Luggerfalken werden von Hand aufgezogen

Erste Jungvögel der Saison 2019 in der Greifenwarte Edersee geschlüpft

+
Falkner Ludger Kluthausen füttert von Hand die jungen Luggerfalken im Keller seines Hauses.

Hemfurth-Edersee – Bestes Oster-Flugwetter ist vorhergesagt für die  Greifenwarte Edersee. Gänsegeier „Ernie“, der sonst über die Köpfe der Besucher streicht, bleibt aber am Boden.

Er, der in Wirklichkeit eine „Sie“ ist, pausiert aus gutem, erfreulichen Grund, „denn mit seinem Partner ‘Documento’ brütet er seit Kurzem“, berichtet Falkner Ludger Kluthausen. Auch Mönchsgeier, Bartkäuze und weitere Arten haben Eier gelegt. Traditionell als erste zeugen die indischen Luggerfalken Nachwuchs. Ihre Küken sind schon geschlüpft. Gesteuert würden Fruchtbarkeit und Paarung über die Zunahme der Tageslichtstunden im Frühjahr, erklärt der Fachmann: „Etwas ungewöhnlich ist es darum, dass die Vögel insgesamt dieses Jahr etwa 14 Tage später dran sind .“

Im Lauf der Evolution haben die Greifvögel den Zeitraum ihrer Jungenaufzucht ans Nahrungsangebot angepasst. Beim Gänsegeier fällt er etwa auf die Phase, wenn die Schneeschmelze in den Bergen die im Winter verunglückten oder verendeten Tiere wie Gemsen oder Steinböcke frei gibt.

Die meisten Jungvögel, die am Edersee schlüpfen, zieht der Falkner von Hand auf, damit sie sich an den Menschen gewöhnen. Für eine Flugschau wären sie sonst zu scheu. Solche Tiere kann man allerdings nur schwer auswildern, sondern erst wieder ihre Nachkommen, wenn man deren Aufzucht den Eltern überlässt.

„Bei unseren Gänsegeiern bleiben die Jungen aber generell bei den Altvögeln“, schränkt Kluthausen schmunzelnd ein. Anderenfalls würden diese großen Vögel allzu zutraulich.

„Stecken Gänsegeier einmal den Kopf in Ihre Hosentasche und finden Futter, streichen sie Ihnen nur noch um die Beine“, berichtet der Falkner aus eigener jahrzehntelanger Erfahrung. Zum natürlichen Verhalten dieses Geiers gehört es nun einmal, bis zum Halsansatz in einen Kadaver abzutauchen, um Innereien herauszufischen.

"Wir gelten rechtlich als Zoo und sind verpflichtet, Erhaltungszucht zu betreiben“, schildert der Chef der Greifenwarte einen zentralen Punkt der Arbeit seines Teams. Darum gibt es jedes Jahr Tiere an andere, ähnliche Einrichtungen ab. Bald etwa reisen Luggerfalken-Küken nach Großbritannien. Dort sammeln Falkner viele Exemplare unterschiedlicher Herkunft, um einen Gen-Pool für spätere Auswilderungsprojekte in Indien aufzubauen. Zwischen 10 000 und 20 000 Luggerfalken leben laut Roter Liste der bedrohten Arten noch auf dem Subkontinent. „Das klingt nach viel, doch so eine Population bricht schnell zusammen und es ist besser, man beginnt nicht erst dann mit einem Nachzuchtprogramm“, sagt Kluthausen. Besonders gespannt verfolgt er das Geschehen beim Schmutzgeierpaar, das er 2018 bekam. Zeugte es Nachwuchs, wäre die Greifenwarte Edersee in Deutschland aktuell wohl die einzige Einrichtung mit so einem Erfolg. Weltweit steht die Art nicht auf der Roten Liste, ist aber nach Auskunft des Naturschutzbundes in ihrem südeuropäischem Verbreitungsgebiet selten geworden. Bekannt ist der Schmutzgeier für seinen Einsatz von Steinen als Werkzeug. Aus der Höhe lässt er sie auf Straußeneier fallen, um diese zu knacken. Ein Traum wäre es für Kluthausen, könnte er dieses Verhalten irgendwann in der Flugschau zeigen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare