Edertaler Unternehmer hängt Erwartungen ans heimische Glasfasernetz-Projekt niedriger

"Breitband Nordhessen" ist besser als nichts - aber zu langsam für eine echte "Daten-Autobahn"

Bunte neue Glasfaser-Welt, mehr und mehr auch für Waldeck-Frankenberg. Doch den häufig zitierten großen Sprung nach vorne bringt das Projekt speziell für die heimische Wirtschaft nicht, kritisiert der Edertaler Unternehmer und Gemeindebeigeordnete Jens Schulze.

Edertal. „Breitband Nordhessen“, das Projekt des schnellen Internets für die Region, ist besser als nichts. Aber den großen Sprung nach vorn bei der Digitalisierung des heimischen ländlichen Raums bringt es nicht:

Dieses Urteil fällt der Edertaler Gemeindebeigeordnete und Unternehmer Jens Schulze.

Denn für die heimische Wirtschaft reiche der Zuwachs an Geschwindigkeit, den „Breitband Nordhessen“ verspricht, im Vergleich mit den Ballungsräumen bei Weitem nicht aus. Ein zugespitzter Vergleich: Aus Sicht von Unternehmen schafft „Breitband“ keine Datenautobahn, sondern baut den Feldweg zur Bundesstraße aus.

Upload-Rate ist auch mit "Breitband Nordhessen" zu gering

Der gewöhnliche Endkunde schaut auf die Downloadrate, die ihm etwa das ruckelfreie, hoch aufgelöste Schauen von Sport-Live-Übertragungen per Internet ermöglicht. „Für Unternehmen aber ist die Up–load-Geschwindigkeit der entscheidende Faktor“, erklärt Schulze, also das Tempo, in dem Daten ins Netz hochgeladen werden.

Bei der kupferbasierten Technik liegt dieses Tempo deutlich niedriger als die Geschwindigkeit, die beim Herunterladen zur Verfügung steht. „Wenn die Downloadrate bei VDSL 25 Mbit beträgt, sind Uploads von maximal 5 Mbit pro Sekunde möglich“, nennt Schulze ein Beispiel.

Speziell Unternehmen der digitalen Kommunikations- und Dienstleistungswelt sind darauf angewiesen, dass sie große Datenpakete binnen kurzer Zeit ins Netz stellen. Im Haushalt Schulze in Hemfurth-Edersee gilt das für gleich zwei Firmen.

Hochladen längerer Youtube-Filme dauert trotz Breitband Nordhessen 2 Stunden

Jens Schulze betreibt den „4media Verlag“, der digitale, personalisierte Gästezeitungen für Hotels und andere Tourismusanbieter erstellt. Die Mitglieder seines Teams arbeiten von zu Hause aus, verteilt über die Republik. Täglich verschicken sie große Datenmengen, etwa in Gestalt von Fotos. Obwohl er seinen Geschäftssitz in Hemfurth-Edersee hat, unterhält Schulze ein weiteres Büro in Kassel wegen der dort höheren, verfügbaren Übertragungsgeschwindigkeit.

Seine Frau vertreibt in einem eigenen Unternehmen Bastelartikel, und eine wichtige Säule ihres Geschäfts bilden Video-Bastelanleitungen, die sie bei Youtube einstellt: Bei einer Länge von 15 bis 25 Minuten stecken enorme Datenpakete dahinter.

„12 bis 15 Stunden würde es mit ADSL dauern, einen solchen Film bei uns zu Hause hochzuladen“, erklärt Schulze.

„Breitband Nordhessen“ werde diese Zeit auf etwa 2 Stunden kürzen. Ein ordentlicher Sprung zwar, „aber meine Mitarbeiter in Süddeutschland verfügen zuhause über glasfaserbasierte Anschlüsse, mit denen das in 6 bis 12 Minuten erledigt ist.“

Edertaler Neubaugebiete sofort mit Leer-Rohren für Glasfaser ausstatten

Obwohl es noch dauert, bis „Breitband Nordhessen“ als Verbund der Landkreise die schnelleren Glasfaserkabel in alle Dörfer verlegt, ist also jetzt bereits abzusehen, dass die nächsten Investitionen anstehen – um die Standortnachteile des ländlichen Raumes gegenüber den Ballungsräumen bei der Digitalisierung tatsächlich einzuebnen. Und das ist die entscheidende Voraussetzung, um in Zukunft innovative Firmen der digitalen Branchen in der Region zu halten oder gar anzusiedeln, ist Jens Schulze überzeugt.

Er will sich deshalb dafür einsetzen, dass die Gemeinde Edertal für ihre geplanten, neuen Wohngebiete direkt Leerrohre für Glasfaser bis ins Haus vorsieht. Das ist in Neubaugebieten erlaubt, während darüber hinaus parallel zum laufenden Ausbau durch „Breitband Nordhessen“ keine zusätzlichen, eigenen Aktivitäten der Kommunen möglich sind.

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