Reger Publikumszuspruch an beiden Tagen

Edertaler Gewerbeschau und Michaelismarkt 2019: Vielfalt in Inhalt und Präsentation

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Große Resonanz herrschte bei allen Ausstellern.

Edertal – Unzählige Gelegenheiten zu interessanten Gesprächen bot die Edertaler Gewerbeschau 2019 mit ihren Ständen.

Wohnen, Mobilität, Fachkräftemangel, die große soziale Frage – und wenn bei einem Notfall plötzlich all diese Probleme in den Hintergrund treten. Und fast immer mit dabei: moderne Technik. 

Der Wasserschaden

Angefangen im ganz Praktischen, Alltäglichen. Einen Wasserschaden fürchtet jede Familie mit eigenem Haus. Was viele nicht wissen: Wer ungeprüftes Material etwa an der Armatur verbaut, dem zeigt die Versicherung im Schadensfall möglicherweise die lange Nase, erklärt Jörg Köhler von der Firma Lands–kron Heizung/Sanitär/Elektro. Und auch wenn gezahlt wird: Ärger und Umstand sind garantiert. Verhindern sollen das – quasi als Gegenstück zum Feuermelder – Sensorsysteme, die bei Leckagen automatisch den Hauptwasserhahn schließen, wenn niemand daheim ist.

Offenheit beim Heizen

In Abständen von rund 15 Jahren geht es dagegen in der Regel beim Heizen um Entscheidungen. Hier zeigten sich die Kunden heute völlig offen für neue Technik, hat Sascha Fuchs, Installateur- und Heizungsbaumeister, als Erfahrung gemacht:

Wärmepumpen herrschten in Neubauten zwar vor, aber auch etwa Erdwärme oder Erdgas in Kombination mit Brennstoffzelle ließen sich ergebnisoffen besprechen.

Konservativ beim Auto

Autokunden ticken trotz heftiger Diskussionen um neue Mobilität konservativer, erst recht in ländlicher geprägten Regionen, meint Frederik Westmeier vom Autocenter Emil Frey in Kassel: „Das hat vielleicht auch damit zu tun, dass wir alles im Leben mehr und mehr planen müssen.“ Das Auto vermittele das Gefühl, durch seine Flexibilität wenigstens den Planungszwang in Sachen Mobilität zu begrenzen.

Bei den Antrieben erwartet Westmeier für die Zukunft einen Mix und verweist neben den neuen Elektromodellen auf die Brennstoffzellentechnik inklusive Hybrid-Autos, die unterschiedliche Antriebsformen kombinieren.

Die Ausbildungsfrage

Ohne modernen Stand der Technik kein Erfolg im Mittelstand, in jeder Hinsicht. Davon ist Mario Schröder überzeugt, der einen Baggerbetrieb führt und im Erdbau beim Aufspüren kaputter Kanäle Sensorik einsetzt, die exaktes Lokalisieren der Lecks und Brüche vorm Aufreißen ermöglicht.

Mario Schröder mit seinem Team aus Jungen und Erfahrenen.

Eine ähnliche Strategie wendet er bei der Gewinnung von Nachwuchs an: Aufsehen erregen mit pfiffigen Ideen auf sozialen Netzwerken. „Und Anregungen sammeln, wie ich mit Gemeinschaftsaktionen das Betriebsklima und den Zusammenhalt stärken kann.“ Mittel, wie sie große Unternehmen seit Längerem einsetzen und ohne die auch Handwerk und Mittelstand nicht mehr auskämen.

Sascha Fuchs ist zudem sicher: Die Praxis des papierlosen Büros motiviert junge Leute, sich um Ausbildungsplätze zu bewerben.

Sascha Fuchs präsentierte mit Sohn Mats unter anderem Whirlpools, wie ihn hier (von links) Sarah Martin, Kim Eigeland und NIcole Sperling testen.

Statt Papier und Stift werden Tablet, Handy & Co zur Kommunikation und Dokumentation verwendet. IEG-Vorsitzender Klaus Büchsenschütz setzt zudem darauf, dass in puncto Fachkräften die Schwäche der Industrie dazu führen könnte, dass einst dorthin abgewanderte Handwerker sich an ihre Wurzeln erinnern und als Fachkräfte in den Mittelstand zurückkehren könnten.

Die Altersarmut

Das Ende ihres Berufslebens haben dagegen viele im Blick, die beim VdK Rat suchen. „Manche müssen erst einmal eine Hemmschwelle überwinden“, erklärt Werner Schwab am Stand des Sozialverbandes. Über Altersarmut zu reden, falle nicht leicht. Die meisten mit diesem Risiko kämen erst kurz vor dem Ruhestand, dabei kümmert man sich besser frühzeitig um das Thema, ergänzt Thomas Schumann: „Am besten schon mit 40.“ Das sei das Alter, in dem häufig die ersten Gesundheitsprobleme aufträten und die Berufsbiografie vielleicht Risse und Brüche erhalte.

Der Notfall

Noch existenzieller geht es zu beim Förderverein der Luftrettung. Thomas Holpert ist von Beginn an als Ehrenamtlicher dabei: „Bundesweit haben wir rund 800 Mitglieder.“ Auch Firmen und Organisationen seien darunter. Gegründet wurde der Verein, weil die Finanzmittel nicht ausreichten für die Aus- und Fortbildung von Notfallärzten und Notfallassistenten für den Einsatz im Hubschrauber. Christopher 7 ist in Fuldatal stationiert. 

Die Flugretter: Ilona Ingber und Thomas Holpert erläuterten die Arbeit des Fördervereins.

Die Bundespolizei stellt die Piloten, die bei jedem Flug das Notfallteam im Rotkreuz-Krankenhaus Kassel abholen. Die Zahl der Einsätze steigt aus mehreren Gründen, erläutert Ilona Ingber: Der Notarztmangel auf dem Land und eine steigende Zahl von Bagatelleinsätzen für die Rettungswagen sowie veränderte medizinische Strategien wie die rasante Behandlung von Schlaganfallpatienten zählen zu den Gründen.

Impressionen von der Edertaler Gewerbeschau mit Michaelismarkt 2019

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