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Versuchsfeld bei Wrexen: Stangenbohnen und Mais ergänzen sich

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Von: Elmar Schulten

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Gruppenfoto an einem landschaftlichen Gerät zur Ackerbewirtschaftung.
Unkrautbekämpfung ohne chemische Keule mit Striegel- und Hackwerk: Landwirt Hermann Künemund hat auf seinem Hof in Wrexen ein Versuchsfeld mit Mais und Stangenbohnen angelegt. Bei einer Info-Veranstaltung für Landwirte wurden die Details erläutert. Auf dem Foto sind Vertreter der Firma Agro-Mais, Pflanzenanbauberater Rainer Even (links) vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen LLH und die Familie Künemund mit Hofnachfolger Jan, Elisa, Hermann und Simone Künemund. © Elmar Schulten

Maisfelder haben einen schlechten Ruf. Sie gelten als Monokulturen, die viel Dünger brauchen, Insekten nicht viel zu bieten haben und zudem mit viel Chemie behandelt werden.

Diemelstadt-Wrexen – Dass der Anbei von Futtermais auch ganz anders funktionieren kann, führt derzeit der Wrexer Landwirt Hermann Künemund auf einem 1,5 Hektar großen Versuchsfeld vor. In Zusammenarbeit mit dem Saatguthersteller Agro-Mais hat Künemund eine Kombinationsmischung von Mais und Stangenbohnen ausgebracht.

Die Idee dahinter ist, dass die langen, geraden Maispflanzen den Stangenbohnen als Rankhilfe dienen. Im Gegenzug liefert die Stangenbohne dem Mais mit ihren besonderen Leguminose-Wurzeln wertvollen Stickstoffdünger. Außerdem beschatten die Bohnenblätter in der frühen Wachstumsphase des Mais den Boden, sodass andere Pflanzen es schwer haben, sich nach oben ans Licht zu kämpfen.

Eine weitere Form der Unkrautbekämpfung ist kurz nach der Aussaat das Striegeln des Bodens und etwas später das Hacken. So werden Unkräuter im Frühjahr und Frühsommer wirksam bekämpft, ohne dass der Bauer die chemische Keule rausholen muss.

Wie das alles genau funktioniert, erläuterten Pflanzenbauberater Rainer Even vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) und der aus Wrexen stammende Agro-Mais-Kundenberater Nicolas Valentin auf dem Hof Künemund den rund 30 interessierten Landwirten, die aus einem Umkreis von rund 50 Kilometern angereist waren.

Valentin hat auf dem Hof Künemund eine dreijährige Landwirtschaftsausbildung absolviert und berät nun Landwirte beim Einsatz von Saatgut. Die neue Mais-Stangenbohnenmischung sei speziell optimiert, sodass die Bohnen in etwa die gleiche Größe wie Maiskörner haben. Auf diese Weise können Mais und Bohnen im gleichen Arbeitsgang gelegt werden, und zwar im Verhältnis zwei zu eins.

Unkrautbekämpfung ohne chemische Keule mit Striegel- und Hackwerk. Das zeigen Markus Schulin (links) vom Hackwerk-Hersteller Schmotzer, Pflanzenanbauberater Rainer Even (vorne, rechts) vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen LLH und die Hermann Künemund (stehend).
Unkrautbekämpfung ohne chemische Keule mit Striegel- und Hackwerk. Das zeigen Markus Schulin (links) vom Hackwerk-Hersteller Schmotzer, Pflanzenanbauberater Rainer Even (vorne, rechts) vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen LLH und die Hermann Künemund (stehend). © Elmar Schulten

Die reihengenaue Hackpflege ermöglicht ein GPS-gesteuertes und mit Kameras ausgestattetes Präzisions-Hackwerk, das sich an jeden modernen Schlepper anbringen lässt. Die technischen Details erläuterte Markus Schulin von der Herstellerfirma Schmotzer.

Im Herbst will Künemund einen weiteren Informationsbesuch auf seinem Hof ermöglichen, um seinen Berufskollegen zu zeigen, wie die Ernte und Silage des Mais-Bohnen-Gemisches funktioniert.

Die Vorteile der Mais-Bohnen-Mischung als optimales Kraftfutter für seine Milchkühe liegen für den Landwirt auf der Hand: „Zusätzlich zu den Kohlehydraten des Mais enthält die Futtermischung das wertvolle Eiweiß aus den Bohnen. Das erspart den Einsatz von Soja und damit auch den CO2-Ausstoß beim Soja-Import aus fernen Ländern.“

Künemund weiter: „Die Mais-Stangenbohnen-Symbiose verbindet die Vorteile des Bio-Betriebes mit optimalem Ertrag. Wir sparen den Einsatz von zusätzlichem Dünger, Pflanzenschutzmitteln und Soja-Importen.“

Bei der Ernte im Herbst ist der LLH-Pflanzenbauberater gespannt, wie der eingesetzte Häcksler mit dem Gemisch aus Bohnen und Mais zurechtkommt. Im Zweifel müssten die Häcksler-Messer umgerüstet werden. Aber das werde der Praxisversuch zeigen, so Even.

Hofportrait

Auf ihrem Hof am Rande von Wrexen hält die Familie Künemund 80 Milchkühe, außerdem 30 Stück Jungvieh. Die Weiden rund um den Hof ermöglichen den Tieren viel Auslauf und Frischfutter. Das zusätzliche Futter für die Tiere bauen die Künemunds auf rund zehn Hektar größtenteils selbst an. Für den aktuellen Versuch mit Mais und Stangenbohnen haben Simone und Hermann Künemund 1,5 Hektar ausgewählt. Ihr Sohn Jan absolviert eine landwirtschaftliche Ausbildung und will den Hof übernehmen. (Elmar Schulten)

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