Nach 30 Jahren erster längerfristiger Ausfall durch den Corona-Virus

Zusammen sind diese Stammtischbrüder in Neudorf 500 Jahre

Vor der Corona-Krise fotografiert. Zusammen bringen es die Männer vom Mittwochsstammtisch in der Gaststätte Hage in Neudorf auf 500 Jahre. Zu dieser runden Zahl trägt Klaus Bunse bei (3. von rechts), der heute den 81. Geburtstag begeht. Zu der Runde gehören Hermann Böhne, Heinrich Kornemann, Heinrich Emde, Hermann Buchheister und Pierre Boogaerts. Foto: Armin Haß

Diemelstadt-Neudorf – Wenn das kein Grund zum Feiern ist: Die älteren Herren an diesem Stammtisch in der Gaststätte Hage in Neudorf bringen es nun zusammen auf 500 Jahre. In Corona-Zeiten werden sie aber dieses Jubiläum daheim begehen.

Der WLZ-Reporter hat die Fünf aus dem Roten Land zwischen 80 und 87 Jahren noch weit vor der Eskalation der Virus-Krise an einem der Mittwochabende besucht, an dem sie in der alteingesessenen Gaststube zusammen sitzen und stets genug Gesprächsstoff finden.

Vor 30 Jahren gebildet

Diese Männerrunde selbst hat sich vor 30 Jahren gebildet. Allerdings ist außer dem am heutigen 81 Jahre alt werdenden Helmighäuser Klaus Bunse niemand mehr von der ursprünglichen Mittwochsrunde am Leben, zu der auch der frühere Gastwirt Hans-Georg Hage gehörte.

Der Stammtisch gründete sich im Zusammenhang mit der mittwochs abgehaltenen Kassenstunde der Volksbank Marsberg, die schon lange nicht mehr in der Gaststätte stattfindet. Geblieben ist der Wunsch, sich auf ein Glas Bier oder ein alkoholfreies Getränk zu treffen, denn die meisten Stammtischbrüder sind auf einen fahrbaren Untersatz angewiesen, um nach Neudorf zu kommen.

Von Flandern nach Waldeck

Pierre Boogaerts etwa zieht es vor, sich von seiner Ehefrau aus dem benachbarten Kohlgrund zum Mittwochsstammtisch fahren zu lassen. Der stattliche Herr aus dem belgischen Gent blickt auf inzwischen 87 Lenze zurück.

Durch das belgische Militär kam er nach Deutschland und wurde dort schnell heimisch. In Arnsberg war er einmal Karnevalsprinz und durch seinen deutschen Schwiegervater, den früheren Jagdpächter und Schützenkönig Dr. Ernst Hofmann, kam er zum ersten Mal nach Kohlgrund. Dort erlebte er 1969 sein erstes Schützenfest und in den Wäldern ging er selbst mit auf die Pirsch.

Einladung nach Gent

Die Verbindungen in seine Heimatstadt Gent sind nicht abgerissen: Daher sind die Freunde aus der Mittwochsrunde auch schon mit ihm in der flämischen Großstadt zu Besuch gewesen.

Die Männer aus Vasbeck, Westheim, Helmighausen, Kohlgrund und Neudorf sind aber auch gerne mit ihren Ehefrauen gemeinsam unterwegs. Planwagenfahrten oder ein Essen bei Pierre Boogaerts gehören zu den Unternehmungen.

Saumagen gestiftet

Höhepunkte sind auch die Gänseessen in der Vorweihnachtszeit oder Schlachteessen, die ebenfalls bei Hages stattfinden. Ein Gast aus Rheinland-Pfalz, dem es in Neudorf und nicht zuletzt bei dem Mittwochstreff so gut gefallen hat, spendete für einen der vergangenen Stammtische sogar Saumagen.

In der gemütlichen Ecke der Gaststätte und mit gutem Blick auf die Hauptstraße lässt es sich gut plaudern, lästern und Pläne schmieden für weitere Unternehmungen.

So feiert er Geburtstag

Klaus Bunses Tochter Almut hat einen Stammtischwimpel angefertigt, und ihre Buttons an den Pullovern oder Jacken der Männer weisen diese als Angehörige der munteren Mittwochsrunde aus, die natürlich darauf hofft, die Infektionswelle gesund zu überstehen und bald wieder in gewohnter Runde zusammenzukommen.

So still hat Klaus Bunse seinen Geburtstag noch nie erlebt. Er wird heute in Helmighausen 81 Jahre alt. Wegen der Corona-Krise halten er und seine Ehefrau Abstand auch zu Angehörigen und nahen Freunden. Gefeiert wird heute nicht. „Wir halten uns strikt an die Kontaktbeschränkungen“, betont Bunse.

 Kontakte erhalten

 Jeden Morgen gehe er aber eine Runde am Sportplatz und durch die Feldgemarkung spazieren. „Wir lassen uns nicht unterkriegen“, bringt der Senior seine positive Lebenseinstellung auf den Punkt. Zudem lässt es sich in der großen Wohnung gut aushalten, und die im gleichen Haus lebende Tochter Almuth kauft für die Eltern ein. Zu den Kameraden aus der Stammtischrunde bei Hage hält er nun telefonisch Kontakt.

 Am 11. März haben sie sich zuletzt gesehen. Dass der Stammtisch über einen langen Zeitraum ausfällt, hat es in den 30 Jahren nicht gegeben. Der Helmighäuser nutzt nun über Smartphone und Computer Kontaktmöglichkeiten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare