Informationen und Diskussionen um Folgen der Energiewende

Bürgerdialog im Uniper-Kraftwerk Waldeck II in Hemfurth/Edersee

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Bürgerdialog Stromnetz: Im Pumpspeicherkraftwerk Waldeck I diskutierten Bürger über die Energiewende und speziell deren Folgen für das Pumpspeicherkraftwerk Waldeck II.

Hemfurth-Edersee. Die Energiewende läuft seit einigen Jahren, doch für Betreiber von Pumpspeicher-Kraftwerken hat sich nichts zum Besseren verändert.

Obwohl ihre Anlagen dringend gebraucht werden, um die Schwankungen im Netz auszugleichen und überschüssig erzeugten Strom aus Windkraft und Sonnenlicht zu speichern. Darüber informierten sich rund 35 Gäste bei einem Besuch im Pumpspeicherkraftwerk Waldeck II der Uniper. Eingeladen hatte die Initiative Bürgerdialog Stromnetz.

Pumpspeicherwerke weisen im Vergleich zu allen anderen Speichertechniken mit 80 Prozent einen mehr als deutlich höheren Wirkungsgrad auf. Das bedeutet: 80 Prozent der Energie, die sie aufnehmen, geben sie bei Bedarf zurück ins Netz. Andere Methoden wie Batterien gelten als effektiv, wenn sie die 30-Prozent-Marke erreichen.

Ein weiterer, großer Vorteil: Die Turbinen lassen sich schnell an- und abschalten. „Wir brauchen diese Sprinter, die schnell einspringen, um Bedarfsspitzen durch zusätzliche Erzeugung zu bedienen oder ein Zuviel an Strom durch Pumpbetrieb aus dem Netz nehmen“, erläuterte Matthias Wantia vom Übertragungsnetzbetreiber TenneT.

122 Pumpspeicherwerke gibt es in Deutschland. „Neue zu bauen, ist heute praktisch nicht mehr möglich wegen der großen Eingriffe in die Natur, die damit verbunden sind“, erklärt Dr. Bettina Hoffmann. Doch mit vergleichsweise geringem Aufwand ließen sich vorhandene Anlagen kostengünstig ertüchtigen für eine höhere Leistungsfähigkeit, hat die heimische Grünen-Bundestagsabgeordnete als wichtige Erkenntnis mitgenommen. Der Standort von Uniper in Hemfurth-Edersee böte dabei sogar noch die Chance zur Erweiterung durch eine zweite Kaverne im Peterskopf. Doch die Gründe, aus denen das Unternehmen die Pläne und Vorarbeiten dafür auf Eis legte, existieren nach wie vor. Das Projekt rechnet sich nicht.

Geschäftsmodell trägt nicht mehr

Denn das einstige Geschäftsmodell der Pumpspeicherkraftwerke trägt nicht mehr: Nachts mit Billigstrom das Wasser auf den Berg zu pumpen und tagsüber zu Zeiten des größten Bedarfes per Wasserkraft Strom zu einem höheren Preis ins Netz einzuspeisen.

 „Heute haben wir mehrere Stopps und Starts während eines Tages, um das Netz stabil zu halten“, erläuterte Jörg Lingelbach, Leiter von Waldeck II. 

Seit einigen Jahren müsse die Anlage mittags durch Pumpbetrieb Strom aus dem Netz nehmen und speichern. „Ein Phänomen der Energiewende, der wachsenden Anzahl von Photovoltaik-Anlagen“. Doch ausgerechnet diese Leistung – das Netz zu stabilisieren – werde nicht vergütet. Im Gegenteil. Wenn die Anlage pumpt und Strom aufnimmt, muss Uniper dafür sogar noch Netznutzungsentgelt entrichten. 

„Die Bundesregierung packt das Thema nicht an, aber diese Fragen müssen jetzt geklärt werden“, verlangt Hoffmann. Die Unternehmen bräuchten verlässliche Rahmenbedingungen über 10 bis 20 Jahre.

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