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Wirtschaftsstandort Diemelstadt zukunftssicher machen: Fachkräfte und Wohnraum fehlen

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Zwei Männer stehen auf einer Wiese. Im Hintergrund sind die Umgehungsstraße und das Gewerbegebiet von Rhoden zu sehen.
Gute Perspektiven für die wirtschaftliche Entwicklung von Diemelstadt: Bürgermeister Elmar Schröder und Unternehmensberater Jürgen Rönsch arbeiten schon seit einem Jahrzehnt gemeinsam für den Wirtschaftsstandort. © Stadt Diemelstadt

Vor welchen Herausforderungen stehen die Diemelstädter Unternehmen? Welche Bedeutung hat der Fachkräftemangel für die Region? Wie soll und kann die Politik bei der Zukunftsausrichtung helfen?

Diemelstadt -Diese und andere Fragen stehen im Mittelpunkt einer umfangreichen Wirtschafts- und Standortanalyse, die derzeit vom Kommunal- und Unternehmensberater Jürgen Rönsch und Bürgermeister Elmar Schröder erarbeitet wird. Die Ergebnisse der ersten Analysephase zeigen: Fehlende Arbeitskräfte und zu wenig Wohnmöglichkeiten, insbesondere in kleinen Wohneinheiten, sind die Hauptfelder, an denen Politik und Wirtschaft gemeinsam arbeiten müssen.

Ausgangspunkt und Basis für das Wirtschafts-Projekt ist ein Förderprogramm der Bundeszentrale für politische Bildung, das deutschlandweit über 100 Initiativen aus den verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen unterstützt.

Gespräche liefern wichtige Erkenntnisse

Schröder: „Wir haben uns ganz bewusst um ein Projekt beworben, bei dem die örtliche Wirtschaft und die politisch Verantwortlichen im Mittelpunkt stehen. Dafür haben wir mit den Geschäftsführern der größten Diemelstädter Unternehmen strukturierte Interviews durchgeführt. Wir konnten so aus erster Hand aktuell erfahren, wie es unseren Unternehmen, insbesondere in der Corona-Krise, wirtschaftlich geht, ob und welchen Bedarf sie an Personal haben, ob eine Expansion geplant ist und welche Erwartungen sie an die Kommunalpolitik haben.“

Die Interviews mit den Unternehmern wurden im Oktober und November durchgeführt. Parallel dazu entstand eine Standortanalyse, in der die Bedingungen für die Zukunft der heimischen Unternehmen in Diemelstadt und der Region bewertet wird. Die Ergebnisse der beiden Erhebungen zeigen nun vor allem Handlungsbedarf in zwei sich gegenseitig bedingenden Bereichen: Die Bewältigung des weiter zunehmenden Personalmangels und die Schaffung von neuem (Miet-) Wohnraum für ein bis zwei Personen.  

Fachkräfte aus dem Ausland anwerben

„Wenn wir verlässliche Bedingungen für unsere Unternehmen, sichere Arbeitsplätze und am Ende Steuereinnahmen für die Kommune behalten wollen, dann müssen wir uns konsequent und gemeinsam für den Zuzug von Fachkräften und für zusätzlichen Wohnraum einsetzen“, folgert Bürgermeister Elmar Schröder aus den Unternehmer-Gesprächen.

Schröder weiter: „Es reicht nicht aus, täglich in den Nachrichten zu hören, wie schlecht es um Fachkräfte in Deutschland bestellt ist und zu glauben, dass alles so bleibt, wenn die Babyboomer in den Ruhestand gehen.“ In 15 Jahren werde ein Rentner auf zwei Arbeitskräften kommen. Wolle man beispielsweise Fachkräfte oder Auszubildende aus dem Ausland holen, müsse Deutschland 1,5 Millionen Arbeitnehmer pro Jahr anwerben, um netto tatsächlich 400.000 Personen zu bekommen, denn es sei bekannt, dass pro Jahr 1,1 Millionen Ausländer Deutschland verlassen.

Lehren für die Dorfentwicklung ziehen

Der Standort Deutschland sei nach den Skandalen etwa in der Lebensmittelbranche nicht mehr attraktiv. Das werde eine Herkulesaufgabe, so Bürgermeister Schröder. Was das konkret für Diemelstadt und die Region bedeute, soll in diesem Jahr im zweiten Teil des Projektes erarbeitet werden. Möglich sei zum Beispiel die Unterstützung der Unternehmen bei der Anwerbung von ausländischen Fachkräften und Schaffung von Mietwohnraum.

Die beiden Projektverantwortlichen planen auf jeden Fall, die Ergebnisse der Wirtschaftsanalyse mit in die laufenden Prozesse zur Dorfentwicklung (IKEK) in Diemelstadt und Leader (LES) im Regionalmanagement Diemelsee-Nordwaldeck zu integrieren, damit die Projektideen breit diskutiert und umgesetzt werden können.

Schröder wirbt für aktives Personalmanagement

„Jürgen Rönsch und ich basteln derzeit an der Idee, eine Human-Ressource-Toolbox aufzubauen und zu entwickeln, die verschiedene Möglichkeiten für eine gezielte Personalgewinnung aufzeigen kann. Arbeitskräfte sind die größte Ressource in unserer Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft, daher bedarf es hier eines aktiven Personalmanagements“, so Bürgermeister Schröder abschließend.

Den Diemelstädter Projektansatz konnte Schröder vor einigen Wochen im Rahmen eines Netzwerktreffens der Bundeszentrale für politische Bildung in Brandenburg vorstellen und stieß dabei auf großes Interesse der anderen Netzwerkpartner und der Bundeszentrale. (red)

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