Steinesammler und Künstler Peter Naumann

Edertal: Kritik an Weltpolitik kunstvoll versteinert

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Kritik in Stein: Peter Naumann mit einer Collage zum G8-Gipfel in 2007 in Heiligendamm. Muscheln, Bernstein und Kiesel sind umgeben von Stacheldraht. 

In Edertal versteinerte der Hobby-Mineraloge und Steinesammler Peter Naumann seine Kritik an der Weltpolitik.

In Geologie, Mineralogie und Paläontologie kennt sich Peter Naumann aus wie in seiner Westentasche. Die Leidenschaft für Steine, Mineralien und Fossilen hat der 76-Jährige mit seinem Interesse an der Weltpolitik verknüpft. Wenn ihm etwas gegen den Strich geht, entwirft er Steinbilder – Kritik durch Kunst.

"Die Waffe" erinnert an den Massenmord in Srebrenica

„Die Waffe“ heißt eine Mini-Collage, in der Naumann den Massenmord an 8000 Muslimen in Srebrenica anprangert. Das tut er auf einer kleinen Platte. Vor einer Kugel fällt der Blick auf das moslemische Glaubenssymbol, den Halbmond, angefertigt aus Achat, dahinter das christliche Kreuz aus Jaspis.

In einem anderen Werk stellt er auf Marmor aus Armenien und schwarzem, synthetisch mineralisierten „Sand“ die Armut und Konfliktgebiete in Afrika dar, garniert mit Bergkristall, Quarzkiesel, einem Rohdiamant und einer deformierten Gewehrkugel.

Goldkette für "Edergold" geopfert

Für die Collage „Edergold“ opfert der Künstler eine Goldkette und mörsert Teile davon für den goldhaltigen Edersand. „Goldketten symbolisieren das „Freikaufen“ der Turmhaft durch Goldwäscherei unter hessischen Landgrafen“, erläutert Naumann seine Idee. 

„Edergold“: Die Goldketten stehen für das „Freikaufen“ der Turmhaft in Goldwäscherei an der Eder unter hessischen Landgrafen.

„Der letzte Goldwäscherstandort bestand bei Altenburg (Felsberg) bei der Mündung der Schwalm in die Eder.“ Der ehemalige Maschinenschlosser und Seemann widmet weitere Steinbilder dem Krieg am Hindukusch und zeigt den „Weg der Blutdiamanten“ auf.

Auch zur deutschen Wiedervereinigung ist er kreativ geworden. „Spiegelbild der Fehler“ nennt er seine Arbeit mit Sand aus Fulda, Werra und Weser sowie Jaspis aus dem Kellerwald, Eisenkiesel aus Waldeck-Frankenberg und Kieselschiefer aus Schwalm, Eder, Fulda und Diemel.

"Viele Materialien im Tausch oder an Börsen beschafft"

Für ein Afghanistan-Bild hat er viel Lapislazuli verarbeitet. Das sei ein Mineral, um das in Afghanistan „seit mehr als 6000 Jahren Kriege geführt werden“, sagt Naumann, der seit 1993 künstlerisch aktiv ist. „Viele Materialien habe ich mir im Tausch oder an Börsen beschafft, manche auch auf Reisen.“

Gedanken zu Afghanistan: Seit 6000 Jahren werden Konflikte (dargestellt durch eine Patronenhülse mit Kugel) mit Lapislazuli und Rubinen finanziert.

Meist fertigt er Miniaturen an. Das größte Steinbild ist ein 48 mal 34 Zentimeter großes Werk zum G8-Gipfel in Heiligendamm im Sommer 2007. „Das Schwierigste daran waren die vier Lagen Sand für den dargestellten Ostseestrand“ sagt der Künstler. Mit Spray hat er die feinen Schichten fixiert.

Urlaubsstimmung mit Stacheldraht zum G8-Gipfel in Heiligendamm

Muscheln, Bernstein und polierte Quarzkiesel zeigen Urlaubsstimmung. Im Kontrast dazu: Stacheldrahtzaun und eine Flasche mit einem Stück schweißgetränktem Tuch. 

„Das deutet auf die „Schnüffelmethoden“ des damaligen Innenministers Schäuble hin, der damit von der Stasi ja wohl gut gelernt hat“, sagt Naumann. 

Er hielt damals mit seiner Kritik nicht zurück sondern übermittelte seine Gedanken mit dem Foto seines Kunstwerks an den Bundesminister. Das Eingangsschreiben der Behörde verwahrt er bis heute in seinen Aktenordnern auf.

Weitere Werke drehen sich um Nepal unter dem Stichwort „Kommunismus gegen Monarchie“ und um China. Eine Gewehrkugel steht für die Tötung von Tibetern nach der Besetzung Tibets durch die Chinesen in 1950, ein magisches Auge markiert die Gewalt, eine Goldmünze die chinesische Kultur. 

Über 20 Steinbilder in mehr als zwei Jahrzehnten

Über 20 Steinbilder hat Peter Naumann in mehr als zwei Jahrzehnten geschaffen. Allein die Materialkosten schätzt er auf rund 2000 Euro. „Meine Arbeitsstunden habe ich nie gezählt.“ 

Am Anfang steht immer die Idee. Dann sucht sich der Künstler die zum jeweiligen Land passenden Materialien. Der Steinesammler ist in den entsprechenden Foren gut vernetzt. Auch bei Reisen – unter anderem nach Indien – wurde er fündig, sagt der ehemalige Matrose bei Handels- und Personenschifffahrt. Er verdiente unter anderem auf dem Raddampfer auf der Weser sein Geld und arbeitete eine Saison am Edersee.

 Durch eine seiner Töchter, die in Kleinern lebt, ist der Hobbygeologe und Sammler ins Edertal gekommen. Seit Oktober lebt er mit seiner Frau im Wesetal. In seinem neuen Domizil hat er weder Werkstatt noch Geräte, um das Material zu bearbeiten. Somit beendet er seine langjährige künstlerische Schaffenskraft. „Obwohl die Ideen nie ausgehen“, wirft er mit einem Schmunzeln ein. 

Schwerpunkt war Nordhessen bei Geologie, Mineralogie und Päläontologie

Aktuell ist er dabei, seine umfangreiche Steinsammlung nach und nach aufzulösen. Teile davon hat er an verschiedene Museen abgegeben. Auch von den Steinbildern will sich der Edertaler trennen. Sie waren bislang fast ausschließlich seinen Bekannten im engeren Umfeld zugänglich. Aber die katastrophalen Zustände, die er aufspießt, die gehen alle an, betont der Künstler und Hobbygeologe. 

Der Mineralogie bleibt er aber weiter treu. Sein Sachverstand sei bei Kollegen noch gefragt, freut sich Naumann. Im Fokus stand für ihn stets die Region. „Mein Schwerpunktgebiet war ausschließlich Nordhessen bei Geologie, Mineralogie und Paläontologie.

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