Ein Gefühl des Abgehängtseins

Was hat der schlechte Zustand der Landesstraße bei Neudorf mit der Stimmung im Land zu tun?

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Trecker oder Bus: Wer gibt nach und macht Platz auf der viel zu engen Landesstraße zwischen Neudorf und Helmighausen, zwischen helmighausen und Westheim.

Diemelstadt. Im Roten Land fühlt man sich abgehängt. Dabei geht es nicht nur um das schnelle Internet, die Datenautobahn. Die Bewohner von Neudorf, Helmighausen und Hesperinghausen wären schon froh, wenn die hiesigen Landesstraßen der Norm entsprächen und einfachen Begegnungsverkehr zulassen würden.

 Besonders schlimm ist es auf der Landesstraße L 3198 zwischen Neudorf und Helmighausen, sowie auf der Landessstraße zwischen Helmighausen und der Landesgrenze Richtung Westheim. Im Vergleich dazu ist die hügelige und kurvenreiche Strecke zwischen Helmighausen und Hesperinghausen eine Autobahn. 

Besonders ärgerlich: Auf der aktuellen Prioritätenliste für den Straßenbau in Hessen ist das Teilstück zwischen Helmighausen und Neudorf ganz weit hinten zu finden. 

Wie kam es zum Ortstermin?

Nach unzähligen vergeblichen Vorstößen der Diemelstadt beim Landesstraßenbaubetrieb Hessen-Mobil, eine Verbesserung auf der noch hügeligeren, noch engeren und noch kurvenreicheren Straße zwischen Neudorf und Helmighausen auf den Weg zu bringen, hat die CDU-Fraktion am Wochenende zu einem Ortstermin an die Gemarkungsgrenze geladen. 

Bürgermeister Elmar Schröder nutzte die Gelegenheit, die gesamte Stadtverordnetenversammlung und die betroffenen Ortsbeiräte zu einer Busfahrt „über die Dörfer“ einzuladen um sich so einen Überblick über die Lage zu verschaffen.

Wie kann die Situation bei Neudorf verbessert werden?

 So kam es, dass der vom Magistrat gecharterte Linienbus am Treffpunkt der CDU-Fraktion Station machte und den CDU-Landtagsabgeordneten Armin Schwarz mitbrachte. Stadtverbandsvorsitzender Siegfried Patzer freute sich über diese breite Unterstützung seiner Idee und Fraktionsvorsitzender Rainer Runte bekräftigte: „Wir sind uns bewusst, dass wir mit unserer Aktion nicht sofort die Bagger in Bewegung setzen können.“ 

Es gehe vielmehr darum, auch in Wiesbaden Aufmerksamkeit für ein drängendes Problem im waldeckisch-westfälischen Grenzgebiet zu schaffen. Runte zitierte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und dessen Gedanken zum Auseinanderdriften der urbanen und ländlichen Regionen. 

Die Abwanderung von jungen Leuten, das Gefühl der Älteren, dass ihre Heimat ausdünne, Geschäfte, Postfilialen und Schulen schließen, trage zur Unzufriedenheit breiter Bevölkerungsschichten bei und leiste dem Erstarken populistischer Parteien Vorschub. Zitat: „Wir sollten aufpassen, dass die Daseinsvorsorge nicht auf der Strecke bleibt.“

Auch Bundeskanzlerin Merkel habe in einem ähnlichen Zusammenhang auf das Verfassungsgebot der gleichwertigen Lebensverhältnisse hingewiesen. Vor diesem Hintergrund könne es nicht länger hingenommen werden, dass die Straßen im waldeckisch-westfälischen Grenzgebiet so schlecht seien, bekräftigte CDU-Fraktionsvorsitzendner Rainer Runte. 

Warum wird die Straße nicht endlich neu gebaut?

Das bestätigte im Prinzip auch der CDU-Landtagsabgeordnete Armin Schwarz. Die Landesregierung habe das Problem erkannt und die Rekordmittel für den Straßenbau in 2017 für das laufende Jahr und für 2019 noch einmal auf 180 und 190 Millionen Euro aufgestockt. Schwarz räumte aber ein, dass das Geld nicht ausreiche, um hessenweit alle Straßen gleichzeitig zu reparieren. 

Deshalb hätten die Fachleute von Hessen-Mobil eine Prioritätenliste aufgestellt, die neben dem Straßenzustand auch die Verkehrsfrequenz berücksichtige. Und da schneide eben die Verbindungsstraße zwischen Neudorf und Helmighausen vergleichsweise schlecht ab. Zu wenige Autos. Schwarz verwies aber auf das Teilstück zwischen Kohlgrund und Neudorf. Dort sei eine Erneuerung der Straßendecke in den kommenden Monaten geplant. 

Beide Teilstücke könnten aber nicht miteinander verglichen werden, weil das Gelände zwischen Neudorf und Helmighausen ungleich bergiger und kurvenreicher sei. Wer hier eine moderne Straße bauen wolle, der müsse Grundstücke kaufen, um die Kurven zu begradigen und viel Erdreich bewegen um die Strecke zu nivellieren. Das werde sehr teuer, so Schwarz. 

Was macht die Landesstraße so gefährlich?

Bürgermeister Elmar Schröder drängte zur angekündigten Busfahrt über die Dörfer, denn zur Bekräftigung der Dringlichkeit hatte er einen Schneepflug und einen Schlepper bestellt. Dabei wurde schnell deutlich, dass ein Begegnungsverkehr schlicht nicht möglich ist. 

Eng wird es schon, wenn sich zwei Pkw hier begegnen. Größere Fahrzeuge haben schlicht keine Chance. Die Fahrer müssen zurücksetzen und Feldzufahrten als Ausweichbuchten nutzen. Der Busfahrer der Firma Sieke schilderte wie er und seine Kollegen sich im Schulbusverkehr per Funk verständigen, damit man sich nicht auf der engen Serpentinenstrecke begegnen muss.

 Doch nicht alle Verkehrsteilnehmer verfügen über Funk. So sei er im vergangenen Jahr mit einem entgegenkommenden Lkw aneinander geraten, so der Busfahrer. Ausweichen sei nicht möglich gewesen, die Bankette abgefahren, der Straßengraben weit offen. Für alle Busfahrer sei die Strecke sehr herausfordernd und gefährlich. 

Was sind die nächsten Schritte auf dem Weg zum Neubau der Straße?

Am Ende der Bustour über die Dörfer des Roten Landes appellierte Bürgermeister Elmar Schröder an die betroffenen Ortsbeiräte ihre Stellungnahmen zu dem Thema zu formulieren. Der Magistrat wolle diese Schriftstücke dann zusammen mit einer eigenen Forderung über den Landtagsabgeordneten Schwarz an das zuständige Wirtschaftsministerium in Wiesbaden weiterleiten, denn schon drohe die Sperrung der Straße zwischen Helmighausen und Westheim für Motorradfahrer, weil sich hier das Straßenprofil gefährlich wölbe. 

Landtagsabgeordneter Armin Schwarz versprach am Ende der Busfahrt: „Wir bleiben dran an dem Thema.“

Diese Bildergalerie vermittelt einen Eindruck von der Verkehrssituation auf der Landesstraße L3198 zwischen Neudorf, Helmighausen und Westheim: Bildergalerie

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