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Einblick in das Edersee-Atlantis: Aktivisten erwecken Alt-Bringhausen digital zum Leben

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Von: Matthias Schuldt

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Alexander Fischer, Pascal Benatzy und Miriam Köhler präsentieren die alte Bringhäuser Karte mit dem darüber projizierten aktuellen Atlantis-Luftbild.
Alexander Fischer, Pascal Benatzy und Miriam Köhler präsentieren die alte Bringhäuser Karte mit dem darüber projizierten aktuellen Atlantis-Luftbild. © Matthias Schuldt

Bringhausen. Einblick in eine versunkene Welt: Atlantis-Aktivisten wollen das im Edersee versunkene Alt-Bringhausen mit einer Handy-App digital zum Leben erwecken.

Seit 100 Jahren liegen die Überreste von Alt-Bringhausen wie im Schlaf auf dem Grund des Edersees, mit all den Geschichten über ihre früheren Bewohner. Doch, im Bild bleibend, wacht das alte Dorf langsam auf, geweckt durch moderne Mess- und Satellitentechnik, durch Drohnenfotografie. Es wird in Zukunft erlebbar am Handy für jeden Touristen und Einheimischen; dank des Einsatzes und der Leidenschaft mehrerer heimischer Atlantis-Aktivisten.

Die hatten bereits am Ostersamstag 2018 ein wichtiges Etappenziel erreicht: Die Enthüllung einer großen, durchsichtigen Tafel an der „Endstation“, die die Dorfansicht von Alt-Bringhausen, perspektivisch exakt gezeichnet von der Illustratorin Iris Rossbach zeigt – ganz so, als stünde man um das Jahr 1900 an dieser Stelle.

Sie erhielten nun wirkungsvolle, behördliche Hilfe: vom Korbacher Amt für Bodenmanagement. Die Beteiligten präsentierten die Arbeit und das Ergebnis am Donnerstag an Ort und Stelle.

Arbeit in vier Schritten: So entsteht die Handy-App über Alt-Bringhausen

Die Umrisse der Häuser und Wegeverbindungen, der Ställe, der Kirche, die Lage der Gebäude zueinander sind deutlich zu erkennen. „In der Karte sind die Besitzer der einzelnen Häuser mit Namen eingetragen: Der damalige Bürgermeister Christian Debes hatte den mit Abstand größten Hof“, berichtet Frank Mause.

Mit der App kann sowohl zu Fuß als auch im Boot Alt-Bringhausen erkundet werden

Das Wichtigste aber: Diese Daten ermöglichen es, dass in absehbarer Zeit Gäste – bei leerem See zu Fuß, bei vollem See vom Boot aus – mit Hilfe ihres Handys und des Satellitenortungssystems GPS gezielt durch das alte Dorf gehen. Bis auf einen Meter genau wissen sie dann, wo sie sich befinden: ob in der Küche oder der guten Stube der Familie Debes von 1857 oder dort, wo einst der Altar der Dorfkirche stand.

Die App bietet einen virtuellen Blick in Tenne oder Schweinestall

Vielfältige Möglichkeiten tun sich auf. „Wir wollen die Handy-App mit Videos ausstatten oder mit Audio-Dateien, über die sich der Gast Geschichten aus dem Leben der früheren Bewohner anhört“, erklärt Heinz-Wilhelm Hilberg die weiteren Pläne. Wo Fotos aus dem Inneren von Gebäuden existieren, wirft der Gast vielleicht virtuell einen Blick auf die Tenne oder in den Schweinestall der früheren Gehöfte. 

„Eine Firma, die für die ZDF-Reihe Terra X Animationen erstellt, hat uns ein Angebot für einen virtuellen Flug über die Alt-Bringhäuser Dorfstraße gemacht. Die Kosten liegen allerdings im sechsstelligen Bereich“, sagt Hilberg.

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App soll begeistern für Zeitreise in die Geschichte

Die Bringhäuser Atlantis-Aktivisten stecken mehr und mehr Menschen mit ihrer Begeisterung an. Messtruppführer Klaus Küthe aus Korbach und sein Kollege Rainer Knaust hatten viel Freude mit der nicht alltäglichen Aufgabe. Runde Punkte im Gelände eignen sich besonders gut zum Vermessen. In Alt-Bringhausen zählten dazu die Stümpfe der Bäume, die vor über 100 Jahren auf der Hauptstraße eine kleine Allee bildeten. „Man muss das hier erhalten“, ist Küthe überzeugt. 

Holger Blume (rechts) legt mit der Schaufel Pflaster im ehemaligen Inneren eines Altbringhäuser Hauses frei, beobachtet von Heinz-Wilhelm-Hilberg (links) und Frank Mause.
Holger Blume (rechts) legt mit der Schaufel Pflaster im ehemaligen Inneren eines Altbringhäuser Hauses frei, beobachtet von Heinz-Wilhelm-Hilberg (links) und Frank Mause. © Matthias Schuldt

Die Auszubildenden vom Amt für Bodenmanagement sehen das ebenso. „Denn wenn irgendwann keine Mauerreste mehr vorhanden sind, verschwindet der Reiz“, sagt Miriam Köhler. Und sie meint wie ihre jungen Kollegen Alexander Fischer und Pascal Benatzy, „dass sich auch junge Leute in Verbindung mit der digitalen Technik für diese Geschichte begeistern.“ Interessiert an Geschichten Mit Blick auf die Alt-Bringhäuser Brücke, deren Zukunft das Edertaler Gemeindeparlament demnächst berät, halten die jungen Leute allerdings nichts von einem kompletten Wiederaufbau. „Die Wirkung besteht in der Kombination aus Verfall und virtueller Realität“, meint Alexander Fischer. 

Anbieten würde es sich aber ein Fußgängersteg, damit man die Stationen des Edersee-Atlantis ohne große Umwege erwandern kann, ergänzt Pascal Benatzy. „Man staunt, wie viel hier in den letzten Monaten los war. Und alle Gäste, die ich auf unsere Pläne ansprach, sagten, dass sie sehr interessiert an Informationen und Geschichten über Alt-Bringhausen sind“, berichtet Heinz-Wilhelm Hilberg.

Neben der App gibt es noch viele weitere Ideen, um Alt-Bringhausen touristisch noch attraktiver zu gestalten: Die Fraktion WIR Edertaler zum Beispiel schlägt vor, einen Wiederaufbau der Bringhäuser Brücke zu prüfen, deren Original-Lager sich noch zwischen der Halbinsel Scheid und der Bringhäuser Bucht befinden.

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