Soghra Khurasani vergleicht die Situation in ihrer Heimat mit der in anderen Ländern

Künstlerin aus Indien zu Gast in Rhoden: Kunst gegen Gewalt und Unfreiheit

Flecken, Schnitte, Narben: in ihrer Kunst zeigt Soghra Khurasani, was wir unter unserer Haut sind. Die junge Künstlerin aus Westindien war vier Wochen lang als „Artist in Residence“ im Rhoder Atelierhaus Beisinghoff zu Gast.

Diemelstadt-Rhoden. Um die Druckkunst dreht sich das künstlerische Leben im Rhoder Atelierhaus von Barbara und Rudolf Beisinghoff. Davon profitiert auch Soghra Khurasani, die ihren vierwöchigen Aufenthalt genutzt hat, um neue Eindrücke zu sammeln und diese gedanklich und handwerklich umzusetzen.

Für die 14. Gastkünstlerin im Hause Beisinghoff war die Anreise eine besonders weite. Soghra Khurasani lebt und arbeitet im westindischen Vadodara (früher Baroda), einer Universitätsstadt und Künstlerhochburg. Noch bis zum Donnerstag ist sie als „Artist in Residence“ in Rhoden zu Gast.

Während ihres ersten Europaaufenthaltes überhaupt hat die 34-Jährige nicht nur Land und Leute kennengelernt, sondern mit dem Kupferstich auch ein neues Medium für sich entdeckt.

Unter dem Motto „In your country, in my country“ (In eurem Land, in meinem Land) war es ihr außerdem ein Anliegen, mit den Besuchern im Atelierhaus ins Gespräch zu kommen und ihre Arbeiten vorzustellen.

Egal, ob Holzschnitt, Kupferstich oder Performance, immer finden die gesellschaftlichen Widersprüche in ihrer Heimat Indien Eingang in Soghras Arbeit. Die sprichwörtlichen heiligen Kühe auf der einen Seite und der enorme Rindslederexport auf der anderen Seite sind für die Künstlerin dabei nur ein Beispiel von vielen.

Sie liebt ihr Land, sieht und thematisiert aber auch nach wie dessen vielschichtige Probleme, zu denen religiöse Intoleranz ebenso zählt wie mangelnde Redefreiheit, Unfreiheit und Gewalt gegen Frauen und Lynchjustiz.

Wie Soghra Khurasani diese Themen in teils abstrakten Darstellungen verarbeitet, ist eindrucksvoll. Jede ihrer Arbeiten besteht aus mehreren Ebenen, ist sowohl handwerklich aufwendig gestaltet als auch genau durchdacht.

So ist in Rhoden etwa ein Druck entstanden, in dem ein rotes Herz das Bild bestimmt. Das sei auch ein Symbol dafür, wie sehr sie ihre kleine Tochter vermisse, die zurzeit von Soghras Ehemann und dessen Familie betreut wird, erzählt sie.

Das Wiedersehen muss indes noch ein paar Tage auf sich warten. Von Rhoden aus geht direkt weiter nach New York, wo die gut vernetzte Künstlerin ihre Einzelausstellung „Skin“ (Haut) präsentieren wird. Mit im Gepäck: eine Graphik des Lustgartens mitsamt barocker Mauer und weitere Arbeiten, die in Rhoden entstanden sind.

(Von Sandra Simshäuser)

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