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Drei Millionen für Sanierung des Schlachthofs Mengeringhausen veranschlagt

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Von: Armin Haß

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Das Schlachthaus der Landwirtschaftlichen Vieh- und Fleischvermarktung Nordhessen in Mengeringhausen. Es soll für drei Millionen Euro vom Landkreis modernisiert und wieder unter einer Betreibergesellschaft für Schlachtungen eröffnet werden.
Das Schlachthaus der Landwirtschaftlichen Vieh- und Fleischvermarktung Nordhessen in Mengeringhausen. Es soll für drei Millionen Euro vom Landkreis modernisiert und wieder unter einer Betreibergesellschaft für Schlachtungen eröffnet werden. © Armin Haß

Gemeinsam starten der Landkreis, die Kreishandwerkerschaft, die Fleischer-Innung und der Kreisbauernverband eine Initiative für die Sanierung und die Wiederinbetriebnahme des Schlachthauses in Mengeringhausen.

Bad Arolsen/Korbach – Die Schlachtstätte war von der Eigentümerin, der Landwirtschaftlichen Vieh- und Fleischvermarktung Nordhessen im November 2022 geschlossen. Bereits im Spätsommer hatte die Genossenschaft eine mit mindestens vier Millionen Euro veranschlagte Sanierung abgelehnt.

Studie in Auftrag gegeben

Die Investition würde sich nicht rentieren, wurde argumentiert. Vor wenigen Wochen wurde für den Viehhandel eine Kooperation mit der erheblich größeren VVG Münsterland Lüdinghausen / Nordwalde geschlossen.

Unterdessen hat der Landkreis eine Studie in Auftrag gegeben, um eine Reaktivierung der Schlachtstätte zu prüfen. Der LVF äußerte sich wiederholt offen für Bemühungen für eine Wiederinbetriebnahme - nur nicht unter eigener Regie und mit Eigenmitteln.

Pläne für Schlachthaus im Blick, von links: Gerhard Brühl (Kreishandwerkerschaft), Jürgen Tent (Fleischer-Innung), Kreislandwirt Martin Vollbracht und Erster Kreisbeigeordneter Karl-Friedrich Frese.
Pläne für Schlachthaus im Blick, von links: Gerhard Brühl (Kreishandwerkerschaft), Jürgen Tent (Fleischer-Innung), Kreislandwirt Martin Vollbracht und Erster Kreisbeigeordneter Karl-Friedrich Frese. © Armin Haß

Das Ergebnis der Futour Regionalberatung über eine Regionale Schlachtstätte Waldeck-Frankenberg liegt nun vor. Es schlägt die Investition von drei Millionen Euro, basierend auf einem Planentwurf des Architekturbüros Rasche in Borgentreich, durch den Landkreis vor.

Betreibergesellschaft aufbauen

Der Betrieb soll durch eine Gesellschaft übernommen werden, getragen durch eine Kooperation heimischer Metzger und einer bäuerlichen Erzeugergemeinschaft. Dabei ist ausdrücklich nicht der Zuschnitt auf die Mitgliedsbetriebe der Fleischer-Innung oder im Bauernverband organisierten Landwirte und Viehzüchter vorgesehen.

Erster Kreisbeigeordneter Karl-Friedrich Frese, der für den Landkreis die Verhandlungen über einen Neubeginn im Schlachthaus Mengeringhausen steuert, spricht von einem Raum Korbach-Bad Arolsen, in dem Betriebe die Leistungen der Schlachtstätte nutzen oder auch selbst schlachten könnten.

Überschuss kalkuliert

Als Einnahmen aus Schlachtkosten einschließlich Kühlung und Transport werden 730 000 Euro pro Jahr kalkuliert. Auf der Ausgabenseite werden einschließlich eines künftigen Sanierungsbedarfes und Rücklagen im Jahr 640 000 Euro veranschlagt. So betrachtet, ergibt sich also ein Überschuss aus dem Schlachtbetrieb.

Der Landkreis setzt auf die Nutzung und Sanierung des bestehenden Schlachthauses der LVF in Mengeringhausen, da dort das Planungsrecht besteht und langwierige Genehmigungsverfahren vermieden werden können. Zudem sind die Fachdienste des Landkreises, eingeschlossen das Veterinäramt, mit Planung und Prüfung betraut. Unter der Regie des Regierungspräsidiums Kassel muss noch eine Prüfung nach dem Immissionsschutzgesetz vorgenommen werden.

Zuschüsse erwartet

Drei Millionen Euro hat das Architekturbüro veranschlagt. Frese sieht gute Chancen in einer Finanzierung mithilfe von Zuschüssen des Landes und auch des Bundes. Zudem habe der Kreis schon eine Beteiligung von einer halben Million Euro für eine Sanierung des Schlachthofes unter der Regie des LVF angeboten.

Das Schlachthaus Mengeringhausen auf dem Gelände der Vieh- und Fleischvermarktung (Bildmitte, ganz rechts der hintere Gebäudekomplex) soll saniert und wieder in Betrieb genommen werden.
Das Schlachthaus Mengeringhausen auf dem Gelände der Vieh- und Fleischvermarktung (Bildmitte, ganz rechts der hintere Gebäudekomplex) soll saniert und wieder in Betrieb genommen werden. © Hans Blossey

Ziel ist der Aufbau einer regionalen Schlachstruktru. Dafür werden Schlachthaus, Wartestall, Zerlegung und Kühlung „ertüchtigt“

Der Schlachthof in Mengeringhausen soll unter der Regie des Landkreises Waldeck-Frakenberg saniert und von einer Gesellschaft mit Vertretern fleischverarbeitender Betriebe und von Landwirten der Region betrieben werden.

Thema im Kreistag

Das bekräftigten in dieser Woche Erster Kreisbeigeordneter Karl-Friedrich Frese, der Kreislandwirt Martin Vollbracht, der Obermeister der Metzger-Innung, Jürgen Tent, und der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Gerhard Brühl, gemeinsam im Kreishaus.

Voraussetzung ist freilich die Zustimmung des Kreistags, der sich laut Frese am 15. Dezember mit dem Thema befassen soll. Ferner müssen die beruflichen Vertretungen der Metzger und Landwirte einen Beschluss zur Gründung einer Betreibergesellschaft fassen. Für Januar sind entsprechende Versammlungen geplant, wie Vollbracht und Tent signalisierten.

Vorhandene Liegenschaften nutzen

Dabei wird der Kreis der Beteiligten nicht eng gezogen, sondern können sich alle regionalen Betriebe beteiligen. Wenn die geforderten positiven Beschlüsse gefasst werden, dann würde der vor genau einem Jahr geschlossenen Schlacht modernisiert und ab 2024 für die Betriebe der Region wieder eröffnet. Frese sieht gute Chancen für eine Bezuschussung der Sanierung durch das Land, dessen Förderrichtlinien einen Zuschuss von 40 Prozent vorsähen, und vom Bund.

Ferner habe der Kreis bereits vor drei Jahren, als die Landwirtschaftliche Vieh- und Fleischverwertung Nordhessen noch eine Sanierung plante, von einem Zuschuss von 500 000 Euro gesprochen, signalisierte Frese mögliche weiter Finanzierungsformen neben Zuschüssen Dritter und Krediten.

Mit Inhalten erfüllen

Ziel ist es, die Öko-Modellregion Waldeck-Frankenberg mit Inhalten und Angeboten zu erfüllen. Bisher hätten Bäcker und Metzger bei der Direktvermarktung keine Rolle gespielt, dabei entspreche der Umsatz bei den Fleischern etwa 50 Prozent des Handelsumsatzes bei Nahrungsmitteln, sagte Brühl.

Der Zeitpunkt sei jetzt ideal, bekräftigte er. Kurze Wege, Tierwohl-Forderungen und der Erhalt bäuerlicher Strukturen und ein Mehr an behördlichen Auflagen sprächen für das geplante Model , so Tent.

Regionale Strukturen

Für drei Millionen Euro, so die derzeitigen Pläne, würde der Landkreis Waldeck-Frankenberg die Schlachtstätte, die Im Eigentum der Landwirtschaftlichen Vieh- und Fleischverwertung Nordhessen steht, sanieren lassen. Eine Gesellschaft, bestehend aus Vertretern regionaler fleischverarbeitender Betriebe und Landwirtern, würde den Betrieb übernehmen. Kalkuliert werden Einnahmen von 730 000 Euro und Ausgaben von 640 000 Euro.  

Für die vom Landkreis propagierte Ökomodellregion brauche es regionale Strukturen, also auch einen Schlachtbetrieb für die heimischen Erzeuger, erklärt Kreislandwirt Martin Vollbracht. Er sei froh, dass es noch die Molkerei in Usseln gebe, eine Schlachtstätte nahe bei den landwirtschaftlichen Betrieben und fleischverarbeitenden Betrieben würde eine Perspektive für die Zukunft bieten, auch Bio-Betriebe wären interessiert.

Neue Kapazitäten

Die neue Schlachtstätte würde Kapazitäten für 10 000 Schweine jährlich (bisher 13 000), 1500 Rinder (800) und 1000 Schafe und Ziegen (40) bieten. Dadurch ergibt sich laut Erster Kreisbeigeordneten Frese auch eine niedriger geschätzte Investitionssumme. In die seien aber schon die Preiserhöhungen einkalkuliert.

Kurze Transportwege, Tierwohl und der Erhalt bäuerlicher Strukturen sprächen für das Projekt, so Jürgen Tent, Obermeister der Fleischer-Innung. Er sei froh, dass der Landkreis nicht nur über Regionalität spreche, sondern auch etwas unternehmen wolle. Der „wirkliche Wille“ sei vorhanden. Der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Gerhard Brühl, bezeichnete es als wichtig, dass die Nahrungsmittelerzeugung durch die heimischen Handwerksbetriebe wieder in die Direktvermarktung einbezogen werden könne.

„Idealer Zeitpunkt“

Situation und Zeitpunkt für das Vorhaben seien ideal, sagte Brühl. Es gebe „nichts, was dagegen spricht“, erklärte im Hinblick auf die noch anstehenden Diskussionen in den Kreisgremien , aber auch bei der Handwerkerschaft und bei den Landwirten. „Alle drei Partner wollen es“, sagte Obermeister Tent, der allein in Waldeck-Frankenberg 34 Metzger vertritt. Daneben gebe es Betriebe, die noch nicht Mitglied seien.

Forderungen nach mehr Tierwohl, die Reduzierung von Transport- und Stückkosten, die Wertschöpfung in der Region, Marktchancen unter einer gemeinsamen Qualitätsmarke, die Stärkung handwerklicher Betriebe, der Erhalt der Kulturlandschaft durch Viehhaltung werden als Argumente aufgelistet. Gerhard Brühl: „ Nun muss Butter bei die Fische gegeben werden.“  (Armin Haß )

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