Aktion mit Schwerlastkran vom Morgen bis in den Nachmittag

36 Tonnen-Wasserturbine durchs Dach ins Affolderner Kraftwerk gehoben

Affoldern. „Zum Glück hatte die Turbine keinen Getriebeschaden, wie  vermutet.“, sagt Richard Evers von „Statkraft“, Betreiberin des Affolderner Wasserkraftwerkes. Fünf Monate war die Maschine zwecks Überholung weg. Am Donnerstag hob ein 160-Tonnen-Kran sie  zurück an ihren Platz.

Maßarbeit: An vielen Ecken blieben zum Rangieren  nur Zentimeter Platz zwischen dem Mauerwerk oder einem Geländer und der 36 Tonnen schweren Last am Haken des Krans. Am Freitag folgt der knapp 9 Tonnen schwere Generator, der gemeinsam mit der Turbine 3 Gigawattstunden Strom jährlich erzeugt und rechnerisch den Bedarf von 1000 bis 1200 Haushalten deckt.

Obwohl Turbine und Generator keinen größeren Schaden seit ihrem Arbeitsbeginn 1999 nahmen, kostet die Rundum-Pflege mit Lager- und Ölwechsel, Reinigung, Isolationsprüfungen und mehr eine „Summe im oberen sechsstelligen Bereich“, sagt Evers.

Und dann das. „Wissen Sie, was die Kollegen aus dem weißen Eimer dort nehmen und an der Flanschdichtung verstreichen?“, fragt Evers und antwortet in einem Atemzug: „Rindertalg, wie in alter Zeit.“ Ein günstiges, seit Jahrhunderten bewährtes Schmiermittel zum Abdichten gegen Wasser. Seit Anfang der 2000er Jahre setze das Unternehmen es wieder ein, „weil es sich im Gegensatz zu synthetischen Mitteln praktisch nicht in Wasser auflöst und immer seine Elastizität behält“, erklärt Evers. Wichtig erst recht für eine Maschine, die Jahrzehnte an Ort und Stelle verbleibt. Je schneller Dichtmaterial versprödet, desto früher treten Lecks auf.

Während Evers das erläutert, hantiert ein Arbeitstrupp mit Ketten und Gurten am Turbinenteil. Sie bringen es schon am Kranhaken in einen Neigungswinkel. Grund: Die Maschine wird in der Halle schräg in eben diesem Winkel am Ende des großen, bei Betrieb wasserführenden Rohres verschraubt. „Mit dieser Form der Montage gewinnt man einige Zentimeter mehr an Fallhöhe für das Wasser, das später das Laufrad der Turbine antreibt“, erläutert Evers.

„Gut, dass es für alles eine App gibt“, ruft einer der Monteure im Vorbeilaufen. Mangels Wasserwaage oder Winkelmessgerätes legt er das Handy an die Turbine an, um bei aktivierter App den richtigen Neigungswinkel zu bestimmen. Als alles eingerichtet ist, hebt der Schwerlastkran seine Fracht binnen weniger Minuten hinauf zum geöffneten Dach. Vorsichtig richtet das Team von Hand mit Seilen die schwebende Turbine beständig aus und lässt sie in die Tiefe hinab.

„Ideales Wetter heute“, resümiert Richard Evers. Bei Gewitter oder starkem Wind hätte die Aktion abgesagt werden müssen: zu hoch das Risiko von Blitzeinschlägen oder dass Böen die kostbare Maschine ins Schaukeln bringen.

Bildergalerie zur Rückkehr der Turbine ins Affolderner Wasserkraftwerk

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare