Schafe – Inbegriff von bio

Quereinsteiger wagte den Wechsel vom  Erzieherberuf zur Schäferei in Laubach

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Schäfermeister Jan und Carola Pieper vor ihrer Herde , als sie gerade in der Nähe der Rhoder Hude graste.

Diemelstadt-Rhoden. Was ist schwerer? –Eine Horde Kinder hüten oder eine Herde Schafe? – Auf diese Frage hat Schäfermeister Jan Pieper keine klare Antwort.

Der 36-Jährige hat ursprünglich Erzieher gelernt und einige Jahre im Kindergarten Warburg gearbeitet. 2009 hat er dann gemeinsam mit Ehefrau Carola entschieden umzusatteln. 

Er absolvierte eine Ausbildung zum Schäfermeister, kaufte mit seiner Frau einen leerstehenden Hof in der Ansiedlung Laubach auf halbem Weg zwischen Rhoden und Wethen und verwirklichte ihren gemeinsamen Traum. Beide stammen aus landwirtschaftlich geprägten Familien.

 Schon Jan Piepers Großvater war Schäfer. Sein Vater Anton hat den Beruf aber bis 2005 nur in kleinem Rahmen mit nur 80 Schafen ausgeübt und sich dann eine zehnjährige Pause gegönnt. 

Umso größer war dann der Schritt zu einem Neuanfang im Schäferberuf: Das war das volle Programm in 2010, erinnert sich Ehefrau Carola: Der Umzug, die Schafe und dann wurde auch noch unsere Tochter geboren. Inzwischen hat sich alles eingependelt.

Gemeinsam mit seinem Vater Anton und seiner Frau Carola hütet er heute eine Herde von 400 bis 450 Mutterschafen, überwiegend Merinos. Aber auch einige schwarzköpfige Fleischschafe sind dabei. 

Im Jahr werfen sie rund 600 Lämmer. Die können unmöglich alle die Herde verstärken. Deshalb gehört zum Schäferbetrieb auch ein eigener, EU-zertifizierter Schlachthof. Seit 2012 sind die Piepers Direktvermarkter. 

Ihren Stand auf dem Wochenmarkt in Göttingen haben sie aber aufgegeben. Sie vermarkten jetzt vom eigenen Hof aus. Seit Mai 2016 sind sie über Bioland als Biobetrieb zertifiziert. Dabei sind Schafe eigentlich per se der Inbegriff von „bio“: Sie fressen nur Gras, hinterlassen ihre Köttel direkt auf der Wiese, auf der sie gefressen haben und fühlen sich am wohlsten unter freiem Himmel. Vermarktet werden sie nur regional.

 Als gelernte Erzieher haben Jan und Carola zudem noch eine Möglichkeit gefunden, die Schäferei mit Jugendpflege zu verbinden: Im Auftrag des Jugendamtes haben sie einen Jugendlichen in ihrer Familie aufgenommen, der in seiner eigenen Familie den Halt verloren hat und abzudriften drohte.

 Das Leben auf dem Land, der Umgang mit den Tieren, die Verantwortung für die Tiere hilft manchem, nicht allen, wieder zu sich selbst zu finden.

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