Virtuell rekonstruiert eine engagierte ehrenamtliche Gruppe Alt-Bringhausen, während die Gebäudereste rasant völlig zu zerfallen drohen

Edersee-Atlantis wird wiederbelebt und ist doch akut bedroht

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Mit einem lachenden und einem weinenden Auge: die Initiatoren der Rekonstruktion von Alt-Bringhausen (von links): Matthias Schlote, Klaus-Peter Wenzel und Heinz-Wilhelm Hilberg an Ort und Stelle mit der Drohne, die ihnen zur Kartierung des versunkenen Dorfes dient und mit einer alten Ansicht des Ortes. Sie freuen sich auf und über ihr Projekt, sorgen sich aber, wie die Waldecker Atlantis-Aktivisten um die Gebäudereste, die drohen, bald bis zur völligen Unkenntlichkeit zu verschwinden.

Edersee. Eine Gruppe von Bringhäusern belebt Alt-Bringhausen wieder - virtuell, so dass tausende von Gästen, die alljährlich auf den Spuren des Edersee-Atlantis wandern, an Ort und Stelle per Handy oder Tablet in die Vergangenheit reisen können. Außerdem sollen überdimensionale, transparente Tafeln mit alten Dorfansichten an der Bringhäuser Bucht installiert werden, durch die man bei Niedrigwasser auf die Original-Mauerreste blickt.

Klaus-Peter Wenzel, Matthias Schlote und Heinz-Wilhelm Hilberg widmen sich seit Monaten begeistert dieser selbst gestellten Aufgabe, um zum Nationalpark-Tag am 21. Mai in Bringhausen Ergebnisse zu präsentieren. In ihre Leidenschaft für die Geschichte der eigenen Heimat mischt sich allerdings eine große Sorge, die sie mit den Mitgliedern des Waldecker "Vereins zum Erhalt der Dorfstelle Berich" teilen: Die Überbleibsel der untergegangenen Dörfer könnten bald restlos verschwunden sein, wenn sie nicht endlich in einer gemeinsam angelegten, großen Rettungsaktion der Anliegerkommunen gesichert werden. Edersee-Atlantis ist akut bedroht.

Dem Waldecker Verein ist bereits das Geld ausgegangen. So kann er seine Arbeit im nächsten Jahr nicht fortsetzen. Deshalb legt die Gruppe aktuell eine "Baustein"-Aktion auf. Durch sie sollen sich private Spender an der Restaurierung der Mauerreste beteiligen: Pro 200 Euro und damit einem sanierten Meter erhält jeder Spender eine offizielle Urkunde.

Doch bei diesem Versuch handelt es sich, selbst wenn viele mitmachen, um einen Tropfen auf den heißen Stein. Nötig ist das Bündeln der Kräfte der Edersee-Gemeinden. Eine Finanzierung des Projektes scheint trotz schwieriger Haushaltslagen durchaus möglich, zeigen WLZ-Recherchen.

Mehr in der WLZ vom 8.12.2016

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