Einziges Vorkommen in Waldeck-Frankenberg

An Zechsteinwand bei Lieschensruh blüht der Färberwaid

Eindrucksvolle Zechsteinwand: Der Felsen im Edertal zwischen Affoldern und Lieschensruh ist auch für Botaniker interessant, denn dort wächst der Färberwaid. Die Pflanze hat inzwischen für Ökofarbe wieder eine gewisse Bedeutung erlangt. Foto: Wolfgang Lübcke

An einer Felswand im Edertal blüht der Färberwaid. 

Edertal – Die Zechsteinwand zwischen Affoldern und Mehlen-Lieschensruh gehört zu den eindrucksvollsten geologischen Aufschlüssen im Kreis Waldeck-Frankenberg. Auch aus botanischer Sicht ist dieser Felsen interessant. In einigen Bereichen wächst der Färberwaid.

Für Blaufärbung von Textilien gewonnen

Im Mittelalter wurde diese Pflanze in großem Umfang im Raum Fritzlar angebaut. Aus ihr wurde der Farbstoff für die Blaufärbung von Textilien gewonnen. Als kulturhistorisches Relikt hat der Färberwaid an den Zechsteinfelsen bei Lieschensruh sein einziges Vorkommen im Landkreis Waldeck-Frankenberg

Die Steilwand dürfte über einen langen Zeitraum hinweg als Prallhang der früher mäandernden, sich also in großen Schleifen durch das Tal windenden Eder entstanden sein. Das jetzige Bild wurde jedoch auch durch die Jahrhunderte währende Nutzung als Steinbruch geprägt.

Einst bedeutender Wirtschaftszweig

Die Felspartien unterhalb Lieschensruh entstanden durch den Bau der Betriebsbahn für das Kraftwerk in Hemfurth.

Der Färberwaid ist recht anspruchslos und mag einen trockenen, nährstoffreichen, kalkhaltigen Boden. Um das Jahr 1600 wurde noch in etwa 300 thüringischen Dörfern Waidanbau betrieben. Es war damals ein bedeutender, streng reglementierter Wirtschaftszweig. Die Bauern durften nur das Vorprodukt liefern, nämlich die aus zerstoßenen Waidblättern geformten schneeballgroßen Waidbälle.

Starke Nachfrage nach dem Mauerfall

Waid hat heutzutage als Ökofarbe wieder eine gewisse Bedeutung erlangt. Mancherorts wird heute Gewebe wieder mit „Erfurter Blau“’ gefärbt. Nach dem Mauerfall gab es vor allem in Thüringen eine starke Nachfrage nach der blauen Farbe aus Färberwaid. Sie wurde zur originalgetreuen Restaurierung von Kirchen und anderen Gebäuden genutzt.

Den Bauern war es einst vorbehalten, den Waid anzubauen, in den Waidmühlen zu Mus zu verarbeiten und daraus von Hand Kugeln – die Waidbällchen – zu formen. Diese wurden dann auf speziellen Horden für die Weiterverarbeitung getrocknet und von den Bauern schließlich in den Waidstädten auf den Märkten verkauft.

In Waidfässern in den Handel

Die Waidhändler verarbeiteten die Kugeln zu einem Farbpulver, das in Waidfässern in den Handel kam. Färberwaid wird bei der Erzeugung von Holzimprägnierungs- und Holzschutzmitteln verwendet, denn die Pflanze, die auch an der Zechsteinwand im Edertal wächst, enthält Substanzen, die Pilze eliminieren.

Weiterhin werden Anstrichfarben für Holz, Stein und Putz aus ihm hergestellt. Zudem wird er zur Blaufärbung von Textilien eingesetzt.

VON WOLFGANG LÜBCKE

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare