Reges Treiben im Mehrfamilienhaus

Edertaler Starenhaus ist ein Erfolgsmodell

Reger Betrieb: Fluggäste am ersten Starenhaus im Waldecker Land. Foto: Hermann Sonderhüsken

Das neue Starenhaus in Giflitz wird sehr gut angenommen. 

Edertal – Vom Artenschwund ist der Star in besonderem Maße betroffen. Von allen Arten musste er die stärksten Verluste hinnehmen. 1998 waren es noch geschätzte 6,1 Millionen Brutpaare, 2009 nur noch 3,5 Millionen, ein Rückgang um 42 Prozent. Deshalb wurde der Star zum „Vogel des Jahres“ 2018 gewählt. Bei der „Stunde der Gartenvögel“ war in diesem Jahr in Waldeck-Frankenberg ein Rückgang von 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen.

Stare brüten gern gesellig

Ein Star im Winterkleid: Im zeitigen Frühjahr trägt dieser so genannte Perlstar seine auffällige Färbung. Foto: Dieter Bark

Hauptursachen für die Gefährdung des Stars sind Nahrungsmangel und fehlende Brutplätze. Früher hingen in den Dörfern an vielen Scheunengiebeln manchmal drei bis vier Starenkästen. Das ist heute kaum noch zu beobachten. Auch an Gebäuden gibt es kaum noch Einschlupfmöglichkeiten für die Vögel, weil ältere Häuser meist gut saniert wurden.

Eine spannende Hilfsmöglichkeit sind die Starenhäuser, denn Stare brüten gern gesellig. Ein solches Starenhaus wurde auf Initiative des NABU Edertal im Jahr 2018 im Naturschutzgebiet „Krautwiese am Wesebach“ bei Giflitz aufgestellt, gut zu sehen vom Eder-Radweg aus. 

Bewährte Starenhäuser im Frankenberger Land

Bewährt hatten sich zuvor die beiden Starenhäuser in der Ederaue von Rennertehausen und bei Frankenberg. Besonders gut angenommen ist das Starenhaus im Naturschutzgebiet „Auf dem Tiergarten bei Frankenberg“ in Nähe der Walkemühle.

Erbaut wurde das Edertaler Starenhaus von Auszubildenden des Lehrbauhofs der Kreishandwerkerschaft in Frankenberg unter Leitung von Peter Wilhelm. Der NABU Edertal übernahm die Materialkosten. Aufgestellt wurde es mit technischer Hilfe des Energieunternehmens EWF. In drei Etagen bietet das Starenhaus jeweils acht Bruthöhlen, in der vierten Etage sind acht Schlitze für den Einflug von Mauersegler angebracht. Bereits im ersten Jahr wurde es vom „Vogel des Jahres“ mit drei bis vier Brutpaaren angenommen.

Mindestens 17 Bruthöhlen besetzt

Im dritten Jahr nach Aufstellung des Starenhauses hat sich unter den Vögeln offensichtlich herumgesprochen, dass hier gute Brutmöglichkeiten vorhanden sind. Eine systematische Erfassung ergab, dass mindestens 17 von 29 Bruthöhlen besetzt sind. Und dabei trat etwas Interessantes zu Tage.

Fünf der acht Einflugöffnungen für Mauersegler sind so erweitert worden, dass auch hier Stare einfliegen können und ihnen so insgesamt 29 Bruthöhlen zur Verfügung stehen. Wer hat das wohl gemacht? Dringend „verdächtig“ ist ein Grünspecht, der bei einer Kontrolle Anfang März aus einem Höhleneingang schaute. Er hat in dem Starenhaus möglicherweise die Winternächte verbracht, denn bereits im September erfolgte eine Grünspecht-Beobachtung am Starenhaus

Fazit: Das Starenhaus ist ein Erfolgsmodell. Ähnlich wie die vielen Schwalbenhäuser im Kreis können Starenhäuser eine Bereicherung der heimischen Dörfer sein.

Überwintern meist im Mittelmeerraum 

Stare sind Kurzstreckenzieher, die im Mittelmeerraum überwintern. In den letzten milden Wintern waren in der heimischen Region aber zunehmend Stare zu beobachten. Die sich hauptsächlich von Würmern, Insekten und Früchten ernährenden Vögel fressen im Winter Beeren und Samen. Bisweilen kommen die Vögel auch an Fütterungen. 

Man kann ihnen helfen, indem man aussortierte Äpfel auslegt, die durchaus auch ein wenig angefault sein können. Dem Wohnungsmangel der Stare kann mit Nistkästen begegnet werden, die in Gärten und Parks aufgehängt werden. Deren Einflugloch sollte einen Durchmesser von 45 Millimeter haben

VON WOLFGANG LÜBCKE

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