An der Eder dem Gesang der Frühlingsboten lauschen

Ungewöhnlich früh: Nachtigall singt im Edertal

Frühlingsbote: Singende Nachtigall. Foto: Manfred Delpho

Ungewöhnlich früh hat Falk Paltinat am 7. April bei Anraff den ersten Nachtigallen-Gesang gehört. Im vorigen Jahr fiel der Erstgesang auf den 16. April. Die untere Eder ist ein guter Ort, um den Gesang zu erleben.

Edertal – Schon Louis Curtze erwähnt in seiner „Geschichte und Beschreibung des Fürstentums Waldeck“ (1850), dass die Nachtigall „nur in den milden Teilen des Landes“ vorkomme und benennt ausdrücklich das Edertal. 

Früher kaum Lebensraum für Nachtigallen: Die Eder oberhalb der Mehlener Brücke auf einem Bild, das Heinrich Wiesemann um 1910 aufgenommen hatte. Er war Lehrer in Leipzig und hatte damals schon einen Fotoapparat. 

Aber so häufig wie heute war kam sie damals sicher nicht vor, denn um 1910 bei Mehlen entstandene Fotos zeigen kaum Ufergehölze, den Lebensraum der Nachtigall.

 Der vor dem Bau der Edertalsperre im Frühjahr häufige Eisgang hobelte Büsche und junge Bäume immer wieder regelrecht ab. Es wird berichtet, dass zum Beispiel in Mehlen die Eisschollen bis in die Ortsmitte lagen. Weitere Gründe für den Mangel an älteren Weiden war deren Nutzung zum Korbflechten oder zum Heizen der Backhäuser.

In 1952 eine Besonderheit

Horst Büchsenschütz, dessen Vater in Bergheim Lehrer war, berichtete: „Der 16. Mai 1943 bescherte uns einen schönen Frühlingsabend, noch ahnte niemand, dass wenige Stunden später die Edersee-Sperrmauer bombardiert werden würde. An diesem Abend sang bei Bergheim anhaltend eine Nachtigall, was damals eine Seltenheit war.“ Nach der Katastrophe verstummte die Nachtigall für einige Jahre im Edertal, denn die durch das Tal stürzenden Wassermassen hatten die Ufergehölze der Eder weitgehend vernichtet.

1953 veröffentlichte der Bad Wildunger Gymnasiallehrer Eduard Schoof in einer ornithologischen Zeitschrift einen Aufsatz mit dem Titel „Die Vögel der Ederauen und die Auswirkungen ökologischer Veränderungen auf die Vogelwelt“. Damit meinte er die Folgen der Sperrmauer-Katastrophe auf die Natur. Als große Besonderheit meldet er für das Jahr 1952 erstmals wieder ein Nachtigallen-Brutpaar bei Bergheim.

Bestand hat kontinuierlich zugenommen

Seit Mitte der 1960er Jahre hat der Nachtigallen-Bestand im unteren Edertal kontinuierlich zugenommen. Zuletzt in 2015 haben Bastian Meise (Mehlen) und Michael Wimbauer entlang der Eder zwischen Affoldern und Anraff 63 singende Männchen gezählt. Nach und nach wurden auch abseits der Eder Nachtigallen gehört, so im Wese- und Netzetal oder im Immengraben bei Anraff. Es ist ein Zeichen dafür, dass der hohe Siedlungsdruck im Ufergehölz der Eder einige Vögel zum Ausweichen zwingt.

Die Eder heute. Foto: Sigrid Meier/pr

Als Ausgangspunkte für Nachtigallen-Wanderungen bieten sich an: Ederauenhalle bei Mehlen in Richtung Storchenhorst, das ehemalige Kiesgrubengebiet bei Anraff oder von der Anraffer Brücke aus ein Stück entlang des linken Ufers in Richtung Wellen.

Beste Zeit für einen Nachtigallen-Spaziergang ist der Mai

Die beste Zeit für einen Nachtigallen-Spaziergang an der Eder ist der Mai. Mitte April kehren die Nachtigallen aus ihrem Winterquartier in Afrika zurück. Ende Mai lässt der Gesang deutlich nach und verstummt im Juni. Nachtigallen singen auch am Tage, aber am Abend, wenn der Lärm nachlässt und andere Vogelstimmen schweigen, kommt der Gesang am besten zur Geltung

VON WOLFGANG LÜBCKE

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