Analysen auf manchen Feldern sehr ähnlich

Edertaler Parteien ziehen Lehren aus dem Foto-Finish bei den Bürgermeisterwahlen

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Jede Stimme zählt: Das galt bei der Edertaler Bürgermeisterwahl wörtlich und bescherte den Kontrahenten Klaus Gier (links) und Marco Mörschler (rechts) einen spannenden Abend, über dessen Ausgang sie Wahlleiter David Zerbes (Mitte) gerade informiert.

Edertal. Am Tag nach der Wahl klingen die Analysen der Edertaler Parteien ähnlich. Der knappe Ausgang gibt Anlass zum Nachdenken.

Die SPD

„Wir sind stolz auf Marco Mörschler, der einen superengagierten Wahlkampf gemacht hat“, zieht Andreas Schaake Bilanz, Fraktionsvorsitzender der Edertaler SPD. Das Ergebnis zeige zugleich, dass die Edertaler nicht damit zufrieden seien, was politisch in der Gemeinde passiere.

Schaake sieht den Bürgermeister Klaus Gier und den Gemeindevorstand in der Verantwortung, Hängepartien zu beenden und Lösungen für Themen wie Haus Alexander oder Kläranlagenbau voranzutreiben. Die Bürger fühlten sich nicht ausreichend beteiligt und auch das gelte es zu ändern. Schaake versteht das alles auch als Arbeitsauftrag ans gesamte Parlament.

WIR Edertaler

Holger Blume, Fraktionschef von WIR Edertaler, bescheinigt Marco Mörschler eine „sehr offene Art“. Der Herausforderer habe sich sehr viel Mühe gegeben und könne stolz auf das Ergebnis sein. Die WIR sei „sehr zufrieden mit der Arbeit von Bürgermeister Gier.“ Noch nie habe das Parlament so viele Informationen von der Verwaltung erhalten. Gegenüber dem Bürger habe es eine offene Kommunikation so vielleicht nicht gegeben.

In der Sache habe man alles umgesetzt, „wo wir tätig werden konnten“, sagt Blume. Er verweist auf den neuen Wohnmobil-Stellplatz oder die Zündstoff-City. Manches brauche Zeit, etwa die schwierigen Verhandlungen zum früheren Haus Alexander. Seit 2014 gebe es zudem keine „Kassenkredite“ mehr („Überziehungskredite“ der Kommunen; d. Red.)

Die FDP

Elmar Schultze-Ueberhorst zeigt sich überrascht vom Ergebnis. Mörschler habe einen „guten menschennahen Wahlkampf gemacht“. Der Vorsitzende der FDP-Fraktion setzt weiterhin auf eine gute Zusammenarbeit mit Klaus Gier als verlässlichem, zielorientierten Bürgermeister. Dieser wolle die Gemeinde voranbringen und gestalten.

Schultze-Ueberhorst wertet das Ergebnis aber auch als Auftrag an Bürgermeister und Parlament, diejenigen nach ihren Motiven zu fragen, die ihre Stimme nicht dem Amtsinhaber gaben. „Wir müssen die Bürger mehr dort abholen, wo sie stehen und auf sie zugehen“, ist er überzeugt. Es gelte, Politik für die Gemeinde umzusetzen und sie nach außen besser zu kommunizieren.

Die Grünen

„Mehr zu den Leuten zu gehen ist leichter gesagt als getan“, meint Rainer Pfeffermann, der Vorsitzende der Grünen-Fraktion. Marco Mörschler habe mit seinen zentralen Aussagen für mehr Bürgernähe und Moderation gepunktet. „Inhaltlich haben wir bis auf Bürgerhaushalt und Naturschwimmbad wenig gehört“, setzt Pfeffermann hinzu, denn Mörschler habe diese Inhalte erst noch entwickeln wollen.

Pfeffermann plädiert dafür, etwa im Vorfeld von Bauprojekten als Gemeindevertreter verstärkt den Weg zu den Bürgern zu suchen. Im Umkehrschluss wünscht er sich mehr Interesse der Bürger an Sitzungen von Ausschüssen und Gemeindevertretungen.

Die Freien Wähler

„Parlamentarisch bringt die Wiederwahl von Klaus Gier, über die wir uns sehr freuen, mit Sicherheit neuen Schwung“, erwartet FWG-Fraktionsvorsitzender Daniel Haase. Das Wahlergebnis zeige: Die Außendarstellung der Gemeinde und das bisher Erreichte sei „suboptimal“ gewesen – vor allem, „weil in den letzten Jahren auch erst mal viele Altlasten aufgeräumt werden mussten.“ Im Wahlkampf sei die eine oder andere Idee entstanden, die Edertal nur voranbringen könne.

Die CDU

Markus Weidenhübler von der CDU-Fraktion sieht es ähnlich: „Jetzt geht´s ans Gestalten, nachdem der Scherbenhaufen aufgeräumt ist.“ Sicherlich sei Klaus Gier auch aufgefordert, offener mit den Bürgern und nicht allein mit dem Parlament zu kommunizieren. Ein wichtiges Thema sei der Tourismus, beispielsweise, „wie wir besser mit niedrigen Wasserständen umgehen.“

Die Stimmverteilung in den Ortsteilen

Das Foto-Finish in absoluten Zahlen: 

Klaus Gier hatte die Nase vorn in seinem Heimatort Affoldern mit 127 zu 71 Stimmen, in Böhne (67/53), Bringhausen (57/28), Buhlen (38/34), Gellershausen (122/88), Königshagen (68/40), Mehlen (155/71), Wellen (175/171) und bei der Briefwahl (475/406). 

Marco Mörschler siegte in seinem Herkunftsort Bergheim (267/170), den Tourismus-Hochburgen Hemfurth-Edersee (167/136) und Kleinern (181/100) sowie im noch immer auf eine Feuerwehrlösung wartenden Anraff (111/55) und im Verwaltungssitz Giflitz (181/154). (r)

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