Offene Aussprache bei Ortsbeiratssitzung

So wollen diese Hesperinghäuser Landwirte künftig Ärger mit ihren Nachbarn vermeiden

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Ganz schön gebeutelt: Daniela und Matthias Ständecke bewirtschaften in Hesperinghausen einen Bauernhof mit 500 Stück Milchvieh. Durch Futtermittel aus Bayern sind Salmonellen auf den Hof gekommen, die jetzt durch Desinfektion beseitigt werden müssen. Das führt zu mehr Fahrzeugbewegungen, die von den Nachbarn als störend empfunden werden.   

Diemelstadt-Hesperinghausen. Diese Ortsbeiratssitzung hatte es in sich. Fast 100 Hesperinghäuser nutzten am Dienstagabend die Gelegenheit zu einer offenen Aussprache über die Störungen, die von einem seit Jahren wachsenden landwirtschaftlichen Betrieb am Dorfrand ausgeht.

Aktueller Anlass ist ein Bauantrag der Landwirtsfamilie zur Erweiterung ihres Hofes um einen weiteren Stall, ein Fahrsilo, einen Ballenlagerplatz und einen Güllebehälter. Eine Aufstockung des Tierbestands sei aber nicht geplant, versicherte Landwirt Mathias Ständecke.

Die Reaktion der Hesperinghäuser bei der Ortsbeiratssitzung zeigte schnell, dass sich bereits über einen längeren Zeitraum Ärger in der Nachbarschaft des Hofes angestaut hat. Die Anwohner klagten über zunehmenden Schwerverkehr durch Lohnunternehmer, die im Auftrag des Landwirts eine scheinbar immer größere werdende Menge an Gülle bewegen.

Worüber beklagen sich die Nachbarn?

Dabei bleiben Verunreinigungen der Straße nicht aus. Die Anwohner, die sich zu einer Bürgerinititative zusammengeschlossen haben, klagen über Mist-, Futtermittel- und Lehmspuren auf der Fahrbahn, über Lärm zu Unzeiten und über Geruchsbelästigung.

Ganz schön groß: In Hesperinghausen will der Landwirt Matthias Ständecke einen weiteren Stall und Lagerflächen (roter Kreis) an die vorhandenen Stallungen anbauen. Zur Entlastung des Dorfkerns will der Landwirt zwei neue Wege (rot markiert) bauen.

Landwirtin Daniela Ständecke versicherte, dass sie nicht nach Hesperinghausen gezogen sei, um ihren Nachbarn das Leben schwer zu machen: „Wir wollen hier in Ruhe leben.“ Sie sei bemüht, verschmutzte Fahrbahnen umgehend zu reinigen. Im Zweifel möge man sie oder die verantwortlichen Lohnunternehmer unmittelbar ansprechen.

Wie kann die Situation im Dorf entschärft werden?

Um aber langfristig eine Verbesserung für das Dorf und eine Reduzierung des Verkehrs zu erreichen, sei die Umorganisation des Betriebes notwendig. So werde der neue Güllebehälter weit ins Tal hineingebaut und werde von unten befüllt, ohne dass es zu Aufwirbelungen und Geruchsbelästigungen komme.

Zur verkehrlichen Entlastung des Holzweges und der anderen Dorfstraßen plant die Landwirtsfamilie den Bau von zwei neuen Feldwegen, die den direkten Zugang zur Kreisstraße K87 Richtung Kallental und zu den Feldern Richtung Marsberg eröffnen.

Damit wäre ein Großteil des störenden Gülleverkehrs aus der Ortslage herausgenommen.

Wie kam es zum verstärktem Verkehtsaufkommen?

Landwirt Matthias Ständecke erklärte zudem, dass die in letzter Zeit gehäuft aufgetretenen Transportfahrten mit einem außergewöhnlichen Umstandstand zusammenhingen.

In seinem Betrieb seien durch eine Futtermittellieferung aus Bayern Tiere mit Salmonellen befallen. In der Folge habe das Veterinäramt die Leerung und Desinfektion des Güllebehälters angeordnet.

Unübersehbar und von Weitem sichtbar: Der Kuhstall auf dem Bergrücken weist in Richtung Kallental. Hier in der Nähe an einem nicht ganz so steilen Teilstück  soll ein neuer Weg entstehen, über den ein Großteil des Verkehrs rollen kann.

Deshalb sei die Gülle zum Zweitbetrieb der Familie nach Helmighausen transportiert und dort unter Zugabe von Kalkmilch desinfiziert worden. Zur Spülung seien täglich rund 70 Kubikmeter Wasser benötigt worden, die ebenfalls von Lohnunternehmern nach Helmighausen gefahren wurden.

Das sei aber eine einmalige Aktion gewesen, die rund 100 000 Euro gekostet habe und sich hoffentlich nicht wiederholen werde. Überhaupt würden durch den geplanten Umbau auf dem Betriebsgelände viele Arbeiten besser organisiert und künftig weniger stören, so der Landwirt. Seine Nachbarn hörten die Botschaft gerne.

Wie hat sich die Landwirtschaft in Hesperinghausen entwickelt?

Der heutige Hof Ständecke am Holzweg in Hesperinghausen hat in den vergangenen Jahrzehnten viele Veränderungen erlebt. Als dort noch Bauer Brücher wirtschaftete, gab es hier 40 Kühe. Sein Nachfolger, Bauer Frische, hatte 150 bis 180 Kühe, die nachfolgenden Holländer hielten gut 200 Kühe. 

Ständeckes kauften den Hof und stockten auf gut 500 Kühe auf. Im gleichen Zeitraum ging die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe im Ort zurück. Über die Entwickung der absoluten Viehzahlen im Dorf gibt es keine Angaben. Der jetzt geplante Stallneubau soll mehr Platz für trockene und trächtige Kühe schaffen.

 Das bedeutet mehr Kuhkomfort. Eine Aufstockung des Viehbestands ist nicht geplant. Die Ständeckes bewirtschaften mit sieben fest angestellten Mitarbeitern 80 Hektar Ackerland und 190 Hektar Grünland. 

Was ist ein privilegiertes Bauvorhaben?

Der Bau und die Erweiterung von landwirtschaftlichen Betrieben gelten planungsrechtlich als „privilegierte Vorhaben“. Das heißt, sie können auch außerhalb von geltenden Bebauungsplänen genehmigt werden. Die jetzt erfolgte Anhörung von Magistrat, Ortsbeirat und Anliegern ist reine Formsache und für das Genehmigungsverfahren beim Kreisbauamt nicht ausschlaggebend.

Das Bauvorhaben ist so oder so genehmigungsfähig. Weil er mit seinen Nachbarn auch künftig noch in Frieden leben möchte, hat sich der Landwirt jedoch bereit erklärt, freiwillig und auf eigene Kosten zusätzliche Feldwege zur Erschließung seiner Gebäude und zur Entlastung des Dorfkerns von Hesperinghausen zu bauen. 

Außerdem hat er bei der Sitzung am Dienstagabend zugesagt, die Kopfzahl seiner Milchkühe nicht zu erhöhen. Mittelfristig könne er sich aber den Bau einer Biogasanlage vorstellen. Durch die Behandlung in der Biogasanlage verliert die Gülle ihren stark geruchsbelästigenden Ammoniakanteil.

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