Mastanlage für 29990 Tiere 

So wird über über Pläne für Hähnchenstall bei Wethen diskutiert 

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Eine Bürgerinitiative formiert sich in Wethen gegen den geplanten Bau einer Hähnchenmastanlage. Unser Bild entstand im Landhaus Mushof. 

In Wethen formiert sich eine Bürgerinitiative gegen den Bau eines Hähnchenmaststalls zwischen Wethen und Rhoden mit 29.990 Plätzen. Gut 80 Bürger folgten der Einladung von Monne Lentz in das Landhaus Mushof.

Diemelstadt-Wethen – Informationen über das Vorhaben gab es am Montagabend nur aus dritter Hand. Weder der Investor Björn Hoppe aus Rimbeck noch der Landeigentümer , sein Onkel Wilhelm Krantz aus Wethen, waren bei der Veranstaltung.

Ortsbeirat lädt ein

Informieren will Hoppe bei einer Ortsversammlung, zu der der Ortsbeirat Wethen für den 16. Oktober in die Lindenhalle einlädt. Der Landwirt aus dem Warburger Stadtteil will dann mit Beratern informieren. Auch vom Kreisbauamt wird ein Vertreter erwartet, wie Ortsvorsteher Volker Thöne berichtete.

In der Versammlung im Landhaus Mushof kam viel Gegenwind gegen das Stallprojekt auf. Grundsätzliche Kritik an Massentierhaltung, Einsatz von importiertem Futter, Gefährdung des Tierwohls, Verwendung von Antibiotika, negativer Einfluss auf das Klima und Emissionen in Form von Hühnerkot, Abluft und Geruch trugen Vertreter des Vereins Aktionsgemeinschaft Agrarwende Nordhessen (AGA) vor, die sich bereits in die Diskussionen über die Hähnchenmast in Waldeck und den Legehennenstall in Twistetal eingeschaltet hatten. Beide Projekte wurden von den Investoren abgeblasen.

Grundsätzliche Kritik

Außerdem wurde grundsätzlich argumentiert gegen industrielle Landwirtschaft und industrielle Fertigung von Lebensmitteln, die eher renditeorientiert sei als an den Interessen der Verbraucher oder Produzenten..

Aus den Reihen der Landwirte kamen Pro- und Kontra-Argumente. „Egal, was geplant wird, ob eine Windkraftanlage oder ein Maststall, geich wird eine BI dagegen gegründet“, ärgerte sich Landwirt Rainer Marpe. Er kritisierte mangelnde Sachlichkeit und ein Schüren von Emotionen. 

Einflussmöglichkeit  eher gering

„Was hat Wethen von einem Hähnchenmaststall außer den Emissionen?“, fragte Klaus Tschentscher, Mitinitiator des neuen Grünen-Stadtverbandes. Er räumte ein, dass die Möglichkeiten der Einflussnahme auf das Projekt begrenzt seien. Wichtig sei daher eine Initiative für eine solidarische Landwirtschaft, die den Bauern Einkommen sichere. 

Der SPD-Stadtverordnete Rolf Römer wandte sich gegen Massentierhaltung und fordert Initiativen aus der Politik für Alternativen, die das Überleben der Landwirte sichere. 

Das sagt der Landwirt

FWG-StadtverordneterJürgen Pawelzig betonte, die Entscheidung über das Vorhaben liege beim Kreisbauamt liege. Die bevorstehende Informationsveranstaltung biete Gelegenheit, Fragen zu dem Vorhaben zu stellen.

Der Landwirt Björn Hoppe aus Rimbeck will auf der landwirtschaftlichen Fläche seines Onkels Wilhelm Krantz einen Hähnchenmaststall mit 29 990 Plätzen bauen. „Wir planen mit einer Fläche von 1800 Quadratmetern schon größer als die vorgeschriebenen 1600 Quadratmeter“, berichtete er auf Anfrage der WLZ. 

Darum Hähnchenmast

Bei der Übernahme des väterlichen Nebenerwerbsbetriebs 2009 stand er vor der Frage, ob er die Schweinemast in Rimbeck - mit nach wie vor 500 Plätzen - ausweiten oder etwas Anderes unternehmen sollte. Danach baute er aufgrund der anhaltenden Nachfrage nach Geflügelfleisch in Rimbeck einen Maststall für 50 000 Hähnchen mit einer Produktion von 35 Kilogramm auf den Quadratmeter. 

Aufgrund der guten Erfahrungen kaufte er in Hümme zwei Ställe mit insgesamt 85 000 Plätzen und sanierte sie von Grund auf. Die Anlagen liefen „super“, Beschwerden über Geruchsbelästigung gebe es nicht. 

"Tierwohl"-Zertifikat

Die Ställe seien nach dem „Tierwohl“-Label zertifiziert. Aufgrund des hygienischen Betriebs könne der Einsatz von Antibiotika gegen Krankheiten reduziert werden. Beim letzten Mastzyklus in Rimbeck seien keine Medikamente eingesetzt worden, der Anteil der bei der Mast umgekommenen Tier sei weit unter dem Durchschnitt.

Ähnlich wird in Wethen geplant, wo Björn Hoppe dem Auslaufbetrieb seines Onkels eine Zukunftsoption bieten will.  Entwicklungspotential gibt es in Rimbeck nicht, in Hümme steht das Baurecht einem Neubau entgegen. 

Kreisaufwirtschaft

90 Prozent des Futters (Weizen, Körnermais) produziert Hoppe auf eigenen Flächen für alle Ställe. Der Hühnermist wird komplett in Biogasanlagen in Brakel und Peckelsheim verbracht, Dadurch müsse weniger Mais zur „Fütterung“ der Anlage angebaut werden. 

Die entstehenden flüssigen Substrate können für die geruchsfreie Düngung verwendet werden. Somit könne ein weitgehend geschlossener Kreislauf hergestellt und klimafreundlich produziert werden. 

Das erwartet die Bürger

Von dem 1,3 Kilometer entfernt geplanten Betrieb würden die Wethener nichts mitbekommen. Die Nachfrage nach Geflügel sei so hoch, dass viel importiert werde. Momentan liefert Hoppe an einen Betrieb in Gudensberg.

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