Wenn gefeiert wird, ist Norbert dabei

Un-Ruhestand in Witzenhausen: Edertaler Pony-Opa ist nicht zu stoppen

Sie kümmern sich um den Pony-Methusalem: Mit guter Pflege und viel Beschäftigung sorgen Besitzerin Fiona Wollermann (rechts) und ihre Helferin Clara Zeuner dafür, dass Norweger-Pony Norbert auch mit seinen 30 Jahren noch längst nicht zum alten Eisen gehört. Foto: Per Schröter

Wenn es in Witzenhausen etwas zu feiern gibt, ist Norbert dabei. Der Pony-Opa aus dem Edertal ist auch im stolzen Alter von 30 Jahren noch lange nicht im Ruhestand.

EdertalWitzenhausen – Erntefest, Vereinsfest, Sommerfest, als St. Martins-Ross – stets sorgt das freundliche Norweger-Pony bei Kindern und Erwachsenen für strahlende Augen. Anfang April feierte Norbert seinen 30. Geburtstag. Obwohl das bereits ein stolzes Alter ist für ein Kleinpferd, gehört Norbert damit noch nicht zum alten Eisen.

Vom ersten Lohn ein Pferd gekauft

„Norbert war für mich ein echter Glücksgriff“, sagt Besitzerin Fiona Wollermann. Seit ihrer Kindheit hatte die 31-jährige Agraringenieurin von einem eigenen Pferd geträumt, mit dem sie eine Kutschfahrt bis ans Meer unternehmen wollte. 2012 war es soweit: Nachdem sie einen leichten Planwagen ausgebaut hatte, der mit wenigen Griffen zum Langstrecken-Reisegefährt mit Bett und Stauraum verwandelt werden kann, sollte endlich ein Pferd her.

„Ich konnte damals weder Kutsche fahren, noch hatte ich das Geld für ein teures Pferd“, sagt Wollermann – und suchte daher nach einem erfahrenen, älteren Kutschpferd: „Ich hatte in den Ferien bei der Weinlese geholfen. Von meinem Lohn kaufte ich für ein paar hundert Euro das billigste Pferd aus den Kleinanzeigen.“ Ein Kauf, den sie nie bereute.

Früher als Fahrpferd im Edertal unterwegs

Norbert kam ursprünglich aus Dänemark, hörte auf den Namen „Morton 5“ und lebte seit seinem vierten Geburtstag im Edertal. Dort war er jahrelang privat als Fahrpferd unterwegs und machte zum Teil mehrtägige Touren mit seinem Besitzer. „Leider war Norbert in diesen Jahren ohne viel Pferdegesellschaft“, sagt Wollermann.

 Als sein Besitzer im hohen Alter starb, war Norbert bereits 21 Jahre alt, sollte sein Gnadenbrot als „Beistellpferd“ als Gesellschaft für ein Reitpferd erhalten. „Von dieser Idee und allgemein von anderen Pferden hielt Norbert nicht sehr viel“, lacht Wollermann. „Er zog das Zusammensein mit Menschen einer Herde deutlich vor, obwohl er ziemlich mürrisch und dominant war.“

"Es dauerte lange, bis er mich mochte"

Das bekam auch seine neue Besitzerin zu spüren. „Norbert hatte in den ersten Wochen einen richtigen Sturkopf. Es dauerte, bis er mich mochte“, erinnert sie sich. Als sie doch Freunde wurden, zeigten sich Norberts Stärken. „Er ist kooperativ, besonnen, geduldig und lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen.“

Nach seiner Ankunft in Witzenhausen trainierte Wollermann täglich mit Norbert, der wieder auflebte und nach dem ersten Winter fit genug war, eine Kutsche zu ziehen. „Die erste große Planwagenreise machten wir im Sommer 2013“, so Wollermann. Vier Monate waren sie unterwegs. Obwohl es dem Pony kaum jemand zugetraut hätte und es Norberts Entscheidung sein sollte, wie lange er täglich laufen wollte, schafften sie es bis an die Ostsee. „Dort sind wir dann am Strand galoppiert und im Meer geschwommen und haben viele nette Bekanntschaften gemacht.“

Die letzte große Tour nach Hannover

Aus dem alten, müden Pony war wieder ein richtiger „Traveller“ geworden, der sich auch von hupenden Lastwagen oder einem plötzlich neben ihm landenden Segelflugzeug nicht beunruhigen ließ.

Nervenstark: Norweger-Pony Nor bert bleibt auch in der Witzenhäuser Innenstadt gelassen. Foto: Privat

„Er meisterte alle Situationen mit einer herausragenden Gelassenheit und schrieb dabei noch Geschichte“, sagt Wollermann. Norbert zog nämlich die Hochzeitskutsche für die erste offizielle gleichgeschlechtliche Eheschließung in Witzenhausen und hat später öfter blumengeschmückt glückliche Brautpaare am Rathaus abgeholt. Nach mehreren größeren Touren führte seine letzte 2016 die Weser hinauf bis nach Hannover und an der Leine zurück – immerhin 300 Kilometer.

Chef in der Ponyherde

Längst hat Norbert wieder Freude an Pferdegesellschaft gefunden und lebt heute zufrieden in einer Ponyherde – wo er der Chef ist. „Von Ruhestand würde ich noch nicht sprechen“, sagt Wollermann mit einem Schmunzeln. Wie gut er trotz seiner 30 Jahre drauf sei, zeige die Tatsache, dass er noch regelmäßig galoppiert.

 „Ich wünsche Norbert noch viele glückliche und gesunde Jahre“, sagt Fiona Wollermann. Ein Wunsch, den alle Menschen teilen dürften, denen Norbert über Jahre viel Freude bereitet hat.

VON PER SCHRÖTER

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