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Wärme aus 99 Metern Tiefe hilft beim Heizen in Rhoder Wohnhaus

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Von: Armin Haß

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Eine Bodenprobe von der Erdbohrung an seinem Haus hält er Rhoder Richard Bracht in seiner Hand. Mit Erdwärme wird das Gebäude künftig beheizt.
Eine Bodenprobe von der Erdbohrung an seinem Haus hält er Rhoder Richard Bracht in seiner Hand. Mit Erdwärme wird das Gebäude künftig beheizt. © Armin Haß

Erdwärme setzt der Rhoder Walter Bracht demnächst zum Heizen seines Wohnhauses ein. Sonnenenergie nutzt er für die Stromerzeugung.

Diemelstadt-Rhoden – Fast hat es Walter Bracht in Rhoden geschafft, von dem fossilen Energieträger Erdöl loszukommen. Erfolgreich hat der Brunnenbaubetrieb Bunse in seinem Garten am Laubacher Weg eine Bohrung mitsamt den benötigten Kabeln niedergebracht, aus denen mittels Erdwärme künftig das Haus aus den 80-er Jahren beheizt wird.

Bohrung im Garten

Drei Tage hat das Unternehmen mit einem Bohrfahrzeug gearbeitet. Dass der Nachbar ebenfalls mit Bauarbeiten beschäftigt war und deswegen das große Fahrzeug problemlos auf das Brachtsche Grundstück fahren könnte, hat die Arbeiten sehr erleichtert.

Als bei 55 Metern endlich trübes Wasser hochkam, war Walter Bracht schon gespannt und gleichzeitig zuversichtlich, dass er bald mit Erdwärme sein Haus beheizen kann. Nach 99 Metern machte die Brunnenbohrfirma Schluss. Inzwischen sind die nötigen Kabel verlegt, um warmes Wasser für das Wohngebäude zu liefern.

Genehmigung erforderlich

Bis die Bohrungen begannen, musste sich Bracht ein paar Monate in Geduld fassen: Die erste Anfrage stellte er beim Landkreis im Februar, Anfang Juli gab es die Genehmigung. Zuvor mussten der Landkreis und die Stadt Diemelstadt den Antrag prüfen. Einen zertifizierten Energieberater hatte er ebenfalls eingeschaltet, zwingend vorgeschrieben sei dies jedoch nicht, erklärt Bracht.

Die bei der Bohrung ans Tageslicht geförderten Erdproben müssen an das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) geschickt werden, wo die Datensätze für die Geologen vervollständigt werden können. Schließlich geschieht es ja nicht alle Tage, dass jemand den Untergrund so tief anbohren lässt und dabei die Gesteinsschichten konkret untersucht werden können. Eine Überraschung bieten die gefundenen Buntsandstein-Proben aber nicht.

Schlamm nach oben gepumpt

Bei den Bohrungen wurde mittels Druckluft das Mahlgut mit dem Wasser nach oben befördert. Eine Lademulde des Entsorgungsbetriebs Peine diente zur Aufnahme des geförderten Schlamms. Bei den Bohrungen stellte sich heraus, dass auch Erzgänge die Schichten durchziehen.

Zweieinhalb Kubikmeter Bohrschlamm wurden gefördert. Das unbelastete Wasser konnte Bracht zum Wässern von Sträuchern verwenden, auch der Schlamm lässt sich gärtnerisch verwenden.

Mt Wärmepumpe aufheizen

Krönender Abschluss der Arbeiten war das Einbringen einer Sonde am Ende von zwei knapp einhundert Meter langen Schläuchen. In dem geschlossenen System im Boden fließt eine für die Umwelt ungefährliche Flüssigkeit. Sie nimmt Wärme aus dem Boden auf und überträgt sie an eine Wärmepumpe, die die Temperatur dann so anhebt, dass man heizen kann. Mithilfe eines Kältemittels und eines Kompressors, umgekehrt wie beim Kühlschrank, wird die Temperatur von zehn auf 60 bis 70 Grad gesteigert.

An diesem Punkt ist nun der Heizungsbauer, mithin wieder etwas Geduld, gefragt. Denn in der Branche herrscht Hochkonjunktur, Mitarbeiter sind auf vielen Baustellen unterwegs und Material ist rar geworden.

Effektiver Einsatz von Strom

Durch den Einsatz von einer Kilowattstunde Strom können viereinhalb kWh Heizenergie erzeugt werden, wie Bracht vorrechnet. Mit zweimal 2,5 kW ist die Anlage aber noch nicht ganzjährig ausreichend, so muss im Winter noch Fremdstrom zugekauft werden. Bracht erwägt, weitere Module und einen Akkumulator zur Speicherung anzuschaffen

Erdwärme wird mithilfe einer 99 Meter tiefen Bohrung im Garten von Walter Bracht zum Heizen genutzt. Hier werden die Schläuche eingebracht.
Erdwärme wird mithilfe einer 99 Meter tiefen Bohrung im Garten von Walter Bracht zum Heizen genutzt. Hier werden die Schläuche eingebracht. © Armin Haß

Die Investition für das Erdwärmesystem beträgt rund 60 000 Euro. Bracht hat Zuschussanträge an das BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) und die KfW gestellt. Er hofft auf Zuschüsse von Höhe von 40 oder 45 Prozent. Dann kann er die 20 Jahre alte Ölheizung ausbauen lassen, der Tank soll gesäubert und als Zisterne genutzt werden. Dann kann auch der Schornstein abgemeldet werden.

Idealismus gehört dazu

Die Investition amortisiert sich erst in einigen Jahren. Bracht schätzt, dass er pro Jahr durch den Einsatz der erdwärme 4000 bis 5000 Euro einsparen könne. Sein Haus hat er bereits beim Bau in den 80er Jahren mit einer Fußbodenheizung ausstatten lassen, was die Effizienz verbessert.

„Ich habe damals vorausschauend gebaut und viel Geld in das Gebäude hineingesteckt“, stellt der 74-jährige Ingenieur fest. Idealismus und technisches Verständnis treiben den Rhoder an. Bracht ist bereits an Windstrom-Projekten beteiligt, kennt sich also in dem Metier gut aus. Kein Wunder, dass er bereits mehrfach Besuch von Bürgern hatte, als die Bohrungen noch liefen.  Armin Haß )

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