleine Tränken mit Wasseranschlüssen. Ein selbst gebautes Transportband bringt das Trockenfutter aufs Hühnerbüffet.

Verfüttert wird Weizenschrot und Mais aus eigenem Anbau, vermischt mit Kalk für den Aufbau der Eierschalen. Jeden Tag wendet Yannis etwa eine Stunde auf, um Futter nachzufüllen, die Tränken zu reinigen und die Eier aus dem Gelege zu kurbeln. Dafür haben die Marpes ein weiteres Transportband konstruiert, das dafür sorgt, dass die Frühstückseier auf dem Weg von der Henne zum Verbraucher heile bleiben.

Stall bietet den Hennen Schutz

Offenbar brauchten Hühner einen strukturierten Tagesablauf. Wenn es dunkel werde, kämen alle brav in den Stall zurück und setzten sich auf ihre Stangen.

Das sei auch gut so. Schließlich gebe es ja neben Fuchs und Marder auch weitere Fressfeinde, die aus der Luft zuschlagen könnten. In den ersten vier Wochen aber sei der rollende Stall von Yannis ein sicherer Ort für die 200 Legehennen gewesen. Hierhin können sie sich jederzeit flüchten, wenn sich ein Habicht nähert.

Der 14-Jährige sagt von sich, dass er immer schon gerne Tiere um sich gehabt habe. Und mit dem Schlepper kann er schon lange auf dem elterlichen Grundstück rangieren. Wenn demnächst die Schulpraktika anstehen, will er sich bei einem Landwirt bewerben.

Regelmäßige Hühner-postings auf Instagram

Vater Rainer Marpe, der im Nebenerwerb 60 Hektar Ackerland bewirtschaftet, ein Dutzend Rinder hält und 30 Bullen mästet, ist ganz erstaunt, wie klug sich die Hühner verhalten. Sie hätten sich innerhalb weniger Tage auf die Abläufe in ihrem rollenden Stall trainieren lassen. Das Marketing für seine Dorf-Eier organisiert Yannis übrigens ganz modern. Er hat die Plakate für die Dorfeier gestaltet und stellt regelmäßig Fotos von seinen Hennen auf Instagram ein. (Elmar Schulten)

Der Selbstbedienungs-Verkaufsstand von Yannis Marpe an der Ortsdurchfahrt von Wethen. Hier gibt es neben Eiern auch Kartoffel zum Mitnehmen und brav Bezahlen

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