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70 Jahre Naturschutzbund Edertal: Buch druckfrisch erschienen

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Von: Matthias Schuldt

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NABU-Buchautor
Die Sohlgleite bei Wega/Wellen: Mit dem Aufschütten großer Steine wurde hier vor Jahren die Renaturierung der mittleren Eder zwischen Affoldern und Fritzlar eingeleitet.. © Matthias Schuldt

Was kann ich schon ändern? Ich kleines Rädchen. Wer sich diese Frage stellt, erhält in einem gestern erschienenen, neuen Buch zum 70-jährigen Bestehen des Naturschutzbunds Edertal eine ermutigende Antwort.

Der Titel des Bandes „Natur in Edertal – vielfältig und erlebnisreich“ kommt so sachlich, ja nüchtern daher, wie es die Art seines Autors Wolfgang Lübcke ist. Zum 70-jährigen Bestehen des Edertaler NABU, das die Gruppe in einer Woche feiert, legt der gebürtige Anraffer ein Buch über die Edertaler Naturschätze vor und zugleich über die Geschichte des Naturschutzes in Edertal.

Der Garten Edertals

Es begeistert, es fasziniert und berührt, weil Lübcke auf den knapp 150 Seiten die heimische Natur für sich sprechen lässt, ohne jeglichen Pathos, ohne Kitsch. Eine große Vielzahl von eigenen Bildern und atemberaubend schönen Aufnahmen heimischer Naturfotografinnen und Naturfotografen illustriert diesen Streifzug durch die Zeit und durch den großen, vielgestaltigen grünen Garten des Edertals. Das Buch spiegelt zugleich das weitreichende Kontaktnetz von Naturfreundinnen und -freunden wider, das der Edertaler NABU über die Jahrzehnte geknüpft und gepflegt hat.

Entstanden ist eine Mischung aus Natur- und Wanderführer, Naturbild- und Geschichtsband und nicht zuletzt unterhaltsamem Lesestoff. Ohne dass der Autor es ausdrücklich benennen muss, wird bei der Lektüre deutlich: Kultur und Natur, Mensch und Umwelt lassen sich nicht voneinander trennen. En passant unterstreicht Lübcke diesen Gedanken, indem er die Historie Edertaler Dorfnamen aufgreift, von Buhlen, dessen Bezeichnung auf Buchenwald verweist, bis hin zu Wellen, das seinen Namen alten Bezeichnungen für „Wald“ verdankt. Der Waldecker „Ortsspott“ mit seinen Spitznamen für die Dorfbewohner greift zu auf das Verhältnis der Menschen zur Natur, nicht nur bei den Königshagener „Heidelbeerschnätzern“, die diese Frucht einst reichlich aus den heimischen Wäldern ernteten.

Kultur/Natur als Einheit

Die Botschaft des Buches und des Edertaler NABU: Wir sind Teil der Natur, wir beeinflussen sie positiv wie negativ mit Folgen für alle anderen Lebensformen wie für uns selbst. Der Edertaler Naturschutz ringt seit 70 Jahren darum, in einer vom Menschen geprägten Kulturlandschaft der Natur Entwicklungsmöglichkeiten zu lassen, den heimischen Pflanzen und Tieren Lebensräume und den Menschen damit eine Heimat von hoher Lebensqualität zu erhalten.

Die Natur in Schutzgebieten sich weitgehend selbst zu überlassen mit dem einzigen hessischen Nationalpark als Krönung ist der eine Aspekt, den Lübcke schildert. Er nimmt Leserinnen und Leser mit auf Wanderungen durch diese Schutzgebiete, lässt sie nicht nur hinschauen auf die Schönheiten dort, sondern lässt das Publikum die Schätze auch erkennen, wie es im Prolog des Buches ein Zitat ausweist: „Erkennen ist mehr als sehen; viel mehr. Es eröffnet Tiefe.“

Zu dieser Tiefe zählt die Erkenntnis, dass selbst intensives Nutzen der Natur durch den Menschen nicht in lang anhaltender Zerstörung münden muss. Beispielhaft dafür stehen die früheren Kiesabbaugebiete im Edertal, die unter Federführung des NABU nach Ende der Rohstoff-Gewinnung zu artenreichen, wertvollen Feuchtbiotopen umgestaltet wurden.

Ausdauer wie Sisiphos

Naturschützer müssen die Ausdauer eines Sisiphos haben, hat Wolfgang Lübcke zu seinem 80. Geburtstag eingeräumt. Über 70 Jahre haben seine Edertaler Weggefährtinnen und Mitstreiter und er selbst ansehen müssen, wie Arten beinah oder komplett verschwanden. Eines von ungezählten Beispielen liefert der Kiebitz, der den Giflitzern einst den Ortsspottnamen eintrug und heute in Edertal kaum noch zu finden ist.

Demgegenüber stehen ermutigende Erfolge wie die Renaturierung der Eder. Natürlicher und natürlicher fließt sie wieder dahin. Fischarten wie der „Schneider“ kehren zurück. Der Biber hat sich wieder angesiedelt.

540 Mitglieder im Edertaler NABU

Was kann ich schon ändern? Die „Eduard-Schoof-Eiche“, die – mit einem bescheidenen Holzschild versehen – am Ederauen-Radweg zwischen Anraff und Mehlen steht, gibt die Antwort. Sie ehrt Biologie-Lehrer Eduard Schoof, dessen Schüler Anfang der 1950er Jahre am Stresemann-Gymnasium unter anderen Wolfgang Lübcke und Walter Meier hießen. Mit seinem frühen Verständnis von Naturschutz begeisterte Schoof die Elf- und Zwölfjährigen so sehr, dass sie im November 1952 eine Naturschutz-Jugendgruppe in Anraff gründeten. Später trugen Lübcke und Meier diese Begeisterung als Lehrer selbst weiter in nachfolgende Generationen. Im 70. Jahr seines Bestehens zählt der Edertaler NABU 540 Mitglieder.  

„Natur in Edertal“ ist für 10 Euro erhältlich: Bürgerbüro Edertal, Edersee Touristik Affoldern, Waldecker Bank und Sparkasse Waldeck-Frankenberg in Giflitz, Buchland Bad Wildungen sowie im Versand (plus Porto) über info@nabu-waldeck-frankenberg.de. (Matthias Schuldt)

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