Wie vor einer Holzauktion

Große, leuchtende Farbstriche an Wellener Friedhofsbäumen stiften Verwirrung im Dorf

Dick markiert: Das sind etliche Bäume auf dem Wellener Friedhof, doch nicht etwa, weil sie zum Fällen anstehen. Vielmehr verweist die Signalfarbe darauf, dass Pflegeschnitte an den Bäumen nötig sind oder dass über sie in Zusammenhang mit dem geplanten, neuen Friedhofskonzept für Edertal diskutiert wurde. Foto: Schuldt

Wellen – Seit Tagen verwirren dicke, lange Farbspray-Striche an Bäumen die Besucher des Wellener Friedhofs: in leuchtendem Signal-Magentha-Ton. Als starte bald eine umfangreiche Holz-Auktion auf dem Gottesacker.

Unruhe macht sich angesichts dessen im Dorf breit. Das Fällen dreier stattlicher Nadelbäume, zweier hoher Säuleneichen und einer großen Kirsche würde das Gesicht des Geländes drastisch verändern, sorgt sich beispielsweise Franz-Josef Göllner. Der Förster i.R. von den Edertaler Grünen hält die Bäume für nicht annähernd so geschädigt oder krank, dass sie zur Sicherheit gefällt werden müssten.

Die Gemeindeverwaltung gießt auf Nachfrage Öl auf die Wogen. Die Markierungen entspringen einer Begehung mit dem Ortsbeirat. Ein Teilnehmer habe die Spraydose gezückt und alle Bäume gekennzeichnet, über die irgendwie bei dieser Gelegenheit gesprochen wurde.

Tatsache ist: Die Laubbäume brauchen wegen größerer, abgestorbener Äste, die herunterfallen könnten, einen Pflegeschnitt, heißt es aus der Verwaltung.

Über die zwei Fichten und den Lebensbaum sei dagegen im Zusammenhang mit den Zukunftsplänen gesprochen worden, die der Arbeitskreis „Friedhof“ des Parlamentes seit Monaten für die letzten Ruhestätten in Edertal schmiedet.

Eine Idee lautet, „Ruhebäume“ auf Friedhöfen auszuweisen, da es an Möglichkeiten zum Einrichten eines Friedwaldes in Edertal fehlt. In Wellen käme unter Umständen der Bereich in Frage, wo die Nadelbäume stehen. Das ergab die Begehung. Neu zu pflanzende Linden und eine existierende Buche könnten nach etwaigem Fällen der Nadelbäume die Rolle als Ruhebäume übernehmen.

Doch das und viel mehr diskutiert die Kommunalpolitik erst, wenn die Ergebnisse aus dem Arbeitskreis „Friedhof“ in den Gremien vorliegen. Die Grünen stellen dazu am Donnerstag im Parlament einen Antrag. Aus ihrer Sicht sollte das Thema rascher zu Ende diskutiert werden, erläutert Göllner, der dem Arbeitskreis angehört.

Bürgermeister Klaus Gier stellt sich unterdessen die Frage, wie man die missverständlichen Marken an den Wellener Friedhofsbäumen wieder verschwinden lässt. Einfach zu entfernen sind sie nicht, denn man kann die Rinde nicht abschälen, ohne den Bäumen zu schaden. Gleiches gilt für den Einsatz einer Verdünnerlösung. „Im Forst haben wir in solchen Fällen die Marken mit brauner Farbe übersprüht“, rät Franz-Josef Göllner.

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