NABU-Projekt auf Wiese am Sengelsberg

Arche aus alten Obstbaumsorten bei Böhne

Im Frühling immer eine Augenweide: Bei Böhne blühen wieder die Bäume. Foto: Wolfgang Lübcke

Edertal-Böhne – Mit Hilfe von Baumpaten legt der NABU Edertal auf einer Wiese am Sengelsberg bei Böhne eine Obstbaum-Arche an.

Von möglichst vielen alten Sorten wird je ein Hochstamm angepflanzt. Die Sorten und die Namen ihrer Spender sind auf Holzschildern zu lesen.

Nach Angaben von Vorsitzendem Markus Jungermann (Bringhausen) sind die Anlässe für die Obstbaumspenden ganz unterschiedlich: Geburt von Kindern oder Enkelkindern, Familien- und Firmenjubiläen bis hinzu zu Menschen, denen einfach nur die Erhaltung alter Obstbaum-Sorten wichtig ist. Bis jetzt stehen 31 Bäume, für zehn weitere ist noch Platz.

An der neu entstehenden Streuobstwiese hat der NABU Edertal kürzlich ein Schild anbringen lassen, das deren Bedeutung für den Landschafts- und Naturschutz erklärt:

Alte Obstbäume gliedern und prägen die Landschaft. Streuobstwiesen dienten über Jahrhunderte einem doppelten Zweck, die Bäume zur Obsterzeugung (Obernutzung) und das Grünland als Viehfutter, Heuwiese oder Viehweide (Unternutzung). Sie sind besonders artenreiche Lebensräume. In ihnen können weit mehr als 1000 Insektenarten leben. Charakteristische Vogelarten sind zum Beispiel Steinkauz, Grünspecht, Wendehals, Gartenrotschwanz und Feldsperling.

Die Bäume bezieht der NABU von einer Bio-Baumschule aus der Region, die sich auf den Erhalt alter Sorten spezialisiert hat. Unter ihnen sind auch einige nordhessische Lokalsorten wie Waldecker Nummer 1, Metzrenette, die Korbacher Edelrenette und die Naumburger Schafsnase.

Anlässlich der Vorstellung des Info-Schildes berichtete NABU-Obstbaumexperte Robert Jäger (Twiste) über die Geschichte dieser Sorten.

Beispiel Metzrenette: Sie ist nach einem früheren Besitzer des Ritterguts Kalbsburg bei Fritzlar benannt. Wilhelm Metz entdeckte die seltene Sorte in seinem Geburtsort Zennern. Im Jahr 2011 war die Metzrenette „Hessische Lokalsorte“. „Die Nutzung des Obstes, als Vitaminspender im Winter oder zum Pressen von Saft, ist ein Beitrag zur Erhaltung unserer Streuobstwiesen“, betont Jungermann.

Er dankte NABU-Vorstandsmitglied Ralf Relke aus Böhne für seinen Einsatz bei Anlage und Pflege der Obstbaum-Arche.

Alljährlich kommt eine mobile Saftpresse zu mehreren Terminen nach Böhne. Die Pflege der NABU-Streuobstwiese erfolgt mit Hilfe einer vom Aussterben bedrohten Haustierrasse, dem Coburger Fuchsschaf.

Früher spielte in der heimischen Region die Erzeugung von Tafelobst an den klimatisch günstigen Südhängen von Böhne eine bedeutende Rolle. Äpfel, Birnen und Zwetschgen aus Böhne waren kreisweit berühmt. Pfarrer Hagemann aus Netze reimte einst in einem Gedicht über Böhne: „Wer Behnsche Äppel hott geschmacht, der hott sinn Lebtag dran gedacht. Un Bähren (Birnen) honn se, ach so sieße, als kemen se us‘n Paradiese.“

VON WOLFGANG LÜBCKE

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