Fünf Alpakas weiden auf der Wiese hinterm Haus

Wolle fühlen und wohlfühlen: Willkommen in der Neudorfer Wollfühlstube

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Ganz schön neugierig, diese wolligen Tiere: Daniela Munzert hat sie bei einem Österreich-Urlaub kennengelernt.

In der Wollfühlstube von Daniela Munzert dreht sich alles um die Wolle ihrer fünf Alpakas. Bei einem Österreich-Urlaub vor fünf Jahren hat sich die Familie in die wolligen und drolligen Paarhufer verliebt und gleich beschlossen, eigene Tiere auf ihrem Hof in Neudorf anzusiedeln.

Diemelstadt-Neudorf. Das Anwesen am Dorfplatz gleich neben der Dorfkirche renovieren Jens und Daniela Munzert überwiegend in Eigenleistung. Deswegen dauert alles etwas länger und die Familie konnte noch nicht einziehen, aber die Alpakas genießen schon die große Freiheit auf der Wiese hinter der Scheune.

Daniela Munzert schätzt vor allem die weiche Wolle der Tiere, die ursprünglich in Südamerika zu Hause sind. In den Anden sind sie nachts tiefen Temperaturen ausgesetzt. Tagsüber kann es sehr heiß werden. Deshalb fühlen sie sich im Waldecker Land ganzjährig wohl im Freien. Ein Unterstand bietet Schutz an allzu wilden Wintertagen.

Alpakas werden schonend geschoren 

Im Frühsommer beginnt Daniela Munzert mit der Schur. Sie hat gesehen, wie viel Kraft professionelle Alpakascherer aufwenden müssen, wenn sie die scheuen Alpakas von ihrer Wolle befreien. Deshalb hat sie entschieden, ihre inzwischen zutraulichen Tiere selber zu scheren. Das dauert zwar länger, ist aber schonender für die Tiere.

Viel Zeit investiert Daniela Munzert auch in die Aufbereitung der staubigen Wolle, die sie dann in ihrer Spinnstube zu Garn verarbeitet. Aus der Wolle strickt sie Schals, Pullover, Socken und vieles mehr.

Gemeinsames Handarbeiten

Inzwischen hat sie einen Kreis von 40 gleichgesinnten Frauen aus einem Umkreis von 70 Kilometern in ihrem Spinnstubenkreis verbunden. Bis zum Beginn der Corona-Beschränkungen traf man sich regelmäßig zum Spinnen und Stricken. In den vergangenen drei Monaten konnte der Kontakt in einer sehr aktiven WhatsApp-Gruppe aufrecht erhalten werden. Mit Fotos und handwerklichen Tipps halfen sich die Frauen gegenseitig weiter.

Spinnräder in vielen Größen: Daniela Munzert verarbeitet in ihrer Neudorfer Wollfühlstube zusammen mit Gleichgesinnten die Wolle ihrer fünf Alpakas.  

Das war unterhaltsam und kreativ. Dennoch kann es Daniela Munzert nicht abwarten, möglichst bald wieder bei echten Spinnstubentreffen beieinander zu sitzen. Schließlich hat sie ihre Wollfühlstube heimelig hergerichtet: Auf einem dunklen Stubenschrank, der gut und gerne 150 Jahre alt sein könnte, sind Beispiele der wochenlangen Handarbeiten drapiert: Mützen, Schals, aber auch selbst gemachte Seife, gesiedet aus dem Keratin der Alpaka-Wolle. Und davor stehen drei Spinnräder in unterschiedlichen Größen, alle voll funktionsfähig und häufig im Einsatz. Zur Aufbereitung der Wolle hat Daniela Munzert Drahtkämme, so genannte Handkarden griffbereit.

Zottelige Wolle besonders flauschig

Auch einen professionellen Kammzug, eine Kardiermaschine. hat sie sich für das Aufbereiten der Wolle angeschafft. Allerdings ist diese Arbeit so mühsam, dass sie ihre Alpaka-Wolle und die von befreundeten Alpaka-Züchtern zugekaufte Wolle nun von einer Wollmühle zu Kardeband aufbereiten. Kardenband ist die flauschige Vorstufe für das Spinnen der Wollfäden.

Bunte Vielfalt: Die Wolle der Alpakas ist von Natur aus sehr unterschiedlich gefärbt.

Im kleinen Zimmer nebenan ist verschiedenfarbige Wolle auf dem Kaffeetisch drapiert. Die fluffigen Wolken spiegeln die unterschiedlichen Farben der Tiere wider. Daniela Munzert kennt sie alle: Die besonders zottelige und besonders weiche Wolle stammt von den beiden Suri-Alpakas.

Fantasievolle Seifennamen

Die verschiedenen Wollfarben finden sich erstaunlicherweise auch in den Farben der Seifen, die Daniela Munzert mit Duftaromen versehen lässt. Die fantasievollen Seifennamen haben alle etwas mit dem Material zu tun: Da gibt es „Frau Holle“, „Meine Masche“, „Dornröschen“, die sich an der Spindel stach, „Rumpelstilzchen“, das beim Stroh zu Gold Spinnen half und auch die „Woll-Lust“.

Wer sich für den Spinnstubenkreis in der „Neudorfer Wollfühlstube“ interessiert, findet mehr Informationen unter diesem Stichwort bei Facebook. Mailkontakt: daniela.munzert@gmx.de

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