Interview

Christian Drosten: „Sehen gerade jetzt die Verschleppung des Virus auch in ländliche Regionen“

Der Ärztemangel auf dem Land kommt während der Corona-Pandemie besonders zum Tragen, sagt Christian Drosten, Virologe an der Charité in Berlin.
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Der Ärztemangel auf dem Land kommt während der Corona-Pandemie besonders zum Tragen, sagt Christian Drosten, Virologe an der Charité in Berlin.

Der Direktor des Instituts für Virologie an der Charité in Berlin, Prof. Christian Drosten, über zunehmende Corona-Ausbrüche in ländlichen Regionen, besondere Risiken älterer Menschen auf dem Land und die Probleme des Ärztemangels.

Das Interview führte Journalist Rainer Münch, der aus Edertal-Wellen (Landkreis Waldeck-Frankenberg) stammt.

Bislang war der Eindruck entstanden, die Covid-19-Pandemie werde vor allem von der Entwicklung in den großen Städten getrieben. Stimmt das noch angesichts der gestiegenen Infektionszahlen in einigen ländlichen Landkreisen?
Wir sehen gerade jetzt die Verschleppung des Virus auch in ländliche Regionen. In einigen Fällen kann man ursächliche Beziehungen vermuten, zum Beispiel durch das klar vorliegende Ausbruchsgeschehen im Zusammenhang mit Betrieben der fleischverarbeitenden Industrie. An anderen Orten gibt es aber Ausbrüche im privaten Umfeld, in Vereinen und generell in der sozialen Geselligkeit des Landlebens.
Was sind die Ursachen für die Entwicklungen in ländlichen Regionen, insbesondere im Unterschied zu den Städten?
Das rege Vereinsleben auf dem Land ist sicherlich etwas, das man so in der Stadt nicht hat. In der Stadt geht man in Vereine, weil es beispielsweise um ein Spezialhobby geht, für das man Partner, Gleichgesinnte oder Mitspieler braucht. Auf dem Land ist die Geselligkeit der Hauptgrund für die Existenz von Vereinen, Jung und Alt sind oft gleichermaßen dabei. Der gute gesellschaftliche Zusammenhalt auf dem Land bietet dem Virus aber leider auch Gelegenheit, zwischen den Generationen übertragen zu werden.
Welche Rolle spielen die Familienstrukturen auf dem Land, etwa in der Form, dass dort noch oft mehrere Generationen unter einem Dach leben?
Mehrgenerationenhaushalte spielen sicherlich eine zusätzliche Rolle. Gerade auf dem Land gibt es aber auch den gegenteiligen Effekt, nämlich die zum Teil einsetzende Isolation von älteren Menschen, deren Kinder nicht mehr im Haushalt wohnen, und die nun – auch wegen der Notwendigkeit des Autofahrens – mitunter einen eingeschränkten Bewegungsradius haben.
Was ist zu tun?
In diesen Fällen ist es besonders wichtig, den Kontakt zu halten, gezielt nach der Gesundheit zu fragen und bei Erkrankungen sofort den Hausarzt zu involvieren. Der Zugang zur Testung ist für diesen besonders gefährdeten Personenkreis oft schwer. Gerade im höheren Alter ist es aber wichtig, eine frühzeitige Diagnose zu stellen und keine Berührungsängste mit der Medizin zu haben. Viele Fälle entwickeln sich deswegen ungünstig, weil die meist älteren Patienten zu lange mit Symptomen zu Hause abwarten und dann zu spät ins Krankenhaus eingewiesen werden.
Über eine unzureichende gesundheitliche Versorgung auf dem Land wird seit langem diskutiert. Ist eine angemessene Behandlung der Menschen in den ländlichen Räumen Ihrer Einschätzung nach gesichert, sollte sich die Pandemie ausweiten?
Eine ganz besondere Herausforderung ist die Versorgung der Landbevölkerung durch Hausärzte. Diese müssen auf dem Land alle Aufgaben übernehmen, die in der Stadt in viele Sektoren aufgeteilt sind: die Notfallambulanz, das Testcenter, der Facharzt und die nachstationäre Versorgung. Der Arztmangel auf dem Land kommt während der jetzigen Situation besonders zum Tragen. Hier ist sicherlich in Zukunft ein großes Augenmerk nötig.
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„Sie haben eigentlich Besseres zu tun, als hier zu sitzen und einen Orden in Empfang zu nehmen“, sagt Bundespräsident Steinmeier. Er hat heute Professor Christian Drosten, den Direktor des Instituts für Virologie der @chariteberlin, für seinen Einsatz in der Corona-Pandemie mit dem Verdienstorden ausgezeichnet – zusammen mit 14 weiteren Bürgerinnen und Bürgern, die sich durch außerordentliche Leistungen verdient gemacht haben. Sie helfen, die Pandemie zu bewältigen, fördern das Zusammenwachsen von Ost und West und tragen dazu bei, Vorurteile in unserer Gesellschaft abzubauen. +++ ‘You actually have better things to do than sitting here and receiving an Order,’ says Federal President Steinmeier. Today, he awarded the Order of Merit to Professor Christian Drosten, Director of the Institute of Virology at Berlin’s Charité hospital, for his commitment during the coronavirus pandemic. 14 other citizens were also honoured for their extraordinary accomplishments. They help to overcome the pandemic, promote the merging of East and West Germany, and contribute to breaking down prejudices in our society. #verdienstorden #bundesverdienstkreuz #danke #congratulations #drosten #corona #covid19 #bundespräsident #steinmeier

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