Badestellen Scheid, Waldeck-West und Rehbach betroffen

Edersee: Gesundheitsamt warnt wegen Blaualgen vor dem Baden

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Trübes, stinkendes Wasser mit Schlieren und Flocken breitet, wie hier an der Segelschule in Rehbach und an den Uferbereichen der gegenüber liegenden Halbinsel Scheid.

Edersee. Wegen einer starken Blaualgenentwicklung hat das Gesundheitsamt Waldeck-Frankenberg eine Badewarnung für den Edersee ausgesprochen.

Stinkender blau-grüner Brei breitet sich am Edersee am Rehbach und der Halbinsel Scheid aus. Besonders in windgeschützten Lagen und den flacheren Bereichen an den Bootsstegen hält sich die zähflüssige Masse. 

Beobachter sprechen von „Blaualgen“, Experten vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) von Cyanobakterien. Dieser Anblick ist im Spätsommer nicht ungewöhnlich, meint Bernd Strobawa, der am Edersee aufgewachsen ist. „Aber in diesem Ausmaß habe ich es noch nie gesehen“, sagt der 70-Jährige, der gelegentlich die Edersee-Fähre steuert. Am Freitag wurde er erstmals auf die rasante Ausbreitung der grünen Brühe aufmerksam. Nach einer windstillen Nacht traute er seinen Augen kaum: „Ein riesiger blau-grüner Teppich trieb im Wasser.“ 

Warnhinweis an den Badestellen: „Baden auf eigene Gefahr“ 

Grün schimmert der Edersee: Am Bootssteg bei Rehbach hat sich ein stinkender blau-grüner Teppich ausgebreitet.

Nur während der offiziellen Badesaison wird die Wassergüte an den EU-Badestellen im Landkreis regelmäßig überwacht, Aber „die Badesaison endete am 23. August, danach gilt Baden auf eigene Gefahr“, merkte Winfried Staudt vom HLNUG an. 

Aufgrund der Hinweise auf einen Algenteppich im Edersee habe das Gesundheitsamt des Landkreises Waldeck-Frankenberg mit seinem Fachbereich Hygiene/Infektionsschutz (Gesundheitsaufsicht) eine Ortsbesichtigung vorgenommen, informierte Pressesprecherin Petra Frömel auf WLZ-Anfrage. 

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Den zuständigen Sachbearbeitern der Gemeinde Edertal und der Stadt Waldeck sei Informationsmaterial zum Aushang an den Badestellen bereit gestellt worden, „falls einzelne Personen doch noch baden wollen“. 

Blaualgen können hautreizend und giftig sein

Wie Erbsensuppe: In flacheren Bereichen des Edersees bei Scheid und Rehbach treiben Schlieren und Flocken im trüben Wasser.

In dem Aushang wird auf sehr starke Blaualgenentwicklung an den Badestellen Scheid, Waldeck-West und Rehbach hingewiesen. „Erkennbar ist dies an der deutlichen Trübung des Wassers, grünen Schlieren und grünen Flocken. Blaualgen können hautreizend und giftig sein.“ Die Wasserbehörde sei ebenfalls über das Auftreten der Algenblüte informiert worden. Frömel: „Weitere Maßnahmen sind vom Gesundheitsamt des Landkreises nicht vorgesehen.“ 

Michael Conrad vom Regierungspräsidium in Kassel, das für die Gewässerqualität verantwortlich zeichnet, sieht angesichts der Algenentwicklung keinen Grund zur Besorgnis. „Das ist völlig normal und passiert jedes Jahr.“ Durch die extreme Trockenheit sei es aber in diesem Jahr nicht wie bisher an abgelegeneren Bereichen vermehrt aufgetreten sondern an den Badestellen. 

Anzeichen eines Fischsterbens im Edersee, verursacht durch die Ausbreitung von Blaualgen, seien nicht zu erkennen, teilte Rainer Paulus vom Naturpark Kellerwald-Edersee mit. Dass der Edersee wegen Sauerstoffmangels gar „umkippen“ könnte, befürchtet HLNUG-Sprecher Staudt nicht. „Aus keinem der 61 Badeseen in Hessen ist uns so etwas gemeldet worden.“

Bald nur noch 20 Millionen Kubikmeter Wasser im Edersee

Der Edersee ist mit aktuell 31,7 Millionen Kubikmetern nur noch zu 16 Prozent gefüllt. Seit Erreichen der Trigger-Linie fließt nur die Mindestabgabe von 6 Kubikmeter pro Sekunde aus den Überläufen der Staumauer ab. 

Wenn kein nennenswerter Niederschlag im Einzugsgebiet der Talsperre fällt, wird voraussichtlich zum Monatsende die magische Grenze von 20 Millionen Kubikmeter Wasser erreicht, deutet Odo Sigges vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Hann. Münden an. Dann wird aus dem Edersee nur noch soviel Wasser abgegeben wie auch zufließt.

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Hintergrund: Durch Cyanotoxine drohen Übelkeit, Durchfall und Entzündungen

Kinder sollten mit den an den Strand gespülten, grünlichen Ablagerungen keinesfalls spielen. 

In Deutschland überwachen Behörden die ausgewiesenen Badestellen. Informationen dazu stehen auf der Homepage badeseen.hlnug.de. Das Landesamt empfiehlt folgende Faustregel: Wer knietief im Wasser steht und seine Füße wegen einer grün-blauen Trübung nicht mehr erkennen kann, sollte lieber woanders baden gehen. 

Gründliche Dusche nach dem Baden und Reinigung von Badesachen werden empfohlen, um Hautreizungen zu vermeiden. Wer nach dem Baden gesundheitliche Beschwerden hat, sollte einen Arzt aufsuchen und das Gesundheitsamt informieren. Cyanobakterien enthalten eine Vielzahl von Wirkstoffen. Von vielen ist die Wirkung erst teilweise bekannt. Die Bedeutendste ist jedoch die Giftwirkung der „Cyanotoxine“. Ein Gesundheitsrisiko besteht vor allem, wenn Wasser mit hohen Cyanotoxin-Konzentrationen geschluckt wird oder in die Atemwege gelangt. 

Das größte Risiko haben Wassersportler mit intensivem Wasserkontakt: Etwa beim Wasserskifahren, Windsurfen oder Tauchen – aber auch beim Kopfsprung und beim Segeln in stürmischem Wetter. Cyanobakterien können Übelkeit hervorrufen, Durchfall oder gar Entzündungen von Hals, Augen und Ohren, Magen-Darm- Entzündungen, Atemwegserkrankungen und allergische Reaktionen. Schwerwiegendere – wenngleich sehr selten bekannt gewordene – Folgen sind Leberschäden. Besonders gefährdet sind Kinder, falls sie viel Wasser schlucken – vor allem im Flachwasser. Denn dort sammeln sich die meisten Cyanobakterien an. Quelle: Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt, Geologie.

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