Nach dem Haupttäter wird noch gesucht

Körperverletzung in Edertal: Verfahren gegen 32-Jährigen eingestellt

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Ein 32-Jähriger musste sich am Fritzlarer Amtsgericht wegen Körperverletzung verantworten.

Edertal/Fritzlar – „Wir sehen uns nicht wieder.“ Mit diesen Worten hat Strafrichterin Lydia Lahmann im Amtsgericht Fritzlar nach fast dreistündiger Verhandlung einen 32 Jahre alten Mann aus Braunschweig verabschiedet, der unter anderem der gefährlichen Körperverletzung beschuldigt worden war.

Das Verfahren gegen den nicht vorbestraften Stadt- und Regionalmanager wurde eingestellt. Das hatte die Staatsanwaltschaft angeregt. Mit angeklagt war der 38-jährige Schwager. Dessen Verfahren war aber abgetrennt worden, weil die Justizbehörden nicht wissen, wo er lebt. Vermutlich hat er sich ins Ausland abgesetzt. Der mehrfach vorbestrafte Schwager soll im Juni 2018 in Edertal den Großteil der Straftaten begangen haben. Das jedenfalls ist das Ergebnis der Beweisaufnahme.

Angeklagt waren Beide wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung, tätlichen Angriffs auf Polizeibeamte und andere Delikte. Die Männer sollen in Edertal zwei Feriengäste geschlagen und getreten haben. Dies habe zu „nicht unerheblichen Verletzungen“ geführt. Der 38-Jährige hat laut Staatsanwaltschaft während der vorläufigen Festnahme durch die Polizei „massiv Widerstand gegen die Maßnahmen der Beamten“.

Vier oder fünf Streifenwagenbesatzungen waren an dem Abend im Einsatz, Unterstützung gab es auch auch dem Schwalm-Eder-Kreis. Drei Polizeibeamte wurden nach Angaben der Staatsanwaltschaft außer den beiden Feriengästen – Vater und Sohn – verletzt. Nach der Festnahme beleidigte der Beschuldigte die die Polizeibeamten fortlaufend und drohte ihnen, sie „platt zu machen“ und ihre Familien umzubringen. „Das hört sich gewaltig an“, kommentierte Richterin Lahmann die Anklageschrift.

Der angeklagte 32-Jährige berichtete, er und sein Schwager seien zum fünften Mal in der Ferienanlage gewesen. Mit einem neuen Auto hätten sie auf dem Gelände Runden gedreht. Ein Jugendlicher habe bewegungslos auf der Straße gelegen. Sein Schwager, der am Steuer gesessen habe, habe den Motor aufheulen lassen. Dann seien sie aus einer Gruppe heraus beschimpft worden: „Schon wieder scheiß Ausländer in einem BMW.“ Sein Schwager sei dann mit der Faust ins Gesicht geschlagen worden. Der 32-Jährige: „Ich habe die Streithähne auseinandergezogen und versucht, zu schlichten. Ich habe niemanden geschlagen.“

Während der Beweisaufnahme sagten Zeugen, der 32-Jährige habe auch beruhigend auf den Streit eingewirkt. „Alles war sehr unübersichtlich“, berichtete ein Polizeibeamter. Die beiden Männer seien sehr aggressiv gewesen. Der 32-Jährige habe versucht, seinen Schwager „einzudämmen“, der „außer Rand und Band“ gewesen sei.

Nach unterschiedlichen Zeugenaussagen blieben viele Fragen offen. Richterin Lahmann: „Was machen wir jetzt?“ Haupttäter sei der nicht anwesende Schwager. Das sah auch die Staatsanwältin so. Die Opfer erinnerten sich überhaupt nicht an die Tat und nicht daran, wer was gemacht habe, „ein eindeutiges Beweisergebnis gab es bisher nicht“. Die Kosten des nunmehr eingestellten Verfahrens trägt die Staatskasse. Ob der 38-Jährige Schwager jemals vor Gericht stehen wird, ist ungewiss. Nach ihm wird gesucht.

Von Manfred Schaake

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