In der ganzen Welt unterwegs, in Rhoden zu Hause

So findet die Künstlerin Barbara Beisinghoff den Weg vom Gedanken zur Grafik

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International anerkannt: Grafikkünstlerin Barbara Beisinghoff präsentiert in New York ihr Künstlerbuch „The Angel is my Watermark“ mit Anspielungen auf ein Werk von Henry Miller. - Kleines Foto: Wasserzeichen auf handgeschöpftem Papier sind die Spezialitäten der Künstlerin.  

Diemelstadt-Rhoden. In der vergangenen Woche war sie mit einem eigenen Stand bei der Leipziger Buchmesse. In der kommenden fliegt sie nach New York, wo ihre Werke in einer bedeutenden Ausstellung gleichzeitig mit Werken von so namhaften Künstlern wie Louise Bourgeois, Frank Stella, Ellsworth Kelly, Willian Kentridge und Robert Blackburn gezeigt wird.

Mit ihrer Kunst aus handgeschöpftem Papier, sprechenden Wasserzeichen und ungewöhnlichen Drucken liegt Barbara Beisinghoff voll im Trend.

Auf der Leipziger Buchmesse gibt es seit vielen Jahren –anders als bei der Frankfurter Buchmesse – einen eigenen Pavillon für Druckgrafik und Künstlerbücher. Hier ist auch die Rhoder Künstlerin seit Jahren schon mit einem eigenen kleinen Stand vertreten.

Sammler aus der ganzen Republik wissen, dass man sie und ihre außergewöhnlichen Werke hier finden kann. Auch Druckgrafik-Spezialisten von Museen informieren sich hier über den Markt und kaufen ein, was zu ihren Sammlungen passt.

Warum waren die Druckgrafiker diesmal nicht unter sich?

„Ich hatte die ganze Zeit über viel zu tun und konnten nur ab und zu mal meine Mails checken und mich mit Kollegen treffen“, verrät Barbara Beisinghoff.

Eigentlich sei sie ja ganz unpolitisch. Diesmal aber habe sie sich aufgerufen gefühlt, einen Standpunkt zu beziehen. Schließlich sei der Pavillon der Druckgrafiker diesmal in unmittelbarer Nachbarschaft zu den rechten Verlagen positioniert worden.

Beisinghoff: „Da gab es Demonstrationen von links und von rechts. Es wurde laut und ich merkte, wie es auch in mir zu kochen begann.“

Zuletzt habe sie so ein Gefühl gehabt, als sie während des Präsidentschaftswahlkampfes in den USA war. „Diese grobe Sprache, das kleine vokabular und dann immer dieser Finger mit dem Trump aggressive in die Menge gezeigt habe. Beisinghoff: „Da habe gemerkt, dass ich in einer Blase gelebt und diese Entwicklung lange Zeit gar nicht mitbekommen habe.“

Sie selber wolle aber nicht plakativ Stellung beziehen. Ihre politischen Überzeugungen und Empfindungen flössen nur als dezente Andeutungen in ihre Werke ein.

Was zeigt Barbara Beisinghoff in New York?

In New York wird demnächst ihr Künstlerbuch mit dem Titel „The Angel is my Watermark“ - eine Fortentwicklung ihres etwas älteren Buches mit dem gleichlautenden deutschen Titel „Der Engel ist mein Wasserzeichen“.

In beiden Werken greift sie Zitate aus Henry Millers Buch auf und illustriert diese mit Grafiken und handgeschöpften Wasserzeichen und Drucken. Die Ausstellung unter dem Titel „American Hand Papermaking, 1960s to Today“ erfolgt im „International Print Center“ in New York.

Hier werden nur solche Werke ausgestellt, die auch in den Vereinigten Staaten entstanden sind. „The Angel is my Watermark“, das Barabara Beisinghoff während eines längeren Aufenthaltes in den Vereinigten Staaten geschaffen hat, gibt es nur in 47 Exemplaren. Eines davon wurde von der renommierten Library of Congress angekauft, ein weiteres vom National Museum for Women in Arts.

Ein anderes Künstlerbuch aus ihrem Atelier ist im engen Austausch mit Christa Wolf über deren Roman Kassandra erscheinen. Barbara Beisinghoff und Christa Wolf kannten sich schon lange und die Autorin hat die Grafikerin und Papierkünstlerin persönlich autorisiert, ihr Werk zu interpretieren.

Was ist ein Künstlerbuch?

Ein Künstlerbuch ist ein eigenständiges Kunstwerk, kein Buch über einen Künstler. Im Künstlerbuch sind ganz unterschiedlich gestaltete Blätter mit alter Buchbindertechnik zu einem Werk vereint. 

Künstlerbücher erscheinen regelmäßig nur in kleinen Auflagen. Es sind durchweg Handarbeiten. Jedes Buch ist ein Original und besonders interessant für Sammler, die sich drauf verstehen.

Wo erfahrt man mehr zur Künstlerin Barbara Beisinghoff?

Barabara Beisinghoff, Grafikerin mit Wahlheimat Rhoden ist eine der wenigen Personen im Landkreis mit eigenem Wikipedia-Eintrag. Dort ist nachzulesen, dass die 1945 in Hermannsburg geborene Grafikerin für ihre Farbradierungen, Künstlerbücher, handgeschöpften Wasserzeichen und deren Installation bekannt ist.

In Hannover lernte Beisinghoff die Radierung und studierte Kunsterziehung und Freie Malerei. Als artist-in-residence arbeitete sie in Belgien, Israel, Kanada, USA und China. Beisinghoff gewann „Kunst vor Ort“ 2005 und ätzte „Grundbuchseiten“, Kupferreliefs, die in Dreieich um das Rathaus in der Pflasterung zu sehen sind. 

Im Rahmen von Forest Art China „Poetic Forest“ perforierte sie Sternenkarten als Kupferdach gegen Licht „Canopy for Li-Bai“ auf dem Lu Shan, Provinz Jiangxi, China. Die Liste ihre Ausstellungen und Kunstpreise ist sehr lang. 

Mehr unter: www.beisinghof.de und bei wikipedia.de

Mehr über die Ausstellung in New York im Internet: www.ipcny.org/paperprint

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