Bilder als Beweismittel?

Wildkamera neben Windkraftanlage Massenhausen angeordnet

Beweisfotos zur Klärung einer Anzeige? Friedrich-Wilhelm Brühne (links) und Martin Frowein von der Windpark Rotes Land GmbH zeigen auf einem Monitor Bilder einer Wildkamera. Foto: Armin Haß

Diemelstadt/Arolsen. Gestochen scharfe Bilder liefert die Wildkamera über einem leeren Greifvogelhorst in der Nähe einer Windkraftanlage. Sie könnte hilfreich bei Ermittlungen sein. Sie könnte auch ein längeres Abschalten des umweltfreundlichen Stromerzeugers bewirken.

Die möglichen Beweisfotos können sich Friedrich-Wilhelm Brühne und Martin Frowein von der Windkraft Rotes Land GmbH auf einem Rechner im Büro ihrer Gesellschaft aufrufen. Die Original-JPEG-Dateien lagern auf einer Bildkarte bei der Staatsanwaltschaft Kassel, die in die Ermittlungen wegen mutmaßlicher Störungen einer bedrohten Tierart eingeschaltet wurde.

Bilder-Chip beschlagnahmt

Ein Baumkletterer hatte die Wildkamera unter Aufsicht von Polizeibeamten von dem Wipfel der Buche an der Windmühle abgebaut und mitsamt dem Chip an die Ordnungshüter übergeben.

Die Polizei hatte eine Anzeige von örtlichen NABU-Mitgliedern aufgenommen. Die wollten gesehen haben, wie jemand von der Betreibergesellschaft des Energieerzeugers auf den Baum eingedroschen haben soll, um einen Rotmilan zu vertreiben.

Anzeige erstattet

Derzeit läuft ein Verfahren wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Bundesnaturschutzgesetz. Die Anzeige war bei der Polizei erstattet worden, die ist momentan mit den Ermittlungen befasst, wie dazu der Sprecher der Staatsanwaltschaft Kassel, Dr. Götz Wied, auf Anfrage der WLZ mitteilt.

Die unter Naturschutz stehenden Gabelweihen mit den namensgebenden rötlichen Schwanzfedern horsten in der Region mehrfach, just auch genau dort, wo neue Windkraftanlagen geplant sind und Naturschutzbehörden schon von Investoren favorisierte Standorte abgelehnt haben.

Rote Liste

Fledermäuse, Uhus, Rotmilane und Schwarzstörche stehen auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten und werden nun zur Bedrohung für geplante Windkraft-Investitionen.

Die Windkraft Rotes Land GmbH muss die seit dem Frühjahr laufende Anlage bei Massenhausen zwischen dem 1. März und dem 30. April abschalten und musste im vorigen Jahr nach Vorschrift des für die Genehmigung der Windmühlen zuständigen Regierungspräsidiums eine hochwertige Wildkamera an der Buche installieren lassen, die sowohl dem RP in Kassel, als auch den Betreibern online rund um die Uhr Bilder liefern. 

Kamera von Amts wegen

Sollte ein brütender Rotmilan fotografiert werden, würden die Regeln für den Betrieb der Windmühle noch strikter.

Infrarotsensoren reagieren auf Bewegung und lösen die Wildkamera im Baum neben der Windkraftanlage aus. Marder, Eichelhäher, Bussarde und Rotmilane sind dort laut Brühne fotografiert worden, als Nistplatz habe sich bisher keine Vogelart den verlassenen Horst ausgewählt, so Friedrich-Wilhelm Brühne von der Betreibergesellschaft. 

Gütetermin ohne Ergebnis

Um die Funktionsfähigkeit der Kamera zu kontrollieren, wird sie täglich zweimal automatisch ausgelöst. Die Betreiber klagen gegen die Zwangsinstallation der Kamera, ein Gütetermin beim RP verlief ohne Ergebnis. An jenem Tag, als Naturschützer mutmaßlichen Naturfrevel zur Anzeige brachten, hat die Kamera nach Auskunft von Brühne im Minuten-Takt vom Wipfel über den Horst bis zum Boden fotografiert.

 Ermittlungen laufen

Was an dem Tag an dem Baum geschah, dürfte demnach ziemlich umfangreich abgebildet sein. Der Naturschutzbund Hessen hatte im Mai die Anzeige bundesweit publik gemacht, unsere Zeitung berichtete. 

Derzeit laufen noch die Ermittlungen, auf ein Ergebnis wartet neben der Betreibergesellschaft auch der Naturschutzbund.  

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