Rund 50 Besucher in der Affolderner Festhalle

Erster Dialogabend zur Erweiterung des Nationalparks Kellerwald-Edersee

Edertal-Affoldern – Der erste der drei Dialogabende zur geplanten Erweiterung des Nationalparks Kellerwald-Edersee lockte rund 50 Zuschauer in die Festhalle.

Sprecher von Nationalparkverwaltung, Hessischem Umweltministerium und Gemeinde Edertal erläuterten den weiteren Ablauf. „Es ist keinesfalls so, das schon alles eingetütet ist“, stellte Nationalparkleiter Manfred Bauer klar. Nach unterzeichneter Absichtserklärung gehe es vielmehr darum, gemeinsam Pläne auf den Weg zu bringen.

Das aktuelle Prozedere: Eine Arbeitsgruppe befasst sich mit der Erweiterung um die Steilhänge am Edersee. Im September sollen die grundsätzlichen Entscheidungen getroffen sein. Im vierten Quartal sei die Beteiligung der Träger der öffentlichen Belange vorgesehen, Anfang des nächsten Jahres gehe es an die Nationalpark-Verordnung, und bis Mitte 2020 soll das formale Verfahren abgeschlossen sein. „Dann ist die Arbeit noch nicht zu Ende, da gibt es noch einige dicke Dinger“, verwies Bauer auf Biotopkartierung.

Achim Frede, im Nationalpark zuständig für Forschung, Naturschutz und Planung, stellte die Erweiterungsflächen mit ihren Naturschätzen vor – von den Itterhängen über die Aselbucht bis zu den Blockhalden der Hünselburg. Weiter über Fürstenthal und Kahle Hardt zur Hengstwiese bei Nieder-Werbe, dem Orchideen-Buchenwald am Naturschutzgebiet Katzenstein bei Waldeck und der Sinterquelle am Affolderner See. Botanische Raritäten wie Prachtnelke, Fliegen-Ragwurz und Kreuzenzian und Tiere wie der Veilchenblaue Wurzelhalsschnellkäfer oder der Falter Russischer Bär hätten dort ihren Lebensraum. Waldinselchen würden miteinander verbunden. Frede ist überzeugt von der Idee. „Das wäre eine sensationelle Sache für Mitteleuropa.“

Bürgermeister Klaus Gier verspricht sich „unter dem Siegel des Nationalparks“ Vorteile in der touristischen Nutzung.

Viele Fragen: Besucher der Informationsveranstaltung zur Erweiterung des Nationalparks hakten nach und steuerten Anregungen für die weitere Planung bei. Foto: Höhne

Bauer forderte dazu auf, in einem Zug die Verkehrsprobleme am Edersee anzupacken. „Wir müssen dringend überlegen, wie das zu lösen ist“. Fragen und Anregungen richteten die Zuhörer an die Sprecher der Parkverwaltung und Martin Küthe, Referatsleiter beim Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, und seine Referentin Katharina Sabry. 

Sorgen um eingeschränkte Wassersportaktivitäten zerstreute Achim Frede in der Frage-Runde der Infoveranstaltung: „In der Kooperationsvereinbarung steht, dass die touristische Nutzung nicht eingeschränkt wird.“ Der Edersee sei in der Suchkulisse nicht enthalten

Der Erhalt des Bogenparcours bei Affoldern war ein Thema. Über Brennholz-Alternativen und den Zuschnitt von Jagdpachtbezirken müsse noch nachgedacht werden. Details zum Wegenetz wurden vertagt auf eine weitere Informationsveranstaltung. Gesammelt wurden zahlreiche Anregungen aus dem Publikum. Beispielsweise von Reitern, für die im Nationalpark das Wegenetz stark eingeschränkt ist. Weiterer Wunsch: Der Bahnradweg von Korbach nach Affoldern sollte mindestens bis nach Bad Wildungen verlängert werden.

Der Nationalpark Kellerwald-Edersee soll von 5700 auf rund 7500 Hektar wachsen. Ausgehend vom 1016 Hektar großen Kerngebiet des Parks sind als Erweiterungsflächen fünf Naturschutzgebiete, Natura 2000-Gebiete (FFH- und Vogelschutzgebiete) sowie Kernflächen von Hessen Forst vorgesehen. Laut Achim Frede handelt es sich fast vollständig um öffentliches Eigentum, überwiegend frei von Nutzung. Besiedlung, der Edersee und Straßen werden ausgeklammert. Von den 1840 Hektar der angedachten Erweiterungsfläche befinden sich 1260 Hektar im Besitz des Landes Hessen, 32 Hektar gehören dem Bund, 475 Domanium und Stadt und 75 Hek-tar sind Eigentum von Uniper und Privatbesitz.

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